Memory Map Navigator im Einsatz
Im Juli 2003 hatte ich zwei Wochen lang Gelegenheit, den Memory Map PocketPC Navigator unter Praxisbedingungen auszuprobieren. Der MM Navigator ist sozusagen die Vollversion des MapTech Navigators. Man kann bei Memory Map für ein paar Dollar den MapTech Navigator zum MM Navigator upgraden. Man kann aber auch den MM Navigator gleich beziehen.
Das Programm lief an Bord einer HR 36 im EJsselmeer und in der Niederländischen Waddenzee im Schatten der fest eingebauten Raythron GPS-Anlage mit. Da wir einen PDA mit Navigationssoftware zunächst für ein Spielzeug hielten, wurde während des Törns die bordeigene Anlage wie gewohnt betrieben, der PDA durfte als Zweitgerät zeigen, was er konnte. Die korrekte Arbeit beider Geräte wurde am Kartentisch überwacht.
Der PDA wurde mit Klettband an der Steuerbordseite neben dem Niedergang fixiert, wo er für den Steuermann etwas unter Augenhöhe stand. Da diese HR 36 ein Hardtop hatte, hielten wir besondere Schutzmaßnahmen gegen Seewasser für nicht nötig. Sie erwiesen sich dann auch als nicht erforderlich. Der entstandene Kabelsalat wurde mit Silver Tape eingedämmt.
Schon bei der Törnvorbereitung am heimischen PC erwies sich der MM Navigator als äußerst praktische Planungshilfe. Basierend auf Kartenmaterial der amtlichen holländischen Seekarten für Küste und Binnen (2 MapTech CDs) konnten die vorgesehenen Routen am großen Bildschirm mit einfachen Mausklicks auf die geplanten WayPoints erstellt werden. Die erarbeiteten Routen ließen sich ohne Mühe auf den PDA exportieren.
Zum Vergleich wurde ein Teil der Planung auch direkt auf dem PDA verwirklicht. Dabei zeigte sich der Nachteil der kleinen Displayfläche. Größere Schläge ließen sich ziemlich mühsam eintragen, grundsätzlich geht aber auch das. Spätere Korrekturen der Route waren dagegen auch auf dem PDA einfach zu erstellen. Vor allem das Ein- und Anfügen weiterer WPs gelingt mühelos.
Auf See wurde dann für die entsprechende Route im Kontextmenue Follow Route angewählt, worauf der PDA selbständig die WPs abspulte. Auf Wunsch zeigt er dann in großer, auch vom Ruder aus lesbarer Schrift den Kurs zum jeweiligen WayPoint und die Geschwindigkeit über Grund zum jeweiligen WayPoint. Außerdem die geschätzte Ankunftszeit am Zielpunkt der Route (ETA), ziemlich witzig übrigens auf einem Segelschiff. Schon wichtiger: die Abweichung in sm von der geplanten Route. Im Hintergrund bleibt die Karte sichtbar. Wenn man das etwas geschickt anordnet, ist auf einem Drittel des Displays der Schiffsstandort zu sehen. Für Detailinformationen lassen sich die vorgeschalteten Fenster ohne Mühe abschalten.
Für etwas Spannung sorgt dabei, dass der Kurs zum folgenden WayPoint erst erscheint, wenn sich der angesteuerte WP schon leicht achterlicher als querab befindet.
Eine gute Ergänzung ist der markante Kurspfeil im eigenen Fenster, der auf den nächsten WayPoint zeigt, und auch von dem Mann am Ruder mit einem Blick zu registrieren ist.
Um die Genauigkeit der Satellitenposition auf der Karte zu prüfen, haben wir probehalber auch eine Sandbank angesteuert. Das Ergebnis war verblüffend. Der Ruf des Navigators (erreichen die Kante ---- jetzt!) fiel auf die Sekunde mit dem Alarm des Echolots zusammen. GPS-Navigation ist nur so gut wie das zugrunde liegende Kartenmaterial, aber diese Erfahrung nötigte uns Respekt auch für den kleinen PDA ab.
Ein Hinweis noch zur Nachbereitung. Die gefahrenen, mitgeplotteten Routen der gesamten Reise ließen sich anschließend auf dem PC archivieren. Für jeden Punkt der Reise bekommt man auf Wunsch Uhrzeit, Position und momentane Geschwindigkeit über Grund. Ein Mausklick auf einen Punkt der Route genügt. Damit hat man ein supergenaues Logbuch im Archiv, mit dem sich alle Segelbewegungen nachträglich rekonstruieren lassen.
Zusammengefaßt lässt sich sagen: die PDA Navigation mit dem MM Navigator ist ausreichend zuverlässig. Von den systembedingten Einschränkungen abgesehen, ist der MM Navigator sogar ein voll brauchbares Navigationssystem für See und Binnen. Er hat was man braucht, um sicher dort anzukommen wo man ankommen wollte.
Technische Details siehe unten.
Gruß
artur