Vergleichstest Garmin Nüvi 350 vs. TomTom Go 720T

  • Vorwort


    Seit über einem Jahr besitze ich einen Nüvi 350 (zeitweise sogar mit TMC). Als jetzt der 720T von TomTom auf den Markt kam, war es an der Zeit, mal etwas Neues auszuprobieren; ich muss zugeben, dass mich einige Innovationen gereizt haben. Da es immer wieder "Spannungen" zwischen TT- und Garmin-Usern gibt (Stichwort: "Mein Navi ist besser als deins, ätsch!"), habe ich die Gelegenheit genutzt, einen Vergleichstest beider Geräte anzustellen. Natürlich so objektiv wie möglich; daher schreibe ich diesen Test auch erst nach drei Wochen intensivster TT-Nutzung und dem Abklingen erster Begeisterung.


    Grundsätzliches:


    - Der Garmin Nüvi ist ein geschlossenes, der TT Go ein offenes System; d.h. während auf Ersterem nur läuft, was von Garmin geliefert, bzw. in die Firmware integriert wird, kann der TT auf etliche Utilities zurückgreifen, die seinen Funktionsumfang erhöhen gleichzeitig das System aber auch instabiler machen können. Beim Test verzichte ich bewusst auf alle Zusätze (wenngleich ich einige erwähne) und beurteile die Geräte in ihrem Rohzustand ab Werk.
    - Warum ausgerechnet der Nüvi 350 ein Gerät, das schon fast zwei Jahre auf dem Buckel hat, gegen den aktuellen TomTom? Nun, wenn mir Garmin einen 670T oder gar einen Prototypen der 7xx-Reihe zur Verfügung gestellt hätte, wäre ich in der Lage gewesen, neu gegen neu zu testen. Allerdings ist der Unterschied zwischen Nüvi 3xx und 6xx (die aktuellen Spitzengeräte) so groß nicht, und ich weise im Test auf die Unterschiede hin. In Sachen Navigation sind sie m.E. identisch.
    - Mir ist natürlich klar, dass ich nicht sämtliche Funktionen berücksichtigen konnte; anderenfalls wäre ein Roman dabei herausgekommen. Man möge mir also vergeben, wenn ich nicht ins letzte Detail gehe. Hinweise und Korrekturen von Usern nehme ich gern in die einzelnen Kapitel auf; schreibt sie einfach in diesen Thread. Selbiger wird dadurch in den nächsten Wochen noch wachsen und reifen. Ich danke schon jetzt für eure Mitarbeit!


    Stand der Bearbeitung: 25.9.2007


    Legende:


    01. Packungsinhalt / Technische Daten
    02. Äußerlichkeiten
    03. Bootvorgang
    04. Ausschalten
    05. Eingebaute Extras
    06. Zielsuche
    07. Qualität des Routings
    08. Routen planen
    09. Zeitvergleich!
    10. Stabilität
    11. Optik
    12. Präzision
    13. Akustik
    14. POIs / OVIs
    15. TMC / Freisprecheinrichtung
    16. Internet-Unterstützung und Service
    17. Funktionsunterschiede
    18. Ärgernisse
    19. Resümee


    Zu den Screenshots: Sie sind leicht zuzuordnen - alle 16:9-Bilder stammen vom TT 720T, alle 4:3-Bilder vom Nüvi 350.

  • Beim Nüvi 350 sind ab Werk dabei: Ladekabel für Netzstecker, Autoladekabel, USB-Kabel zum PC, Saugnapfhalterung, Klammerhalterung fürs Gerät, Klebeplatte, Kunstledertasche zum Einschieben, CD mit Handbuch und Dienstprogrammen. Die Saugnapfhalterung mit Hebel ist aktiv, d.h. man kann die Stromversorgung dort einstecken und muss sie nicht am Gerät selbst anbringen. Die TMC-Antenne sitzt dagegen an der Seite des Nüvi. In die Klammerhalterung kann der Nüvi mit ausgeklappter Antenne leicht eingesetzt und abgenommen werden, was ca. 3, bzw. 1 Sek. dauert. Das Ganze macht einen soliden Eindruck und hält auch gut an der Scheibe. (Der 350T sowie die 6xx-Geräte haben zusätzlich eine TMC-Antenne dabei, die ins Stromkabel integriert ist.)


