Langfristige Erfahrung mit TT5

  • Fast 3 Wochen habe ich in Norditalien, auf Korsika und Sardinien verbracht. Dazu muss ich noch den Weg aus Prag und zurück mitzählen, teilweise mit Umweg über Schweiz und einige Erfahrungen vom Gebrauch bei uns in Tschechien. Zusammen paar Monate auf einem ganz breitem Gebiet. Meine Erfahrungen:


    1. Ganz bekannt ist, dass der TT5 die Position immer ganz genau auf der Straße zeigt, obwohl die Ungenauigkeit von GPS oft paar Meter neben zeigen würde. Das ist ganz riesiger Vorteil, in 98% der Fälle. Bei dem Durchfahren durch kleine Gassen in den vielen italienischen Städte, wo auch die Satelliten nicht ganz gut zu sehen sind, überlegt oft TT5, ob er sich in dieser oder Parallelstraße, oder um die Ecke befindet. Und springt oft dazwischen. Für das Fahren oder Spazieren durch solche Gassen also verwendbar nur als eine Karte aber ohne GPS Funktion.
    2. Die selbe Fähigkeit verursacht, dass er Zeit zu Zeit auf eine andere Straße überspringt, wenn es sich z.B. um eine Kreuzung mit der Autobahn handelt. Dann beginnt der hier mehrmals beschrieben Chaos auf der Anzeige. Jedoch ist es immer nur eine Frage von paar Sekunden, bis alles wieder in Ordnung ist.
    3. An allen beschrieben Lokalitäten hat er nur paar Mal Fehler gemacht. Es handelte sich immer um eine gesperrte Straße, oder um eine Einbahnstraße in anderer Richtung. Dies kann aber die Gemeinde kurzfristig ändern und das kann niemand in die Karten bearbeiten. Die Karten zu machen ist eine endlose Arbeit. Wenn ich umgekehrt die Zahl der richtigen Angaben nehme, ist der Prozentanteil der schlechten unbedeutend.
    4. Sehr gut verhält er sich in Tunnels. Er extrapoliert die Richtung und Geschwindigkeit ziemlich lange nach der Einfahrt in den Tunnel. So in den Tunnels bis etwa 400m Länge also einwandfrei. In den längeren verliert er sich aber nach der Ausfahrt aus dem Tunnel ist er binnen so 2 Sekunden wieder drin. Also sehr gut vor allem in Italien, wo ein Tunnel auf jeder Ecke ist.
    5. Jedes Programm hat seine Fähigkeiten. Dadurch will ich nicht die Bedienung und die Menus beurteilen. Etwas ist besser da, etwas in einem anderen Programm. Man muss die Fähigkeiten des Programms kennen und die dann ausnutzen. Ich bin mit TT5 zufrieden.
    6. Überraschend gut sind die Straßen auch in Tschechien bearbeitet. Ich habe versuche in Prag, Kladno und Nordböhmen gemacht. Einwandfrei. Ein einziger Fehler - wieder geschlossene Straße (nur für Anlieger frei). Die Deckung des damaligen Ostblocks war bei den Kartenprogrammen immer schwach. Aber dieses ist sehr gut und mit Italien vergleichbar. Vielleicht ist es in Richtung Osten (Mähren) etwas schwächer, weiß ich aber nicht.


    Schlussfolgerung: ich benutze Yakumo 300 Delta GPS. Zuerst lief das Programm langsam, nach der Formatierung der Speicherkarte einwandfrei. Nach dieser schon langer Erfahrung kann ich sagen, dass es ein sehr guter Produkt ist, bereue nicht das Geld, dass ich drin gesteckt habe und kann nur wärmstens empfehlen.

  • Hallo Boban,


    danke für den objektiven Bericht.


    Deine Beschreibung macht mir die Entscheidung leicht, ob ich auf TT5 updaten soll.


