"Japan" und die Folgen


  • Diese KKWs wären dann ausserhalb unserer (politischen) Kontrolle und unsere Sicherheitsbedenken, Vorschriften usw. sind denen völlig egal.


    Hallo


    Welche Vorschriften meinst Du denn? Wenn ich sehe/höre, was da bei uns läuft, kann ich nur noch den Kopf schütteln... die Lauzeitverlängerung wird dabei sich ggf. noch als Rohrkrepierer herauskristallisieren. "Deutsche Sicherheitsstandards".... hmmmmpf...


    Sicherlich... man darf sich nichts vormachen. F z.B. wird [in derzeit sichtbaren Zeiträumen] nicht aus der Atomenergie aussteigen und auch bei uns ist es in zwei Jahren nicht zu schaffen. Und selbst wenn wir in 10 bis 15 Jahren ausgestiegen sind, bleiben noch genügend offene Fragen und Probleme. Rückbau, Endlagerung... die Mär vom billigen und sicheren Atomstrom aber ist vorbei. Wieder einmal...


    Entsetzt bin ich darüber, wie sehr sich die Bilder gleichen... Hubschrauber, die Wasser abwerfen... Menschen, die um Windrichtung und Niederschläge bangen... und - aktuell - Überlegungen für eine "finale Lösung".


    Mein Fazit: Wir müssen aussteigen und schauen, wie wir mit unseren Nachbarn verhandeln bzw. das Ganze in Europa gebacken bekommen [wir werden Staaten in Europa, die verstärkt auf Atomkraft gesetzt haben, sicherlich nicht allein lassen können].


    MfG

  • ... in der Nähe Kassel's swird eine Versuchsanordnung praktisch getestet.


    1. Photovoltaik; wenn die mangels Sonne ausfällt, wird entweder auf ein anderes Solarfeld umgeschaltet oder


    2. Windkraft verwendet; stehen die Windräder still, wird


    3. eine Biogasanlage verwendet, fällt auch die aus, wird


    4. ein Wasserkraftwerk betrieben.
    Sobald die Windräder überschüssigen Strom erzeugen, wird im Wasserkraftwerk das Wasser in das obere Becken gepumt, so kann die Windenergie gespeichert werden.



    Für die Biogasanlagen müssen große Flächen mit Mais angebaut werden. In meiner Region schießen die Biogasanlagen wie Wildkräuter hoch, und eine 700 MW-Anlage wird so stark subventioniert, dass sie sich Pachtpreise von 1000 €/ha leisten können und der Landschaft die Existenzgrundlage entziehen, weil diese bei den Pachtpreisen nicht mithalten können.


    Hinzu kommt, dass die Landschaft als Monokultur mit Mais verkommt und eine riesige Fläche zum Maisanbau, so groß wie Österreich, letztendlich benötigt wird.


    Es wäre Einiges machbar, aber die Regierung schöpft lieber den Gewinn aus der Laufzeitverlängerung der Akw's ab.


    Wie sagte Röttgen gestern so schön: "Ab einem bestimmten Punkt hat der Finnazminister die Verhandlungen mit den Akw-Betreibern um die Laufzeitverlängerung geführt."

  • Hallo


    Welche Vorschriften meinst Du denn?


    Mir wäre zum Beispiel wohler zumute, wenn ein KKW an der Deutsch/Polnischen Grenze auf unserer Seite der Oder steht. Nicht weil ich mir ein KKW wünsche, sondern weil ich in den hiesigen Ingenieuren, Beamten, Bauarbeitern, Technikern, Vorschriften und deren Einhaltung mehr vertraue, als der polnisch/russischen Technik/Betreibern. Glaube mir, ich spreche aus Erfahrung, wenn auch nicht aus der Kerntechnik, aber das kann man IMHO schon in Grenzen übertragen.
    Außerdem wäre dann eine Verschärfung der Sicherheitsvorschriften (wie ja jetzt gerade im Gespräch) nicht wirklich in Polen umsetzbar.


    Und eh mich hier wieder jemand falsch versteht. Ich bin nicht für die Kernkraft, sie gehört abgeschafft. Aber ich denke, das einfaches abschalten nicht geht und das Alternativen her müssen. Am besten Klimaneutral, also CO2-Neutral. Da muss verschärft und zügig dran gearbeitet werden. Und klar, das ganze im europäischen Kontext, weil ein Ausstieg nur in D nicht wirklich die Sicherheit bringt, die wir haben wollen.


