Dann gebe ich auch mal meinen Senf dazu, wenngleich auch aus einer z.T. etwas anderen und Hersteller-neutralen Sichtweise.
Angeschafft wurde je eins der beiden Navis wegen des Live-Verkehrsfunks, wobei die beiden Fahrzeuge zwar über Festenbaugeräte mit 7"-Displays verfügen, ansonsten aber nur TMC-Daten empfangen können. Das sind jetzt sozusagen die "Reserve-Navis".
Ich habe sowohl das Navigon 70 Premium Live als auch seit ein paar Tagen für ein weiteres Fahrzeug das TomTom GO 1005 Live in Gebrauch.
Von daher und mangels Parallelbetrieb in einem Fahrzeug konnte ich noch nicht alle Stärken und Schwächen der beiden Kandidaten im Zusammenhang mit der Live-Navigation ermitteln und gegeneinander abwägen. Es ist auch meinerseits nicht geplant, daraus eine Doktorarbeit in Form eines "Zwei-Navis-Leistungsvergleichstest-im Parallellbetrieb" abzuleiten.
Bei der Geräteauswahl gibt es jedenfalls z.T. auch KO-Kriterien, welche im Einzelfall für die Auswahl entscheidend sein können (war bei mir der Fall).
Beispiele von beim o.g. TomTom nicht vorhandenen Leistungsmerkmalen:
- Speicherkartenplatz im Navi zur parallelen Aufnahme außereuropäischer Karten (z.B. Nordamerika)
- Routenplanung über mehrere Stationen
Da in meinem Fall bei zumindest einem der beiden Navis die vorgenannten Leistungsmerkmale erfüllt werden müssen, wurde zuerst ein Gerät von Navigon beschafft.
Die Anschaffung des zweiten Navis (TomTom) erfolgte nicht etwa, weil ich mit Navigon nicht zufrieden wäre, wie man theoretisch vermuten könnte. Im Normalfall reichen mir beide Navis aus und sind m.E. bei ihrer gesamtheitlichen Betrachtung in etwa gleichwertig.
Somit gebe ich beiden Spitzengeräten eine Chance, da ich mir sowiso zwei Navis neu anschaffen wollte. Nur durch eigene Gerätevergleiche kann man m.E. herausfinden, was am Ende das hierzulande und in den angrenzenden Staaten von mir bevorzugte Navi sein wird, denn ich kann ja nicht zwei Fahrzeuge gleichzeitig bewegen (aber andere Personen können das zweite Kfz nutzen und sollten dann auch ein Live-Navi an Bord haben).
Der Kaufpreis des TomTom-Gerätes liegt nach meinen Beobachtungen etwas höher als der des Navigon-Navis. Dafür sind bei TomTom 24 Monate Live-Dienst und beim Navigon nur 15 Monate enthalten, was den höheren Preis des TomTom etwas kopmpensiert (ca. minus 36 EUR für 9 zusätzliche Monate). Danach fallen identische Preise für diesen Dienst an (ca. 4 EUR pro Monat).
Allerdings verfügt das Gerät von Navigon bereits serienmäßig für die Navigation in nicht mit Live-Diensten versorgten Ländern einen eingebauten TMC-Empfänger, den man für das Gerät von TomTom bei Bedarf zusätzlich erwerben müsste.
Legt man Wert auf aktuelle Karten, dann ist man bei Navigon in den ersten zwei Jahren wesentlich besser gestellt, denn die 8 Karten-Updates kann man direkt nach dem Gerätekauf für insgesamt nur 20 EUR bestellen. Bei TomTom wird diese Sache dagegen ein teurer Spaß.
Was die Kartenqualität betrifft, dürfte Navigon mit den Navteq-Karten gegenüber TomTom mit Teleatlas-Karten die Nase vorn haben, wenn man den vielen Beiträgen zu diesem Thema Glauben schenkt.
Was die Qualität der Live-Verkehrsdaten betrifft, so hatte ich bei Navigon bisher keinen Grund zur Klage. TomTom steht mir erst seit ein paar Tagen zur Verfügung, daher konnte ich noch nicht viel Erfahrungen damit sammeln.
Darauf, dass die beiden Navi-Hersteller die Vorzüge ihrer Produkte jeweils mehr oder weniger als das gelbe vom Ei anpreisen oder etwas mehr Zurückhaltung üben, falle ich nicht herein.
Fakt ist, ohne auf Details einzugehen, dass nach derzeitigem Stand beide Produkte gewisse Gemeinsamkeiten aufweisen aber auch individuelle Alleinstellungsmerkmale besitzen.
Von unbelegten Äußerungen, wie z.B. der "weltbeste Verkehrsfunk" gebe ich nichts, solange mir darüber keine belastbaren Langzeiterfahrungen mit den unterschiedlichsten Verkehrslagen bekannt werden. Bei einseitigem Foren-Lobgesang zu bestimmten Produkten (z.T. ohne praktische Kenntnisse der Alternativen seitens des Verfassers) bin ich jedenfalls nicht leichtgläubig.