    Das "Interpolieren" im Tunnel it etwas problematisch. Ich konnte in systematischen Versuchen nachweisen, daß es nur geradeaus funktioniert und Krümmungen nicht nachvollzieht. Es setzt einfach für 5 bis acht Zyklen Kurs und Geschwindigkeit fort.


    Aber sonst: danke. Ich wußte nicht, daß Deine Heimat schon so gut abgebildet ist.


    Gruß
    artur

  • Noch zu den Tunnels. TT5 setzt mit der Geschwindigkeit fort, die an der Einfahrt war. Falls im Tunnel eine Kurve gemalt ist, bewegt er sich auch auf dieser Kurve. Also nicht nur unbedingt gerade aus. Wenn es ein relativ kurzer Tunnel ist, läuft es wie im Freien.


    Boban

  • Danke Boban für deinen Bericht.


    Ich bin genauso zufrieden mit TTN5.
    Besonderes Highlight ist für mich die wesentlich verbesserte Funktion bei der Alternativroutenplanung durch Sperrung spezieller Teilstücke z.B. die Us an der Autobahnausfahrt bei Autobahnsperrungen, da dort alle langfahren - im Stau. So sperrst du die 'U', biegst locker links ab wo alle "Blöden" rechts den U-Schildern folgen und auf der U stehen, fährst gemütlich nur ein paar Kilometer Umweg, SPARST aber jede Menge Zeit.


    Achim

  • Ich stimme Artur und Achim zu!


    Ich habe ab und zu das Gefühl, daß manche Leute Wunder von Navi und GPS erwarten. :)


    Wenn man sich mal etwas mit der Technik befaßt, feststellt wie mathematisch komplex und physikalisch an der Grenze diese Signalauswertung ist (man bedenke nur, daß die bei der Maus ankommende Signalstärke so in etwa einer aus 15.000km Entfernung beobachteten 25 W Glühbirne entspricht! und dann kommt noch Wegstrecke durch Hindernisse hindurch hinzu, Mehrwegeausbreitung etc.), dann muß man zu dem Schluß kommen, daß die GPS-Positionsbestimmung doch verdammt gut funktioniert.


    Was die Bewegungsfortführung in Tunnels angeht: bei mir scheinen das durchaus mehr als 7-8 "Zyklen" (falls damit RMC/GGA-Übermittlungen gemeint sind) zu sein. Auf einer Tunnelfahrt von etwa einer Minute Dauer hat Tomtom die Fahrt "blind" fortgesetzt.

  • Ich finde den Bericht auch sehr informativ. Als ich mich für eine Software entscheiden mußte, habe ich TT5 gewählt. Auch wenn viel über den Support und Schwächen des Programms gemotzt wurde.
    Leider konnte ich das Programm noch nicht so ausgiebig testen, aber nach dem Bericht bin ich froh, daß ich anscheinend nichts falsches gekauft habe.

  • Zitat

    Original von Loc2262
    Auf einer Tunnelfahrt von etwa einer Minute Dauer hat Tomtom die Fahrt "blind" fortgesetzt.


    Exakt 1 Minute ist die Zeit, die TTN5 'weiterfährt'. Leider sind eine ganze Reihe von Tunnels so um die 1 Minute lang -- ich würde was drum geben, wenn Experten die Möglichkeit finden würden, diese Zeit auf 2 Minuten zu setzen. Kommst du nämlich aus dem Tunnel heraus und dort ist gleich die Abfahrt oder ein Kreisel, so muss man sich leider den weiteren Strassenverlauf vor dem '1- Minutenabbruch' merken.


    Achim

  • moin moin,



    habe mich in den letzten wochen in meinem urlaub von tt5 einige tausend kilometer durch deutschland und polen navigieren lassen und sitze wieder an meinem schreibtisch.. ;) bin grundsätzlich begeistert.. danke an die jungs, die ein paar extras dazuprogrammiert haben! ;)


    einziges manko: der kürzeste weg... wenn tt5 sich da auf reguläre strassen beschränken würde... so aber habe ich paar nette kühe, hilfsbereite förster und humorlose polizisten kennen gelernt..


    gruss ihmchen

  • Zitat

    Was die Bewegungsfortführung in Tunnels angeht: bei mir scheinen das durchaus mehr als 7-8 "Zyklen" (falls damit RMC/GGA-Übermittlungen gemeint sind) zu sein. Auf einer Tunnelfahrt von etwa einer Minute Dauer hat Tomtom die Fahrt "blind" fortgesetzt.