    Franz


  • Mir wäre zum Beispiel wohler zumute...


    Hallo


    Meine Frage war aber eine andere! Denn mir wäre wohler, wenn wir ein aktuelles "kerntechnisches Regelwerk" hätten, das wirklich den Anforderungen heutigem Stand von Wissenschaft und Technik entspricht und nicht - weil da einige furchtbar gepennt haben - dem Stand der 70er. Und damit gings in die Laufzeitverlängerung und damit soll es aktuell in die Überprüfung gehen... letztere können wir dann bleiben lassen. Alles entspricht dann den dt. Standards und in Wahrheit haben wir Verhältnisse wie sonst wo. So lange das so ist, sollten wir uns tunlichst nicht über andere Verhältnisse "wundern".


    Keine Sorge... verbrochen hat's die große Koalition. Nichts geändert, verschlimmert und verkauft die jetzige Regierung. Da muss als allererstes ran gegangen werden [von wem ist mir "wurscht"]. Erst dann können wir über AKW's und deren Sicherheit in den nächsten/letzten Jahren reden.


    Und klimaneutrale Energieversorgung werden wir noch weniger bekommen als den Ausstieg aus der Kernenergie... nicht bei 80%. Von zwei Gefahren schaffen wir's max. eine mittelfristig los zu bekommen. Und das sollten wir tun... das andere - das auch kommen muss - ist ein noch längerer Weg.


    MfG

  • Über eines wurde weder bei der Japan-Katastrophe noch bei der bei uns geplanten Sicherheitsüberprüfung gesprochen: soweit mir bekannt ist, verändert sich bei Stahl (Reaktorhülle) im Laufe der Zeit die (kristalline) Struktur, landläufig: er wird brüchig. Das sollte wohl das Hauptargument sein, AKWs nach einer bestimmten Laufzeit abzuschalten. Denn alles (na ja, fast) kann man austauschen, die Hülle selbst aber wohl kaum. Zumindest für Fessenheim ist bekannt, dass bereits vor Jahren Risse entdeckt wurden. Vielleicht stimmt es ja, dass die unter "Normalbedingungen" noch nicht sicherheitsrelevant sind, aber lass mal den Druck im Innern steigen, warum auch immer (Ausfall der Kühlung, auch wenn sie temporär wäre).


    Und das ist nun mal eine physikalische Tatsache an der auch die "auch so sicheren" deutschen AKWs nicht vorbeikommen.

    • Offizieller Beitrag

    Ja genau, Kraftwerke (ob KKW, Windkraft, Wasserkraft oder Solar usw.) sollen immer "woanders" stehen.

    genau darüber werden die leute morgen sprechen, die heute ganz laut rufen: weg mit den akw´s! wenn sie sich morgen mit den schlagschatten der windkraftanlagen und der evtl auftretenden geräuschentwicklung vor ihrer haustür auseinandersetzen müssen, setzt evtl erneut eine neue denkweise ein.
    da gibt es in meinen augen deutlich mehr zu bedenken und nur ein verlangen nach dem abschalten der akw´s reicht bei weitem nicht aus um das doch deutlich umfangreichere problem mit dem ersatz durch alternativenergien zu lösen.



    mfg rohoel.


  • da gibt es in meinen augen deutlich mehr zu bedenken und nur ein verlangen nach dem abschalten der akw´s reicht bei weitem nicht aus um das doch deutlich umfangreichere problem mit dem ersatz durch alternativenergien zu lösen.


    Hallo


    Jau... da werden sicherlich noch manche Fragen kommen [z.B. wer finanziert den Ausstieg... Rückbau... Endlagerung]; allerdings dürfen wir auch nicht übersehen, dass wir momentan von lediglich 11% unseres Energiebedarfes reden. Das sollte also ersetzbar sein... fast die Hälfte der AKW's können wir ja jetzt schon still legen, ohne dass es einer bemerkt. Schwierig... aber machbar.


