"Japan" und die Folgen

  • Von Kernkraftwerken und den erwirtschaften Gewinnen profitiert ja nicht nur das Unternehmen, das dieses KKW betreibt. Es sind tausende Arbeitskräfte, Subunternehmer und begleitendes Gewerbe, die davon leben, Steuern zahlen, Sozialbeiträge abführen etc. Die Unternehmen zahlen selbst auch Steuern, wenn auch Volkswirtschaftlich betrachtet die Arbeitsplätze mehr wert sind. Nicht zuletzt profitieren wir alle von günstigen Strompreisen, die durch die Kernkraft, meinetwegen durch ein Überangebot, entstehen.


    Es ist doch ein Trugschluss zu sagen, das die Gewinne nur von den Unternehmen und die Kosten von der Gesellschaft zu tragen sind, wie es hier manchmal durchklingt. Es ist vielmehr so, das auch die Gesellschaft den Gewinn erhält. Aufgeteilt nach unserem Wirtschaftssystem, in welchem alle Teile zur Gesellschaft gehören. Irgendwie scheint es anrüchig zu sein, das ein KKW-Betreiber Gewinn erwirtschaft. Auch darf man IMHO nicht vergessen, das wir als Rohstoffarmes Land gut daran tun, uns ein gewisses Maß an Unabhängigkeit zu bewahren oder zumindest durch Diversität zu sichern. Es ist auch eine strategische Entscheidung. Ich denke da zum Beispiel, das im Moment Erdgaskraftwerke so ziemlich die umweltfreundlichsten Kraftwerke sind. Aber wo kommt das Erdgas her?


    Ich denke einfach, das man da nicht schwarz/weiss denken darf. Die Energiepolitik der nächsten Jahrzente wird uns sicherlich noch einige hitzige Diskussionen bescheren, da bin ich mir ziemlich sicher. Auch wenn der Ausstieg aus der Atomkraft IMHO unumkehrbar ist, bleibt genug Raum für Gestaltung.


    Franz

  • Hallo Franz.


    Da hat vor kurzem im TV jemand, von dem ich annehme, dass er es weiß, Zahlen genannt:


    Jedes abgeschriebene AKW "verdient" / Tag 1 Mio €. Abzügl. der - vermutlich - von Dir genannten "Abzüge" blieben immer noch 250000 € übrig. Pro AKW, in "unserem" Fall also 7x soviel. Jeden Tag.


    Der Leser hier möge sich seine eigene Meinung bilden...

  • Ja, die Sendung habe ich auch gesehen. Das war der enthusiastische Atomkraftgegner in der Runde, der selbst Bio-Strom auf seinem Gehöft erzeugte... Neben ihm stand der Schweizer.


    Franz

  • Nicht zuletzt profitieren wir alle von günstigen Strompreisen, die durch die Kernkraft, meinetwegen durch ein Überangebot, entstehen.


    Hallo


    Jau... nur reden wir hier von AKW's, die außer Rand und Band geraten sind und - so die Lage offensichtlich zur Zeit - die auch nicht mehr in den Griff zu bekommen sind. Da frage ich mich: Zu welchen Lasten gehen die Gewinne denn wirklich? Gegen Gewinne und Profit hätte ich nichts einzuwenden, die lassen sich aber auch ohne AKW's erzielen... wenn's anders wäre, würden die Energiekonzerne zu 80% Miese machen. Gleiches gilt für die Arbeistplätze. Und wenn die Konzerne die möglichen finanziellen Folgen eines GAU allein tragen müssten, dürfte das mit dem günstigen Strom auch Vergangenheit sein.


