Immer wieder schön, solche Diskussionen in denen im Prinzip jeder recht hat, [size=5]zumindest ein bisschen[/size]. ![]()
Vieleicht sollte man mal die Wirkmechanismen von Reifen unter den verschiedenen Bedingungen betrachten.
Moderne Winterreifen weisen viele gezackte Einschnitte in den Gummiblöcken auf. Im Ruhezustand bilden sie eine glatte Oberfläche. Während der Fahrt verschieben sie sich durch die Walkarbeit gegeneinander, so dass eine sägezahnartige Oberfläche entsteht. Dies bewirkt auf Eis und Schnee einen besseren Grip beim Beschleunigen und Bremsen. Bezüglich der Seitenführung (Kurvenfahrt) haben sie nur einen geringeren Einfluss. Verringert sich das Profil, werden die Blöcke kürzer, die Lamellen können sich nicht mehr so stark gegeneinander verschieben und der Sägezahneffekt (Grip!) wird geringer.
Seit Jahrzehnten werden die Bremsen der Autos so eingestellt, dass die Räder der Hinterachse NIE früher als die der Vorderachse blockieren. Denn Gleitreibung (blockierende Räder) ist immer weit geringer als Haftreibung. Wer noch eine mechanische Handbremse hat, sollte das auf einem großen freien Platz bei Schneeglätte ausprobieren: Geradeausfahrt, Fuß runter von Gas und Bremse, auskuppeln und die Handbremse ziehen. In Nullkommanichts drehst du dich und kennst den Unterschied zwischen Haft- und Gleitreibung. ![]()
Wohin also mit den besseren Winterreifen?
Im Normalfall bei Otto Normalverbraucher --> hinten, unabhängig vom Antriebskonzept des Autos.
Bei Leuten, die die Straße "lesen" können, die ein driftendes Auto nicht nur abfangen, sondern diese Instabilität auch als Sicherheitsgewinn nutzen können --> vorne.
Nächstes Szenario: norddeutsch nasser Winter. Hier müssen die groben Rillen im Profil das auf der Straße stehende Wasser aufnehmen und zur Seite abführen. Je tiefer die Rillen, um so mehr Wasser kann beiseite geschafft werden. Schaffen sie es nicht mehr in ausreichendem Maße, entsteht Aquaplaning. D.h., die Reifenoberfläche hat keinen Kontakt mehr zur Straße und schwimmt auf. Grip und Seitenführung tendieren gegen Null.
Im Normalfall laufen die Hinterräder in der Spur der vorderen. Die haben aber schon den größten Teil des Wassers verdrängt, so dass auf die hinteren nicht mehr so viel Arbeit zukommt.
Nur in sehr engen Kurven verläuft die Spur der Hinterräder neben der der vorderen. In solchen Fällen ist aber die Geschwindigkeit so gering, dass nicht mehr so viel Wasser pro Zeiteinheit verdrängt werden muss.
Wohin also mit den besseren Reifen?
Ihr erratet es bestimmt --> nach vorne.
Und bei Trockenheit? Da hätte ich am liebsten rundum Slicks.
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