    MfG

  • Warum wird denn hier nur auf die rein regenerativen Energiequellen (Sonne/Wind/Wasser) abgestellt? ?( Daneben gibt's seit kurzer Zeit auch Geothermie-Kraftwerke, die IMO wesentlich effizienter und umweltschonender arbeiten als die bisher genannten Photovoltaik- oder Windkraftanlagen, die bzgl. ihrer beanspruchten Fläche nicht die Leistung erbringen, die langfristig den gesamten Bedarf decken könnten. Insofern sind wir leider noch auf einige Zeit auf den teuren Atomstrom angewiesen.


    Aber, wenn bzgl. der AKWs wesentlich früher bspw. nach Tschernobyl ein Umdenkprozess eingesetzt hätte, wäre auf diesem Sektor durch erweiterte Forschungs-/Förderungsmaßnahmen der Stand dieser Technik heute wesentlich ausgereifter und die Anlagen effizienter, als sie es aktuell sind. Fast ist man versucht zu sagen, die Lobbyisten der Stromkonzerne haben ganze Arbeit geleistet! :evil:
    Wenn daneben bei Neubauten/Sanierungen noch Erdwärmepumpen, etc. eingesetzt würden, reduziert sich der zusätzl. benötigte 'externe' Energiezufluss auf einen relativ geringen Anteil von max. ca. 15-20% (der sich zukünftig sicher noch weiter senken lassen wird)!


    Ich glaube auch, dass hier staatliche Alleingänge schon dazu beitragen, zu zeigen, dass ein Verzicht auf AKWs realisierbar ist und so global ein Umdenken anstoßen. Es wird einige Jahre dauern, aber es wird zwangsläufig darauf hinauslaufen, auch unter dem Aspekt der Entsorgung/Lagerung. Denn nicht nur auf der Kostenseite sind diese Konzepte unschlagbar! :thumbup:

  • allerdings dürfen wir auch nicht übersehen, dass wir momentan von lediglich 11% unseres Energiebedarfes reden. Das sollte also ersetzbar sein... fast die Hälfte der AKW's können wir ja jetzt schon still legen, ohne dass es einer bemerkt.


    Wir merken das deshalb nicht, weil die Kapazität der abgeschalteten Kernkraftwerke ungefähr dem entspricht, was wir zeitweise an Strom exportieren. Das entspricht also Pi mal Daumen unseren zeitweiligen Überkapazitäten. Außerdem können wir jederzeit übers Verbundnetz aus dem Ausland Strom importieren.


    Allerdings braucht man für ne sichere Versorgung auch in Spitzenzeiten Überkapazität. (auch damit planmäßige/unplanmäßige Abschaltungen nicht zu Engpässen führen)


    In Japan, das keinem Verbundnetz angehört (ist ja ne Insel) führte das Abschalten von 3.5% der Kapazität zu Engpässen in der Versorgung.


    Insofern ist bis jetzt Windkraft, Solar usw. noch keine richtige Alternative, weil es nicht genügend Kapazität in der Energiespeicherung gibt, um in Sonnen/Windschwachen Zeiten genügend Strom zu produzieren bzw. bereitzustellen. Deshalb muss trotz alternativen Energien der komplette mögliche Bedarf durch konventionelle Kraftwerke gesichert werden.


    Franz


  • Insofern ist bis jetzt Windkraft, Solar usw. noch keine richtige Alternative, weil es nicht genügend Kapazität in der Energiespeicherung gibt, um in Sonnen/Windschwachen Zeiten genügend Strom zu produzieren bzw. bereitzustellen. Deshalb muss trotz alternativen Energien der komplette mögliche Bedarf durch konventionelle Kraftwerke gesichert werden.


    Hallo


    Darum gehe ich ja auch davon aus, dass wir den Ausstieg nicht so schnell schaffen, wie es manche gerne hätten oder darstellen... aber es ist machbar. Ständig nur auf 100% können wir uns klar nicht leisten. Andere europäische Länder werden/würden es da aber noch schwerer haben [wenn sie es denn wollen]. Allerdings müssen wir eben auch. Momentan - wenn es nach heutigem Stand von Technik und Foschung geht - dürften wir die Anlagen nicht einmal mehr betreiben. Das ist für mich der eigentliche Skandal...