    Zum TomTom 720T sind beigelegt: Autoladegerät, Cradle zum PC, passive Saugnapfhalterung ohne Hebel (eine aktive Halterung wird von Brodit noch dieses Jahr erwartet), TMC-Empfänger mit Wurfantenne, CD mit Handbuch und Hilfsprogrammen. Die Halterung muss mit festem Andruck befestigt werden, hält dann aber genauso gut wie die von Garmin. Leider ist sie aber passiv, sodass durch das umständliche An- und Abstecken gute 20 bzw. 10 Sek. vergehen; bei Dunkelheit noch wesentlich mehr. Ein Netzladegerät und eine Tasche sucht man vergebens, auch die Fernbedienung ist nur optional zu erwerben (und bis dato noch nicht erscheinen).


    Vorteil Nüvi: In Design und Unauffälligkeit sind die Halterungen gleichwertig, doch die aktive Bauweise und wesentlich leichtere Handhabung machen die des Nüvi zum Sieger. Beide Halterungen lassen das Gerät auch bei schlechter Straße und harter Federung nicht zittern oder "nicken". Nett ist bei TomTom die stabile und formschöne Cradle dafür fehlt der Netzstecker und einiges mehr, was man für 500 Euro erwarten würde. (Die Integrierung des TMC-Antenne ins Stromkabel beim Nüvi 6xx hat einen Vor- und Nachteil: weniger Kabelsalat aber auch nicht die Möglichkeit, den Empfänger an anderen Nüvis zu benutzen.)


    Technische Daten Nüvi 350 (Link zu Garmin.de)


    Technische Daten TomTom Go 720 (Link zu TomTom.com)

    7 Mal editiert, zuletzt von MadMike ()

  • Der Nüvi kommt im silbernen Alu-Kleid daher (die neuen Chargen sind auf der Rückseite anthrazitfarben gehalten, um sich nicht in der Frontscheibe zu spiegeln), in den Maßen BHT 98 x 73 x 22 mm (mit horizontal ausgeklappter Antenne 61 mm tief). Bedienelemente sind: An-/Ausschalter (oben), SD-Slot, Mini-USB-Buchse, Kopfhörerausgang (rechte Schmalseite), Resetknopf, Anschlüsse der Halterung inkl. Stromversorgung und Zusatzantenne (hinten). Alle weiteren Tasten sind über den Touchscreen zu erreichen. Der Mono-Lautsprecher sitzt in der Rückseite. Das 4:3-Display (72 x 55 mm) ist nicht perfekt entspiegelt (hier hilft eine matte Displayschutzfolie) und weniger lichtstark als die neueren Nüvis (2xx, 6xx). Das Gerät liegt gut in der Hand, selbst bei aufgeklappter GPS-Antenne, ist leicht und hat auch in der Hosentasche Platz. (Die Nüvis der 6xx-Reihe verfügen darüber hinaus über ein deutlich besseres 16:9-Display und ein Mikrofon.)


    Der TomTom 720T ist silbern und grau auf der Vorderseite, während die Rückseite schwarz gummiert ist bis auf den silbernen Einsatz für die Halterung. Das 16:9-Display ist brillant, lichtstark (Tipp: automatische Helligkeitsregulierung abschalten, dann wird es noch heller) und gut entspiegelt. Maße BHT: 117 x 83 x 24 mm. Oben sitzt der Ein-/Ausschalter, auf der Rückseite die Buchse für eine externe Antenne, alle anderen Bedienelemente sind im Boden untergebracht: Audioausgang, TMC-Buchse, Resetknopf (nur mit einem spitzen Gegenstand zu erreichen), Mini-USB-Buchse für Stromanschluss und SD-Slot. Über dem Display sitzen noch ein Lichtsensor und ein Mikrofon, darunter eine Lade-LED. Der Mono-Lautsprecher ist in die Rückseite integriert.