    Zitat

    Exakt 1 Minute ist die Zeit, die TTN5 'weiterfährt'. Leider sind eine ganze Reihe von Tunnels so um die 1 Minute lang -- ich würde was drum geben, wenn Experten die Möglichkeit finden würden, diese Zeit auf 2 Minuten zu setzen. Kommst du nämlich aus dem Tunnel heraus und dort ist gleich die Abfahrt oder ein Kreisel, so muss man sich leider den weiteren Strassenverlauf vor dem '1- Minutenabbruch' merken.




    Hallo miteinander,


    um es genau zu wissen, hatte ich einen MD95000 durch die Berliner Autobahntunnel gefahren und das Verhalten seines GPS-Empfängers beobachtet.


    Nicht mit einem Naviprogramm sondern per Visualisierung der vom Emfänger ausgegebenen Protokolle.


    Und dabei kam heraus, daß schon der Naviempfänger eines Yakumo nach Satabriß am Tunneleingang ein Scheinsignal setzt, indem er letzten Kurs und letzte Geschwindigkeit weitersendet.



    HIER KLICKEN



    Das bedeutet: ein mobiles Naviprogramm mit einem GPS-Emfänger aus der Yakumoserie, das im Tunnel "weiterfährt", hat keine reale Grundlage dafür. Aus Gründen der Optik oder zur Freude des Users, ich weiß es nicht, wird etwas vorgeführt, was nicht auf Meßwerten beruht.


    Es ist einfach zu programmieren, die Standortmarke nach Satabriß eine Minute lang auf der Fahrbahn zu halten, aber es hat mit der Realität nichts zu tun.


    Etwas anderes ist es, wenn auf ein bordeigenenes Reservesystem umgeschaltet werden kann, Manche Festeinbauten und TTG haben so etwas, und von GNS sah man schon mal einen Prototypen. Damit kann man auf einer Meßwertbasis die Fahrzeugbewegungen nach Satabriß aufnehmen und für die Blindfahrt (Dead Reconning) heranziehen.


    Gruß
    artur

    2 Mal editiert, zuletzt von artur ()

  • Als Laie könnte ich mir jetzt vorstellen, daß bei festgelegter Route und gleichbleibender Geschwindigkeit der Pfeil etwa der realen Position entspricht. Wenn also eine Abbiegung im Tunnel oder gleich nach dem Tunnel kommt, weiß ich ( in etwa ) immer noch wo ich mich befinde und kann die Abbiegung nehmen. Schönes Beispiel: ich glaube das Trapentreutunnel in München am mittleren Ring.
    Gruß
    Simmy

  • Zitat

    Original von artur
    Und dabei kam heraus, daß schon der Naviempfänger eines Yakumo nach Satabriß am Tunneleingang ein Scheinsignal setzt, indem er letzten Kurs und letzte Geschwindigkeit weitersendet.


    Also mein Yak300GPS macht solche Spielchen definitiv nicht. Wenn der keinen ordentlichen Satempfang mehr hat, meldet er brav "kein Fix". Wär ja noch schöner...


    Zitat

    Das bedeutet: ein mobiles Naviprogramm mit einem GPS-Emfänger aus der Yakumoserie, das im Tunnel "weiterfährt", hat keine reale Grundlage dafür.


    Also mein TT5 reagiert da passend. Ein paar Sekunden nach Tunneleinfahrt, wenn die Maus "Fix weg" meldet, schaltet er die Screenfarben auf grau, fährt aber mit der letzten bekannten Geschwindigkeit entlang der Tunnelstraße weiter. Ich finde das einen guten Kompromiß, denn komplett stehenbleiben wäre sicher die schlechtere Alternative.

