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Beim Tschernobyl-Unglück sind laut IAEA 55 Menschen gestorben... Das ist natürlich Quatsch und bezieht sich nur auf diejenigen, die gleich oder kurz darauf unmittelbar durch den GAU gestorben sind. Die pessimistischsten Schätzungen gehen Richtung 45 000 (lt. IAEA zusammen mit den erwarteten Krebsfällen 4000), die unmittelbar, bei der Beseitigung der gröbsten Radioaktivität (also die Liqidatoren, zeitweise über 300 000 Armeeangehörige) und infolge von späteren Krebserkrankungen sterben. Hinzu kommen noch unzählig erkrankte, mit Behinderungen gebohrene usw..
Also die Auswirkungen sind schon enorm, was auch an der Art des Reaktors (Druckrohrreaktor, Grafitmoderiert) lag, welcher durch das brennende Grafit und dem verwendeten Kernbrennstoff heftig radioaktive Stoffe verbreitet hat. Dagegen ist Fukushima etwas weniger gefährlich, wenn man das abstufen will.
In Tschernobyl liegen noch rund 100 Tonnen (!) Kernbrennstoff, hauptsächlich Uran, im Sarkophag drin... Welcher derzeit schön verottet.
Und ja, die Frage kann man schon stellen: Wieviele Menschen sind weltweit an Luftverschmutzung, verursacht durch chemische Werke, durch Kohlekraftwerke usw. gestorben?
Kann man das vergleichen?
Ich glaube nicht, denn ein Sicherheitsgefühl, und darum geht es neben allen sachlichen Fakten, gehört mit zur Lebensqualität. Und wenn man sich Landesweit, ja Länderübergreifend nicht mehr sicher fühlen kann, dann wird eine solche Technologie nicht bestehen können.
Franz
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Dir ist schon bekannt wie viele Menschen allein in Deutschland jährlich in Verkehrsunfällen sterben .Der Vergleich ist m.E. so unzulässig, wie eine Entgegnung, was solle man Morde problematisieren, wo es doch endlos mehr Opfer durch Nikotinmissbrauch gibt.
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Naja, aber die Grundfrage ist ja eher philosophisch gedacht... Welche Risiken unserer zivilisierten Gesellschaft nehmen wir in Kauf, um so zu leben, wie wir leben...
Wir nehmen das Risiko eines Verkehrsunfalles in Kauf, weil wir mobil sein wollen...
Wir nehmen das Risiko eines Chemieunfalles in Kauf, weil wir Produkte der chemischen Industrie haben wollen...
Wir nehmen das Risiko einer Tsunamiewelle in Kauf, weil wir schön am Meer leben wollen...
Wir nehmen das Risiko von Lungenkrebs in Kauf, weil wir rauchen wollen...
Wir nehmen das Risiko der Klimaerwärmung in Kauf, weil wir nicht auf unseren Lebensstandart verzichten wollen...
Die Liste kann man beliebig fortführen.
Und wie bewertet man nun das Risiko, welches eingegangen wird? Anhand der schon erfolgten Unglücksfälle, oder anhand der daraus erfolgten Todesfälle?
Franz
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Die Folgen der zivilen wie militärischen Nutzung der Nukleartechnologie scheint mir schon ohne eingetretene "Störfälle" dermaßen nachhaltig, dass es eine völlig egozentrische Haltung der heute lebenden, verantwortlichen Generation ist, die sich über zukünftige Interessen, ja Existenzen und Verhältnisse einfach mal eben so hinwegsetzt. Darin sehe ich einen WESENTLICHEN Unterschied zur Nutzung anderer Technologien und anderer inkauf genommener Risiken. Schon die Endlagerfrage ist nichtmal in die wirschaftlichen Kalkulationen eingerechnet, wie viele andere Aspekte ebenso. Ganz zu schweigen, von den technisch ungelösten und damit behafteten Problemen. Aber die Lobby ist mächtig. Jeder ausgegebene Euro ist halt nicht nur ein Teil von Kosten sondern auf der anderen Seite eben auch vereinnahmtes Geld, das den den Profit mancher Zeitgenossen darstellt.
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Der Vergleich ist m.E. so unzulässig,....