    Vorteil TomTom: Wenngleich die Verarbeitung bei beiden Geräten hervorragend ist, punktet der TT mit edlerem Design, Gummierung und besserem Display. Abzüge gibt's beim Nüvi 350 für die Klappantenne, ein Plus ist die handliche Größe. Silberne Farbe spiegelt sich bei Sonnenlicht in der Frontscheibe, also beim Nüvi-Kauf darauf achten, dass man eines mit schwarzer Rückseite erwischt!

    2 Mal editiert, zuletzt von MadMike ()

  • Vom Drücken des Einschaltknopfes bis zur Eingabebereitschaft vergehen beim Nüvi 350 25 Sekunden; allerdings werden dabei die 33-Länder-Karte und die Basemap geladen. Eine Fahrtwarnung muss weggeklickt werden; wartet man, bis sie von selbst verschwindet, dauert es 6 Sek. länger. Nach dem Booten ist man im Hauptmenü, von wo aus alle wichtigen Funktionen erreichbar sind. Bis die Satelliten gefunden wurden, kann es schon mal dauern; bei häufiger Benutzung um die 10 Sek., nach einigen Tagen Ruhephase 40 bis 90 Sek. Auch sollte man im Stand unter freiem Himmel warten, bis der Fix vollzogen ist, sonst sind Wartezeiten von mehreren Minuten möglich. Das liegt daran, dass die Satelliten ihre Position am Himmel verändern und der Nüvi danach suchen muss, was sich in Bewegung noch schwieriger gestaltet.


    Der TT 720T startet in 12 Sek. mit 22 Ländern und natürlich ohne die Garmin-spezifische Basemap; wahlweise gelangt man danach ins Fahrtfenster, ins Hauptmenü, zur Jukebox (MP3-Player), zum Bildbetrachter, oder wird gleich nach einem Ziel gefragt. Es erscheint kein Warnschild, vorsichtig zu fahren. Der Satellitenempfang ist nach unglaublichen 5 Sek. da, was mit einem QuickGPSFix-File zusammenhängt, in dem wöchentlich die genauen Positionen der Satelliten verzeichnet sind und das man sich bei TT HOME (dem Internet-Portal des TT) kostenlos downloaden kann.


    Vorteil TomTom: Das Gerät ist schneller bereit und bietet verschiedene Startfenster. Ein Spashscreen (während des Bootens) ist bei beiden Geräten modifizierbar und bedient sich aus dem Bildbetrachter. Beide verfügen über einen SIRF-3-Empfänger, der beim TT aber sogar in geschlossenen Räumen und Garagen Kontakt aufbaut; während der Nüvi outdoor bevorzugt.

  • Das Abschalten geschieht beim Nüvi sofort und dauert keine halbe Sekunde. Bei plötzlichem Stromverlust (z.B. Zündung aus) zählt ein Countdown 20 Sek. rückwärts, bevor abgeschaltet wird; das kann man unterbrechen oder mit den Ausschaltknopf beschleunigen. Beim Starten der Zündung fährt der Nüvi selbsttätig hoch und nimmt eine evt. unterbrochene Route wieder auf.


    Der TT nimmt sich 5 Sek. zum Abschalten; dabei kann man eine Erinnerung einblenden, das Navi nicht im Auto zu lassen. Bei Spannungsabfall zählt ein Countdown 10 Sek. zurück (auch abbrechbar). Im Gegensatz zum Nüvi schaltet sich das Gerät bei Stromzufuhr aber nicht selbsttätig ein. Und manchmal wird auch leider nach einem Reset die unterbrochene Route "vergessen" und man muss sie neu eingeben.


    Vorteil Nüvi: Wegen des automatischen Einschaltens und der besseren Merkfähigkeit beim Reset.