    MfG

  • Hallo


    Jau... nur reden wir hier von AKW's, die außer Rand und Band geraten sind und - so die Lage offensichtlich zur Zeit - die auch nicht mehr in den Griff zu bekommen sind. Da frage ich mich: Zu welchen Lasten gehen die Gewinne denn wirklich? Gegen Gewinne und Profit hätte ich nichts einzuwenden, die lassen sich aber auch ohne AKW's erzielen... wenn's anders wäre, würden die Energiekonzerne zu 80% Miese machen. Gleiches gilt für die Arbeitsplätze. Und wenn die Konzerne die möglichen finanziellen Folgen eines GAU allein tragen müssten, dürfte das mit dem günstigen Strom auch Vergangenheit sein.


    MfG


    Hat schon irgendwer mal einen wirklichen Kosten/Nutzen-Vergleich gerechnet? Mit Entsorgung, Kastor-Protesten, Endlager rein (und evtl. wieder raus!!!) etc.?? Ich fürchte, dass dabei überraschendes heraus käme. Von Rückstellungen - wie sie eigentlich in der Industrie für solche Fälle üblich sind - für evtl. Katastropen, GAUs, gar nicht zu reden. Wie soll man auch einen Unfall mit - wie momentan auch - Plutonium bewerten, wenn dieses eine Halbwertszeit von 24000 Jahren hat. Das ist für den Normalbürger ein Zeitraum der außerhalb der Vorstellungswelt liegt, genau so wie die Vorstellung, dass es - und wie gehabt eben nicht nur theoretisch - zu GAU und Super-GAU (welch blöde Definition, ein größerer als der größte anzunehmende Unfall???) kommen kann.


    Habe ich kürzlich von ernsthaften Überlegungen gehört, dass man (z.B.) plutoniumverseuchte Plätze für unsere Nachkommen kenntlich machen sollte, wobei die Frage auftauchte, ob "nur" nach dem Zeitraum der Halbwertszeit von 24000 Jahren noch jemand lesen könnte, was wir heute schreiben oder "zeichnen" würden....


    Risiko? Überschaubar? Wie man in Japan sieht, wohl doch eher nicht. Ich frage mich, sollte ein auch "harmloser" Unfall in einem deutschen AKW passieren, wer würde da noch rein gehen????


    Und nochmal Risiko: wenn ich die Treppe runterfalle und mir den Hals breche, betrifft das nur mich alleine. Wenn ich mit dem Auto auf der AB einen richtigen Crash baue, betrifft das nur rel. wenige Menschen, auch wenn es jetzt sehr unwahrscheinlich ist, dass ein vollbeladener Tankwagen dabei in eine Stadt rast und dort explodiert. Die dabei vermutlichen Toten lassen sich zählen.


    Das schlimme an einem AKW-Unfall wie derzeit in Japan ist doch, nicht nur, dass laufend beim Versuch das Schlimmste zu verhüten, laufend Menschen so verstrahlt werden, dass die Lebenserwartung rapide sinkt. Und je länger das dauert, um so mehr werden es. Wenn wir jetzt weiter gehen, kommen die Menschen dran, die "erst" nach längerer Zeit sterben werden, weil sie unbewußt - Strahlung ist halt unsichtbar und riecht nicht - dieser ausgesetzt waren, wobei es letztlich egal ist, ob durch radioaktive Wolken oder verstrahltes Gemüse. Oder zählen wir die sog. Spätfolgen schon nicht mehr dazu? Wie war, ist, das denn in Tschernobyl derzeit und gewesen?


    So im Rückblick kommt mir manches so vor wie im Zauberlehrling: man spielt unbekümmert mit einem netten Spielzeug bis dieses plötzlich ein Eigenleben enwickelt: "das haben wir aber so nicht gewollt", könnte Angie-Originalton sein..

    Einmal editiert, zuletzt von karomue ()


  • Hat schon irgendwer mal einen wirklichen Kosten/Nutzen-Vergleich gerechnet?