Na, ja. Das war jetzt aber ein unzulässiger Vergleich. Das hat nichts mit Risiken aus technischen Fortschritt zu tun. Das aber war mein Vergleich.
Bei endlichen Ressourcen sollte eine Gesellschaft schon entscheiden dürfen für was sie ihr Geld ausgibt bzw. ihre Energie einsetzt. Eine solche Entscheidung sollte nicht durch Stimmungsmache in der Presse entschieden werden, sondern so weit als möglich durch sachliche Diskussion.
@franz Jäger,
genau richtig. Die Frage war mehr philosophisch gedacht. -
@TeeSteinchen
Welche nachhaltigen Veränderungen der Erde hinterlassen wir unseren nachfolgenden Generationen. Eine seeeehr gute Frage, denn darum geht es, neben des jeweils aktuellen Risikos, jetzt bei der Kernkraft.
Mir fallen da endliche Ressourcen, Klimawandel, abgeholzene Wälder, zurückgehender Regenwald, verschmutzte Ozeane, absterbende Korallen, ausgestorbenen Tiere und eben auch verseuchte Böden (nicht nur durch Kernkraft) und ungelöste Entsorgungsfragen (auch nicht nur bei der Kernkraft) ein.
Einzig die Konzentration auf ein Problem, welches IMHO nicht mal das grösste ist und auch noch ein anderes Problem verschärft, ist nicht der eleganteste Weg. Zumindest sollte der Blick schon aufs Ganze gehen.
Wenn ein paar KKWs hochgehen, sind einige hundert Quadratkilometer unbewohnbar und ein paar 10 000 Menschen in Gefahr. Wenn wir nicht aufpassen, sind in ein paar Jahrzehnten einige Millionen Menschen in Gefahr. Das geht nur leider schleichend und eine Lösung des Problems erfordert jetzt Maßnahmen, die sich erst für die übernächsten Generationen rechnen werden. Die Kernkraft ist so nahe... die nächsten Generationen so fern...
Ich will die Risiken der Kernkraft nicht kleiner reden als sie sind, aber sie sind nicht grösser, als andere Risiken, die wir eingehen. Kommt halt nur darauf an, wie gross man den Bogen schlägt.
Die Kernkraft ist nicht die Lösung unserer Energieversorgung, aber jetzt alles Böse dieser Welt der Kernkraft unterzujubeln, ist IMHO auch verkehrt. Ne militärische Nutzung ist ja nun was ganz anderes. Man muss ja nicht jeden Hype in den Medien mitmachen. IMHO sind die jetzt richtig traurig, das der Supergau noch nicht eingetreten ist. So schön am Samstag zur Hauptsendezeit...
Btw. eine SS18 (Interkontinentalrakete der Russen) würde ungefähr die hundertfachen Schäden von Tschernobyl anrichten, inklusive der Verstrahlung grosser Flächen/Länder. Je nach Ausführung war sie mit nem Multimegatonnen-Kopf ausgestattet. Davon (Interkontinentalraketen) hatten die Russen 2700 Stück!
Als Kind hatte ich regelrecht Angst vor einem Atomkrieg. Keine politische Entwicklung meines Lebens habe ich, bei aller Aufregung, als so beruhigend erlebt, wie das Ende des kalten Krieges.
Franz
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das der Supergau noch nicht eingetreten
Per Definition ist dieser schon eingetreten.
Der Größte Anzunehmende Unfall ist im Reaktordesign berücksichtigt wodurch ein Austreten von radioaktiven Elementen verhindert wird.
Alles weitere ist dann ein Super-GAU.Die momentane Hysterie kann ich allerdings nicht nachvollziehen.
Da wir eine Demokratie sind muss ich davon ausgehen dass der Betrieb von >25 Jahren alten KKW mit Leichtwasserreaktoren den Volkeswillen darstellt.
Persönlich hätte ich mir dagegen gewünscht dass zwischenzeitlich auf inhärent sichere Reaktordesigns gewechselt worden wäre.