  • Zitat

    Original von Simmy
    Wenn also eine Abbiegung im Tunnel oder gleich nach dem Tunnel kommt, weiß ich ( in etwa ) immer noch wo ich mich befinde und kann die Abbiegung nehmen.


    Genau.. besser "blind weiterfahren" mit grauem Screen als Kenntlichmachung, was in sehr vielen Fällen gutgehen wird, als direkt am Tunnelanfang stehenbleiben und den Fahrer komplett im Dunkeln lassen über die Situation am Tunnelausgang.

  • Zitat

    Original von Loc2262
    Also mein TT5 reagiert da passend. Ein paar Sekunden nach Tunneleinfahrt, wenn die Maus "Fix weg" meldet, schaltet er die Screenfarben auf grau, fährt aber mit der letzten bekannten Geschwindigkeit entlang der Tunnelstraße weiter. Ich finde das einen guten Kompromiß, denn komplett stehenbleiben wäre sicher die schlechtere Alternative.


    Genau so macht das mein TT5 auch, folgt auch (Straßen-)Kurven :D in Tunnels.
    Das artur sein TT im Tunnel geradeaus fährt und nicht der Kurve folgt hängt IMHO mit dem komischen Verhalten seines Yakumo zusammen, weiter einen geraden Track nach Satabriss zu "generieren". So hat TT ja (angeblich) eines Satfix vom Empfänger und folgt natürlich dieser geraden Route.


    Wie schon vorher geschrieben würde auch ich mir einen etwas längeren "Blindflug" des TT5 wünschen, so das er nicht schon nach 1 Minute aufhört sondern eher nach 2 Minuten.

  • Zitat

    Also mein TT5 reagiert da passend. Ein paar Sekunden nach Tunneleinfahrt, wenn die Maus "Fix weg" meldet, schaltet er die Screenfarben auf grau, fährt aber mit der letzten bekannten Geschwindigkeit entlang der Tunnelstraße weiter. Ich finde das einen guten Kompromiß, denn komplett stehenbleiben wäre sicher die schlechtere Alternative.


    Mein Problem ist, ich kenne den TT5 noch nicht.


    Wenn der Ausnahmezustand deutlich gemeldet wird, dann ist das ja wieder eine von den genialen Praxislösungen unserer Nachbarn.


    Das macht mich neugierig.


    Gruß
    artur

  • @Subraid


    Zitat

    Das artur sein TT im Tunnel geradeaus fährt und nicht der Kurve folgt


    Nein, nicht der TT - die Versuche auf der A100 zeigten nur, was der Satempfänger ausgab. Die Wiedergabe erfolgte über verschiedene Stufen mit MS Autoroute.


    Was ein Naviprogramm daraus macht, wurde da bewußt ausgeklammert. Es sollte deutlich werden, auf welcher physikalischen Grundlage im Tunnel navigiert werden muß - nämlich auf gar keiner oder unter XTRACK2 sogar mit Scheindaten.


    Später lernte ich mit der Haicom 303S ein System kennen, das unter Tunnelbedingungen noch mehr Phantasie entwickelte - nicht unbedingt treffsicherer. Mit der Einführung der SIRFIII-Mäuse wurde dieser Weg dann verlassen. Der Empfänger interpretiert seitdem erfolgreich die Empfangssituation, weniger das Signal.


    Wenn man wie TT5 bei Satabriß in einen Simulationsmodus übergeht und das auch deutlich anzeigt, und das Ganze auch noch praktisch funktioniert, dann ist das eine der pfiffigen Lösungen, mit denen TT immer wieder für sich einnimmt.


    Die Beschränkung auf 1 Minute ist vielleicht ganz weise, damit Simulation und Wirklichkeit nicht zu sehr auseinander laufen.


    Gruß
    artur

    Einmal editiert, zuletzt von artur ()