    Wobei - wenn ich es richtig weiß - die Überkapazitäten höher als jene 11% sind... selbst ohne die jetzt abgeschalteten AKW's können wir noch exportieren und unseren Verpflichtungen nach kommen.


    MfG

  • Momentan - wenn es nach heutigem Stand von Technik und Foschung geht - dürften wir die Anlagen nicht einmal mehr betreiben. Das ist für mich der eigentliche Skandal...


    Manche Dinge sind auch nicht jederzeit auf den Stand der Technik zu bringen, (zumal, wenn man die Planungs-, Genehmigungs- und Realisierungszeit eines KKW berücksichtigt) was aber nicht heisst, das es deshalb unbrauchbar, unsicher und auf den Müll gehört. Andererseits kann auch das, was heute nach dem Stand der Technik richtig ist, morgen wieder falsch sein ;)


    Wenn man KKW betreiben will, und das war ja in der Vergangenheit der Fall, muss man da zwingend Kompromisse eingehen. Inwieweit da durch Lobbyarbeit vielleicht nicht alles getan wurde, was möglich war, entzieht sich meiner Kenntnis, kann mir aber vorstellen, das da einiges nicht so läuft, wie man sich das bei einer solch risikoreichen Technologie wünschen würde.


    Umso mehr kann ich mir das vor allem im osteuropäischen Ausland vorstellen.


    Letztlich sind wir uns ja alle einig, das die Kernkraft weg muss. Die Frage ist ja nur, wann und wie.


    Wir haben ca. 7% Überkapazität, Windkraft etc. mit eingerechnet, wenn ich das richtig weiss. Aber Windkraft zählt da nicht, denn auch ohne Wind brauchen wir Strom.


    Franz

  • was aber nicht heisst, das es deshalb unbrauchbar, unsicher und auf den Müll gehört


    Hallo


    In diesem Fall eben doch... sollte das geänderte Regelwerk je in Kraft treten, müssten die betr. Meiler vom Netz.


    MfG

  • Ich meinte das generell und nicht speziell auf KKWs bezogen. Wenn neue Regeln ins Spiel kommen (die ja nun auch nicht per se unbedingt Stand der Technik sein müssen) und ne Nachrüstung technisch oder wirtschaftlich nicht geht, dann ist es eben vorbei, mit der Kernkraftwerkerei...


    Du bist ein ebenso gern streitbarer Geist wie ich... :)


    Franz

  • Immer Achtung.
    Wenn es in eine Diskussion um Risiken bei Einsatz komplizierter Technik im allgemeinen abgleitet, nicht vergessen:
    Weltweit sind bis dato. mehr Menschen bei Flugzeugunglücken und Fahrzeugunfällen gestorben als bei KKW-Unfällen.
    Hmm, und alle fahren heute immer noch Auto oder fliegen... Klar kann man nicht vergleichen, die Unfallstelle ist ja später wieder bewohnbar, von den Überlebenden meine ich. Was sicher für ein KKW-Unglück nicht zutrifft. Das ist aber auch schon der einzige Unterschied. Tod ist Tod, egal wodurch. Oder habe ich etwas übersehen? Man sieht, das Thema ist nicht einfach.


    Sofort nach der Geburt beginnt das Sterben. :wacko:

  • Immer Achtung.
    Wenn es in eine Diskussion um Risiken bei Einsatz komplizierter Technik im allgemeinen abgleitet, nicht vergessen:
    Weltweit sind bis dato. mehr Menschen bei Flugzeugunglücken und Fahrzeugunfällen gestorben als bei KKW-Unfällen.
    Hmm, und alle fahren heute immer noch Auto oder fliegen... Klar kann man nicht vergleichen, die Unfallstelle ist ja später wieder bewohnbar, von den Überlebenden meine ich. Was sicher für ein KKW-Unglück nicht zutrifft. Das ist aber auch schon der einzige Unterschied. Tod ist Tod, egal wodurch. Oder habe ich etwas übersehen? Man sieht, das Thema ist nicht einfach.


    Sofort nach der Geburt beginnt das Sterben. :wacko:


    Und worauf bezieht sich diese Aussage? Auf die, die (KKW bezogen) sofort tot sind, in 1 Woche, in 1 Monat, in 1 Jahr oder auch die, die noch Jahre danach an Krebs sterben?