Diese waren bereits realisierbar als ich vor über 15 Jahren mein Diplom in Kernphysik ablegte (da ich mich seither anderweitig betätige kann ich den aktuellen Forschungsstand nicht mehr beurteilen).Gruss
Thorsten -
Beim Tschernobyl-Unglück sind laut IAEA 55 Menschen gestorben...
Hallo
Das kann man in der Tat haken... es gibt zu Tschernobyl keine verlässlichen Zahlen/Studien. Ein Fakt ist aber - wenn ich es richtig weiß - dass heute allein in der Ukraine 17.000 Familien so etwas wie Hinterbliebenenrente erhalten [Stichwort "Liquidatoren"]. Es gibt auch keine verlässlichen Studien, was ein GAU ind D-Land oder Westeuropa wirklich anrichten würde. Schaue ich aber hier hinein [ab S. 64]...
Gesundheitliche Folgen Tschernobyl
...und nehme das ernst, möchte ich, dass diese Gefahr beseitigt wird. Unabhängig davon, was noch alles geändert werden muss. Dann reden wir von 1,7 bis 12 Mio zusätzlichen Krebstoten. Und das innerhalb einer Generation. Wobei ich das Ganze auch nicht selber abwägen kann; von der Hand würde ich das aber nicht weisen.
An sonst glaube ich auch, dass wir [westliche Welt] auf Kosten anderer leben... bezogen auf andere Länder und zukünftige Generationen. Ob das auf Dauer gut geht?
MfG
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Per Definition ist dieser schon eingetreten.
Alles weitere ist dann ein Super-GAUMacht jetzt der Bindestrich den Unterschied?

Franz
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Persönlich hätte ich mir dagegen gewünscht dass zwischenzeitlich auf inhärent sichere Reaktordesigns gewechselt worden wäre.
Diese waren bereits realisierbar als ich vor über 15 JahrenNaja, wie lange dauert es, von Planung bis Ausführung bei nem KKW? Und der Ausstieg wurde ja schon 2002 (?) beschlossen? Insofern war ab da ja auch klar, das ne grosse Investition nicht mehr wirtschaftlich ist. Die Reaktordruckbehälter/Biologisches Schild sind IMHO eh auf ne Kernschmelze ausgelegt. Neuester Schrei ist der Core-Catcher, der unterm Reaktor als Wanne den möglicherweise durchschmelzenden Kern (sicher) auffangen soll. Das ist aber im Grunde nicht nachrüstbar, das wäre dann ein Neubau. IMHO gibt es das weltweit erst bei einem KKW...
Aber nochmal zu Tschernobyl...
Diesen Unfall kann man nicht so ohne weiteres auf andere KKWs übertragen. Dort fehlte Biologisches Schild (Betonhülle direkt um Reaktordruckbehälter, bis 2m dick) und Sicherheitsbehälter (in D meist diese typische Kuppelform) fast ganz. Der Reaktor wurde konstruktionsbedingt bei nem Störfall/ausfall der Kühlung nicht von alleine unterkritisch (in Japan z.B. sind die Reaktoren runtergefahren, die Probleme ergeben sich durch die Restwärme der Zerfallsprodukte, aber die Kettenreaktion ist gestoppt). Der Reaktor in Tschernobyl wurde mit 1700t Graphit (als Moderator) betrieben. Der brannte und die Löschung war nicht möglich. Dieser Brand verursacht die starke Staubemmission der radioaktiven Stoffe. Das sind einfach unterschiede zu Japan in Grössenordnungen. Z.B. in den deutschen Reaktoren ist Graphit in diesen Grössenordnungen nicht enthalten.