    Hallo


    Keine Ahnung. Ich befürchte aber auch, dass in dem, was uns als Strompreis verkauft wird, die wirtschaftlichen/finanziellen Folgen eines möglichen GAU nicht eingerechnet werden. Es gibt auch keine Versicherung, die bereit wäre, das abzudecken. Für den Abbau von AKW's [Lagerkosten?] sind die Betreiber verantwortlich und müssen dafür Rücklagen bilden [ich meine pro AKW 2 Milliarden Taler]. Wobei das im Ernstafll auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Anders gesagt: Verdienen wollen die Konzerne [und auch hübsch brav ihre Abgaben entrichten]... das Risiko, auch in wirtschaftlicher Hinsicht, müssen alle tragen.


    Insofern bin ich nicht mehr bereit vom "billigen Atomstrom" zu reden. Ich glaube auch nicht, dass man das den Opfern vergangener Katastrophen gegenüber wirklich verantworten kann.


    MfG

  • Anders gesagt: Verdienen wollen die Konzerne [und auch hübsch brav ihre Abgaben entrichten]... das Risiko, auch in wirtschaftlicher Hinsicht, müssen alle tragen.


    1. Erstmal wollen die Konzerne nicht nur verdienen, sie müssen es.
    2. Verdienen wir alle an den Konzernen.


    Man mag sich ja mal Deutschland ohne Industrie vorstellen...


    Ich finde es immer Quatsch, das Gewinne von Unternehmen angeprangert werden. Das Geld ist ja nicht pfutsch. Letztlich bleibt es im Kreislauf, der sich Wirtschaft nennt und von einer florierenden Wirtschaft (halt auch mit Leuten/Unternehmen, die genug Geld haben, um was zu investieren) profitieren auch alle. Insofern fließt der Gewinn auch wieder in die Gesellschaft, die dadurch auch die Mittel hat, Risiken zu tragen, die für einzelne Unternehmen zu hoch wären. Ich denke, das man das Gesamtwirtschaftlich betrachten muss.


    Jedes Unternehmen trägt nur soviel Risiko für seine Unternehmungen, wie es wirtschaftlich tragbar ist. Sei es der kleine Handwerker mit seiner begrenzten Haftpflichtversicherung, der Bauer, der grosse Flächen mit Pestiziden verseucht oder der Futtermittelhersteller, der falsches Fett verwendet. Weil wir aber trotzdem die Wirtschaft brauchen, tragen wir als Gesellschaft dieses (wirtschaftliche) Risiko bzw. nehmen es in Kauf, das das Verursacherprinzip nicht immer greifen kann. Auf der anderen Seite profitieren, ja leben wir von der Wirtschaft. Die möglichen Folgekosten sind sozusagen ne Hypothek auf unseren jetzigen Lebensstandart.


    Das wir das Umweltrisiko der Kernkraft, das per se nicht durch ne Versicherung getragen werden kann, nicht mehr tragen wollen, ist ja ne andere Sache.


    Letztlich ist es immer Kosten/Nutzen-Abwägung, auch in Hinsicht auf mögliche Umweltschäden. Wenn unsere Gesellschaft zu der Meinung kommt, das die Kosten (auch im Bezug auf die möglichen Umweltschäden) den Nutzen übersteigt oder generell die Kosten in ihrer Höhe nicht schätzbar sind (und das ist ja hier mehr oder weniger der Fall) dann ist es nur recht, das die Kernkraft abgeschafft wird.


    Franz

  • > Jedes Unternehmen trägt nur soviel Risiko für seine Unternehmungen, wie es wirtschaftlich tragbar ist. <


    Die japanische Regierung erwägt, Tepco zu verstaatlichen ......


  • Ich finde es immer Quatsch, das Gewinne von Unternehmen angeprangert werden.


    Hallo


    Es geht - wie oben genannt - nicht um die Gewinne. Sondern darum, dass neben den Gewinnen auch die Risiken abzuwägen sind. Dies übrigens im ureigensten Interesse der beteiligten Unternehmen. Und das wollen und können Energiekonzerne mit AKW's im Letzten eben nicht. Da muss dann wie selbstverständlich die Allgemeinheit ran. Und bei einem GAU in einem AKW könnte dies auch einmal schief gehen... das Risiko können wir uns u.U. gar nicht leisten. Auch [neben anderen bereits genannten Gründen] weil es dann zu teuer ist.