Man kann z.B. in Internet-Foren oftmals nur schwerlich feststellen, wer hinter bestimmten Äußerungen steckt und welche Ziele möglicherweise damit verfolgt werden (z.B. wirtschaftliche Interessen oder oder die Rechtfertigung der persönlichen Kaufentscheidung?).
Die Verkehrsdaten-Qualität ist jedenfalls nicht von diesen beiden Geräten selbst abhängig, sondern vom aktuell angebotenen Service des jeweiligen Anbieters.
Sollte, was vielfach behauptet wird, TomTom schon nahe am Ideal dran sein, so wären in diesem Fall hier naturgemäß kaum Verbesserungen möglich. Wenn Navigon dieses Service-Angebot betreffend Nachholbedarf haben sollte, dann wäre dies m.E. sicher nur kurzzeitig der Fall, denn der Wettbewerbsdruck dürfte einen vorstellbaren Nachholbedarf bald ausgleichen können.
Was die Live-Verkehrsdaten z.B. auf Nebenstrecken betrifft, so verwendet TomTom die anonymen Daten vieler sich bewegender Mobiltelefone im Vodafone-Netz. Wegen der bei diesen Rohdaten ungenauen Standorte ist eine entsprechende Datenaufbereitung erforderlich, aus welcher sich der vermutete Verkehrsfluss auf bestimmten Streckenabschnitten ergibt.
Problematisch wird die Sache jedoch bei stark befahrenen und parallel verlaufenden Hauptstraßen, welche von den gleichen Mobilfunkzellen entlang der Strecke versorgt werden, da hierbei systembedingt keine punktgenaue Ortung stattfindet.
Diese Mobilfunkdaten zur Kalkulation von Bewegungsprofilen ließen sich auch von Navigon nutzen. Und zwar, indem man z.B. mit Vodafone entsprechende Verträge abschließt.
Navigon verwendet z.Z. hier die wesentlich genaueren GPS-Daten ihrer Live-Navis, um aus deren Bewegung im Verkehr auch für Straßen abseits der Autobahnen ein Verkehrslagebild zu erstellen.
Nur leider mangelt es z.Z. (noch) etwas am entsprechenden Datenaufkommen, da noch nicht allzu viele Live-Navis dieses Herstellers flächendeckend auf den Straßen unterwegs sein dürften.
Egal wo Navigon-Live-Gerätenutzer sich gerade mit aktivem Navi gerade bewegen, die eigenen präzisen GPS-Standort- und Geschwindigkeitsdaten werden anonymisiert an den Live-Server gesendet (wenn man diesem Vorgang zustimmt, was aber Sinn ergibt). Wenn sich mangels anfänglicher Live-Geräteverbreitung auf einer bestimmten Strecke niemand mit entsprechendem Live-Navigon bewegt, dann fehlen für diesen Straßenabschnitt eben diese Daten. Diese Wahrscheinlichkeit ist natürlich höher, als dass sich dort niemand mit einem Mobiltelefon von Vodafone bewegt (da im letzteren Fall mehr sich in der Fläche bewegende Geräte vorhanden sind).
Für die Live-Verkehrsdaten von Autobahnen sind die beiden Navi-Hersteller ohnehin nicht allein auf solche Hilfsmittel (wie für Nebenstrecken) angewiesen. Denn auf Autobahnen existieren reichlich fest installierte Sensoren, deren Datenerhebungen die Navi-Hersteller "einkaufen" können, um sie für ihre Kunden in den Live-Dienst einfließen zu lassen.
Bei der Navigationsleistung der beiden Navis konnte ich noch keine wesentlichen Unterschiede feststellen.
Historische Streckendaten, was u.a. z.B. den von der Tageszeit abhängigen Verkehrsfluss betrifft, sind übrigens nicht ausschließlich ein Privileg von TomTom, sondern gehören auch bei Navigon zum Standard (durch Verarbeitung von historischen Echtdaten der z.B. von Taxi- und Kurierfahrern zu unterschiedlichen Zeiten zurückgelegten Strecken).
Zudem fließt beim Navigon angeblich auch das erlernte Fahrverhalten mit in die Kalkulation mit ein (wie schnell man auf verschiedenen Strecken unterwegs ist).
Was die reinen Einschaltzeiten der Navis betrifft, da hat TomTom die Nase zunächst deutlich vorne,
aber das allein reicht noch nicht, um sogleich eine "Live-Routenplanung" vorzunehmen, denn die Live-Daten muss sich das Gerät erst noch über das GSM-Netz besorgen.