Franz
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Mir wäre zum Beispiel wohler zumute, wenn ein KKW an der Deutsch/Polnischen Grenze auf unserer Seite der Oder steht. Nicht weil ich mir ein KKW wünsche, sondern weil ich in den hiesigen Ingenieuren, Beamten, Bauarbeitern, Technikern, Vorschriften und deren Einhaltung mehr vertraue, als der polnisch/russischen Technik/Betreibern.Hat mal jemand die Spiegelreportage von 1996 über Tschernobyl gesehen? Da waren noch einige Reaktorblöcke in Betrieb und das Fernsehteam durfte das KKW betreten. Mal abgesehen von den augenscheinlichen Mängeln (blinde Manometer, rostende Rohrleitungen, Klebebandumwickelte Anzeigen, fehlende Schlüssel zum Öffnen von Türen...) sprach der Reporter einen Mitarbeiter der wachhabenden Schicht im Reaktorkontrollraum auf einige fehlende Birnchen in der Anzeigetafel an... a) wusste der Fachmann nicht so genau, was die Anzeige überhaupt anzeigen soll, b) "er denkt" das die Anzeige derzeit nicht benötigt wird c) "wird sie wohl nur bei einem aussergewöhnlichen Zustand" benötigt und zu guter letzt meinte er d) das es ja unterschiedliche Schichten gebe und es da immer etwas "durcheinander" gehe und seine Brigade da nicht verantwortlich sei... das ganze gepaart mit einem peinlichen Lächeln.
Das ist halt die russische (in diesem Fall russisch/ukrainische) Arbeitsweise. Da wird solange fantasievoll improvisiert, bis nur noch wenige Menschen durchblicken. Insofern finde ich es immer kritisch, wenn in Mangelgesellschaften KKWs gebaut werden. Da fehlt einfach das Geld, um einen verantwortungsvollen Betrieb zu gewährleisten. Auch das Unglück in Tschernobyl ist z.T. auf diese Arbeitsweise zurückzuführen.
Franz
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Hallo
Na ja... Gründe warum ein KKW durchknallen kann, gibt es mittlerweile genügend denkbare. Auch dort wo geügend Resourcen zur Verfügung stehen. Außer Mangelwirtschaft oder Erdbeben/Tsunami wären z.B. noch menschl. Versagen und Anschläge denkbar... und wenn's dann soweit ist, werden wir's auch nicht besser in den Griff bekommen... eher das Gegenteil dürfte der Fall sein. Japan ist für manches im Bereich Katastrophenschutz top aufgestellt [z.B. RK].
Ich würde jetzt allerdings auch nicht soweit gehen, dass ich die Gründe 1:1 übertrage, wie vor wenigen Tagen in einem Bericht rund um Fessenheim... Stichwort "Oberrheingraben als Erdbebenzone".
MfG
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Hallo,
Z.B. in den deutschen Reaktoren ist Graphit in diesen Grössenordnungen nicht enthalten.
meines Wissens gab es nur ein AKW in D'land, welches in nennenswertem Umfang Graphit btauchte: der THTR Hamm. -
Fast ist man versucht zu sagen, die Lobbyisten der Stromkonzerne haben ganze Arbeit geleistet!
Wenn daneben bei Neubauten/Sanierungen noch Erdwärmepumpen, etc. eingesetzt würden, reduziert sich der zusätzl. benötigte 'externe' Energiezufluss auf einen relativ geringen Anteil von max. ca. 15-20% (der sich zukünftig sicher noch weiter senken lassen wird)!Naja, Wärmepumpen sind auch nicht so (Umwelt-) effizient, wie manche glauben (wollen). Ne Jahresarbeitszahl (JAZ) von von ß= 3,5 gilt schon als sehr gut und ist eigentlich nur im Neubau bei Erdsonde/Fussbodenheizung erreichbar. Das heisst dann, das für jede eingesetze Kilowattstunde an zugeführtem Strom, 3,5 Kwh Heizleistung erzeugt werden. Damit gleicht ne WP im Grunde nur den Verlust aus, den ein normales Kraftwerk bei Herstellung und Übertragung hat. Von den Kosten her rechnet es sich auch nicht. Ne Kilowattstunde aus ner Brennwerttherme kostet genauso viel wie aus ner WP, weil Strom ungefähr das dreifache kostet. Dafür kostet ne WP erheblich mehr bei der Anschaffung.
Aber die energetische Sanierung von Gebäuden ist schon ein Thema, das wichtig ist.
Achso, nochmal Stoff für Diskussionen...:
Wenn wir unser Klimaziel (40% aus regenerativen Energien) erreicht haben, dann haben wir einmal den jährlichen Zuwachs an CO2-Ausstoß in China, verursacht durch das dortige Wirtschaftswachstum, ausgeglichen.
Das ist doch schon was, oder

Franz