    Anders gesagt: Der Landwirt kann für seinen Traktor eine Haftpflichtversicherung abschließen... Energiekonzerne für AKW's eben nicht. Allein das sollte zur Wirtschaftlichkeit eines AKW's schon zu denken geben.


    Und "ja"... dass hier in D-Land eine Ethikkomission sich dieser Fragen annehmen muss, halte ich für richtig. Und die Wahlen haben ja gezeigt, wie die Stimmung unserer Gesellschaft hier gerade ist.


    MfG

    • Offizieller Beitrag

    Und die Wahlen haben ja gezeigt, wie die Stimmung unserer Gesellschaft hier gerade ist.


    Zu denken gibt mir, dass vor ca. 1,5Jahren die Wahlen eine gegenteilige Stimmung gezeigt haben.
    Bei einem so existentiellen und schwer-fälligem Thema wie der Energieversorgung führt eine permanente Kursänderung nach Tagesstimmung sicher nicht zur Zukunftssicherung. :(


  • Bei einem so existentiellen und schwer-fälligem Thema wie der Energieversorgung führt eine permanente Kursänderung nach Tagesstimmung sicher nicht zur Zukunftssicherung. :(


    Hallo


    Und was wäre Deine Alternative? Eine sichere Zukunft haben wir halt auch mit der Kernenergie nicht...


    MfG

  • .... die Norweger könnten so viel Strom aus Wasserkraft nach Europa liefern, dass 60 Kernkraftwerke abgeschaltet werden könnten.
    Das Kabel liegt, nur lassen die Energieversorger den Strom nicht an Land und das Wirtschaftsministerium sieht keinen Handlungsbedarf.
    Zudem könnte die überschüssige Windenergie aus Deutschland nach Norwegen fliessen und dort wieder Wasser in die Speicher pumpen.


    Wir Deutsche mögen so etwas aber nicht ...... weil die Energieriesen dann den Preis an der Strombörse in Leipzig nicht mehr manipulieren können.

  • Schaut mal die nächsten Nachrichten:


    wenn richtig gehört habe überschlägt sich die FDP jetzt (Lindner?) und will 11 (?) AKWs komplett sofort abschalten.


    Ohne Gewähr, habe es nicht vollständig gehört/gesehen. Bin aber auf die19:00-h-Nachrichten schon gespannt....



    Ich liebe Politik!!!



    ?( ?( :thumbdown:


    Stehen denn schon wieder Wahlen bevor? Sieht die FDP ihre Felle vollständig davonschwimmen? Guido-Schießen? Fishing for Wähler???

  • Es geht wohl in der (momentanen :D ) Aussage von Herrn Lindner um die endgültige Stillegung der derzeit abgeschalteten Atomkraftwerke.

    Gruß
    taxus






    "Wir essen jetzt Opa!" Satzzeichen retten Leben!

  • Da muss dann wie selbstverständlich die Allgemeinheit ran.


    Mit Allgemeinheit meinst du diejenigen, die seit Jahren voller Dankbarkeit ihre elektrischen Waschmaschienen, Fernseher, Bügeleisen mit künstlich billigen Strom (weil wesentliche Rücklagen für Störfälle bei AKW-Betreibern nicht gebildet und eingepreist sind) betreiben? :D


    Franz


    PS: Wir können ja ne Nachzahlung für die letzten 30 Jahre von einigen Cent pro Kilowattstunde bei allen Konsumenten für die erforderliche Rücklage verlangen. Das dürfte dann ausreichen. Selbstverständlich auch von den Betreibern. Die Summe dürfte dann reichen, damit auch gleich noch Griechenland und Portugal aus der Schuldenfalle kommen :gab