Nach dem Einschalten und vor der Routenplanung macht es Sinn, erst einmal abzuwarten, bis sich die Navis über das GSM-Netz ein Bild von der aktuellen Verkehrslage gemacht haben. Hierbei macht Navigon wieder Zeit wett, denn dieser Vorgang lief nach meiner Beobachtung schneller ab als bei TomTom.
Für den einen oder anderen Nutzer ist es auch wichtig, ob die von ihm bereisten Staaten auch mit Live-Verkehrsmeldungen über das GSM-Netz versorgt werden. Navigon hatte hierbei zumindest in der Vergangenheit die Nase vorn. Da muss sich jeder Interessent vor dem Kauf selbst schlau machen, welche ihn interessierenden Staaten hier bereits mit Live-Verkehrsdaten versorgt werden.
Falls Live-Verkehrsdaten in einem Land nicht lieferbar sind oder das Abo abgelaufen ist und nicht verlängert wird, so verfügt das Navigon bereits über einen eingebauten TMC-Empfänger, der hier möglicherweise weiterhilft. Bei TomTom muss dieses Teil bei Bedarf extra zugekauft werden.
Was die Update-Funktion über das Internet betrifft, lässt einen das entsprechende Tool von Navigon nicht darüber im Unklaren, welche Aufgabe gerade ansteht. Auch die Backup-Funktion ist sehr gut gelöst. Das Programm dazu läuft auch nicht unnötig auf dem PC im Hintergrund und benötigt somit bei Nichtgebrauch hier keine unnötigen Ressourcen. Einfach das Tool starten und die Anmeldeprozedur beim Navigon-Server läuft automatisch ab.
Bei dem entsprechenden und im Hintergrund auf dem PC immer aktiven Tool von TomTom weiß ich nie genau, was da eigentlich genau abgeht. Vielleicht ändert sich da seitens des Anbieters noch etwas. Allerdings habe ich dieses Gerät von TomTom noch nicht so lange und mir hat sich hier evtl. noch nicht alles erschlossen.
Jedenfalls bekomme ich (und andere Leute?) mit dem einen von zwei Tools - "TomTom Home" - keine Verbindung zum Navi hergestellt. Dies funktioniert nur mit MyTomTom.
Was die gleich großen Displays betrifft, so ist es mehr oder weniger Geschmacksache, welches man bevorzugt. Das auf kapazitiver Basis funktionierende Glasdisplay des TomTom spiegelt etwas mehr als der Touch-Screen des Navigon.
Bei TomTom treffe ich öfter mit meinen kräftigen Fingern schon mal daneben. Eine größere Treffsicherheit erziele ich beim Navigon besonders dann, wenn ich da Display mit dem Fingernagel zielgenauer bediene, was so aber konstruktionsbedingt nur bei diesem Display funktioniert.
Persönlich gefällt mir das Display von Navigon jedenfalls besser als das von TomTom, was die Bedienbarkeit betrifft.
Die Kartendarstellung und die Navi-Ansagen gefallen mir bei Navigon ebenfalls besser als die von TomTom.
Die max. Lautstärke ist bei beiden Geräten in etwa vergleichbar und bietet keine ausreichenden Reserven für alle Einsatzbedingungen. Bei einem relativ leisen Kfz reicht sie m.E. gerade mal aus. Wenn man aber parallel zum Navi das Radio oder den CD-Player des Pkw einschaltet, dann leiden die Navi-Ansagen von ihrer Verständlichkeit jedoch mehr oder weniger darunter.
Befindet sich das Navi z.B. jedoch in einem lauten Pkw, Kleinlaster oder Wohnmobil und entsprechenden Fahrgeräuschen, dann stößt die max. Lautstärke der beiden Navis sehr schnell an ihre Grenzen. Auch hohe Fahrgeschwindigkeiten bei div. Pkw lassen die Navi-Ansagen vermutlich schon mal ins Nirvana verschwinden.
Inwieweit sich die beiden Navis über Bluetooth an vorhandene (und evtl. entspr. aufzurüstende) Audio-Systeme der jeweiligen Fahrzeuge anbinden lässt, ist mir nicht bekannt.
TomTom (nur das 1005) bietet z.B. einen Audio-Signalausgang, welcher aber nur bei separat zu beschaffenden Halterung für den Festeinbau mit einer darin eingebauten Klinkenbuchse zugänglich ist und sich somit evtl. mit dem Pkw-Audiosystem verbinden lässt, wenn dieses dafür bereits geeignet ist oder entsprechend nachgerüstet wird (MP3-Playereingang).
Die Freisprechfunktion beider Geräte ist von dieser relativ niedrigen Maximallautstärke ebenfalls betroffen.
Eins kann ich aber nach kurzer Vergleichserfahrung mit beiden Navis jetzt schon sagen: Keins der beiden Geräte stellt die für jeden Nutzer ideale Lösung dar. Ideal wäre ein einziges Gerät, welches die jeweiligen Vorzüge beider Navis in sich vereinigen würde.
Ich habe fertig. ![]()
Gruß