Vier Monate habe ich mein 740 nun, und finde mich vermehrt in Situationen, wo ich es am liebsten aus dem Autofenster schmeißen und zur Sicherheit noch ein paarmal drüberfahren oder über die Leistungen des Geräts bloß noch lachen möchte.
Es ist mein erstes Navi, und den Ausschlag für TomTom haben neben den konstant guten Testergebnissen vor allem das vermeintlich revolutionäre HD-Traffic gegeben, welches mir endlich der Durchbruch für akkurate Verkehrsinformationen zu sein schien.
Die Ernüchterung kam schon nach wenigen Tagen, mit teils katastrophaler HD-T-Qualität. Dazu die mehrtägigen Serverausfälle vor einigen Wochen und der sich offenbar hartnäckig haltende Zeitstempel-Bug. Sicher hat HD-T auch mal ordentlich gearbeitet, aber mir fehlt der Vergleich zu kostenlosen Diensten. Bald läuft die Probephase aus, und ich muss mich entscheiden, ob ich für das Gebotene monatlich ca. 10 EUR (wie ich höre, gibt es noch eine günstigere Zahlungsoption?) hinblättern oder für ca. 60 EUR die TMC-Halterung erwerben will, die scheinbar nicht mal TMCpro offeriert. Oder gar ganz auf Verkehrsinfos verzichten und wie früher WDR 2 hören bzw. autobahn.nrw.de konsultieren? Das Navi wäre dann nur noch Freisprecheinrichtung bzw. würde in den relativ seltenen Momenten genutzt, wo ich wirklich Navigationshilfe benötige.
Bevor ich weiter darauf eingehe, was mich am 740 so stört, will ich natürlich nicht die Pluspunkte unter den Tisch fallen lassen. Die Verarbeitung ist einwandfrei, die Halterung solide, sicher haltend und leicht bedienbar. Ebenso gestatten die Lautsprecher eine beachtliche Lautstärke, und die Verfügbarkeit einer optionalen Fernbedienung ist ein praktisches Feature. Die Freisprecheinrichtung erlaubt es nach anfänglichen Schwierigkeiten nun auch, gelegentlich mal zu telefonieren oder sich eine SMS vorlesen zu lassen.
Die Liste der Schwachpunkte ist aus meiner Sicht deutlich länger. Es fängt damit an, dass der Bildschirm trotz maximaler Helligkeit schon bei leidlich hellem Licht (also auch ohne direkte Sonneneinstrahlung) schwer abzulesen ist, was einerseits an der mangelnden Leuchtkraft und andererseits an der ungenügenden Entspiegelung liegt. (Vielleicht sollte ich noch in eine Displayschutzfolie investieren.) In den Wintermonaten war mir das naturgemäß nicht so aufgefallen.
Die Sprachsteuerung funktioniert nicht durchgängig (z. B. bei Google-Suche oder Hausnummern), und ebenso lässt sich die Fernbedienung nicht konsequent einsetzen. Besonders beim Telefonieren ein Problem, wenn die Eingabe der Buchstaben nicht mehr ausreicht (weil das Gerät jede Ausprägung einer Nummer als eigenen Kontakt speichert) und man scrollen muss. Nach meiner Kenntnis ist ein Touchscreen-Klick dann zwingend nötig, ebenso beim Auflegen nach vergeblichem Wählen. Vielleicht gibt es dazu ja noch einen Trick.
Ich will dem Gerät nicht zur Last legen, dass es hier und da mit falschem Kartenmaterial arbeiten muss oder dass es am AK Breitscheid beharrlich eine Falschansage macht. Wirklich nerven tut die unbeholfene Grammatik der Sprachansagen (tun Sie dies, dann: tun Sie das, dann: Sie haben Ihr Ziel erreich), die auch nicht immer logisch sind. Es gibt z. B. in Düsseldorf eine knifflige Ausfahrt, wo sich das 740 einen derartigen Unsinn zusammenreimt, dass es mich fast falsch geführt hätte, obwohl ich dort öfter herfahre. Ich hatte halt geglaubt, das Gerät habe noch einen Stau entdeckt und wollte mich besonders clever lotsen.
Als ich neulich in Wuppertal war, wo ich wirklich Top-Navi-Qualität brauchte, meinte das Gerät, ich solle innerstädtisch links abbiegen und dann auf die Autobahn fahren. Dort gab es indes natürlich weit und breit keine Autobahn, und durch das sich nur langsam wieder einschwenkende Kartenbild wurde die Verwirrung noch zusätzlich gesteigert. Des Rätsels Lösung: Folgte man der Abbiegeempfehlung und fuhr die Straße für mehrere Kilometer geradeaus, kam man in der Tat an eine Kreuzung, nach deren Überqueren man auf die Autobahn gelangte.
Sicherlich war ich mit Navi immer noch zigmal besser dran als ohne, aber ich frage mich, warum solche Situationen auch in der fünften Go-Generation nicht besser gehandhabt werden.
Das Gleiche trifft auf die völlig unzureichende Systemstabilität zu. Ich hatte schon mehr als ein Dutzend Abstürze mit anschließendem Neustart, die BT-Verbindung z. B. zur Fernbedienung hängt sich immer mal wieder auf, und das Reset-Prozedere gehört fast zur wöchentlichen Routine. Und ja, ich habe auch mal Checkdisk laufen lassen und das System neu aufgesetzt. Im Vergleich zu meinem PC, der mit Windows XP und zig Applikationen seit Jahren nahezu (in Relation gesehen) störungsfrei läuft, eine schwache Vorstellung.
Gerade weil der Zeitpunkt der HD-T-Entscheidung näher rückt, war ich schon fast bereit, das TomTom bei eBay einzustellen und den Verlust hinzunehmen, aber ich habe mir nun noch einmal die Konkurrenz angesehen. Das Navigon 7210, dessen Nachfolger vor der Tür steht, besticht durch hübsche Karten und m. E. elegantere Bedienoberfläche. Die Lautsprecher sind aber (zu) leise, und ich lese auch viel Schlechtes über die Freisprecheinrichtung, die beim 740 zumindest leidlich funktioniert. Die Ablesbarkeit des Bildschirms kann ich natürlich im Geschäft auch nicht beurteilen. Jedoch soll der Hersteller Probleme mit dem 'randlosen' Display haben und dieses von matter auf spiegelnde (!) Oberfläche umgestellt haben. Die Bäume wachsen bei Navigon sicherlich auch nicht in den Himmel.
Oder ist elektronisches Navigieren auch nach Jahren immer noch ein 'Abenteuer', für das man eine gewisse Leidensfähigkeit und Bastellust braucht? War ich zu leichtgläubig, habe ich die falschen Erwartungen?
Wollte mir das alles mal von der Seele schreiben.
Vielleicht können mich die Insider insoweit ein Stück trösten, indem sie ein paar Infos zum nächsten Firmware-Update einstellen. Wann wird es ungefähr erscheinen, und welche Themen sind darin behandelt? Vom Verkehrsinfo-Schaltflächen-Bug weiß ich bereits; wie sieht es z. B. mit dem nervigen Kreisverkehr-Bug aus? Und gibt es irgendeinen Grund zur Hoffnung, dass TomTom die Preise für die Live-Services drastisch senkt?