    3 Mal editiert, zuletzt von MadMike ()

  • Der Nüvi versteht sich als "Reise-Navi" und hat daher im Gepäck, was man auf einer Reise so braucht. Fest installiert sind ein MP3- und Hörbuch-Player, ein JPG-Betrachter, eine Weltzeituhr, Währungs- und Einheitenrechner und ein Taschenrechner, sowie die Möglichkeit, Screenshots zu schießen. Optional kann man ein Wörterbuch und einen Reiseführer erwerben.
    Die Extras sind tatsächlich hilfreich, allerdings vermisse ich eine Weckfunktion, und der Reiseführer ist mit seinen spärlichen Informationen sein teures Geld nicht wirklich wert. Der Sprachführer kann dagegen mit Einzelbegriffen und ganzen Phrasen (mit TTS-Stimme gesprochen) in 6 Sprachen überzeugen. Der MP3-Player ist sehr schlicht gehalten; immerhin kann man mittels ID3-Tags die Titel nach Interpret, Album und Genre sortieren und Hörbücher abspielen. Die Lautstärke ist nicht getrennt von den Ansagen regelbar (das wurde bei den 6xx-Nüvis verbessert). Im Fahrtfester wird für schnellen Zugriff ein "Jukebox-Button" eingeblendet. Der Bildbetrachter ist ebenfalls wenig komfortabel, sehr langsam und legt die Bilder nach einem Zeitindex ab, der mit jedem Einschalten neu startet. Das Ergebnis sind ungeordnete Bildfolgen auch bei der (ansonsten gut gelösten) Screenshot-Funktion. Gelungen sind die Uhr mit 4 wählbaren Zeiten und die drei Rechner (wobei der Taschenrechner nur die Grundrechenarten beherrscht).


    Der TT 720T verfügt ebenfalls über MP3-Player und Bildbetrachter, außerdem eine Dokumentenanzeige und iPod-Steuerung. Die "Jukebox" ist komfortabler als die des Nüvi und bietet die Kategorien Playlist, Interpret, Album, Lied, Genre (durch MP3-TAGs festlegbar) und Hörbücher. Darüber gibt es ein Menü für: zufällige Liedfolge, Lied wiederholen, reduzierte Helligkeit und sogar eine Diashow zur Musik. Ein Jukebox-Button kann ins Fahrtfenster eingeblendet werden. Aber auch hier gibt es keine getrennte Lautstärkeregelung zur Ansage. Die Fotogalerie wird nach Titeln sortiert, zeigt die Bilder schnell an und spielt eine Diashow mit Bildfolge zw. 1 und 60 Sek. ab. Textdokumente können außerdem in stufenlosem Zoom visualisiert werden, z.B. eigene Adress- oder Telefonlisten. Die iPod-Steuerung konnte ich mangels iPod nicht testen. Screenshots werden "ab Werk" nicht angeboten.


    Vorteil TomTom: Was der Nüvi beim MP3-Player versäumt und beim Bildbetrachter völlig vergeigt, kann er mit den restlichen Utilities nicht aufholen. Der TomTom glänzt mit besserer MP3- und JPG-Auswahl und dem offenen System, durch das man ihn mit allem möglichen Schnickschnack wie Videoplayer etc., aber auch Rechner und Weltzeituhr aufrüsten kann (die interne Uhr wird übrigens bei jedem Sat-Fix aktualisiert). Hätte der Nüvi das Wörterbuch serienmäßig drin, wäre der Punkt an ihn gegangen.

  • Der Nüvi 350 ist für eine Käuferschicht gedacht, die vor allem ohne viele Einstellungen schnell und problemlos navigieren und sicher ans Ziel kommen will, daher sind die Menüs eher spartanisch gehalten. Die Bedienung erschließt sich fast intuitiv, auch ältere Menschen kommen nach kurzer Eingewöhnung damit klar.
    Eine Adresseingabe folgt dem üblichen Prozedere: Land, Stadt (auch PLZ), Straße, Nummer fertig. Die Eingabe erfolgt über große, fingerfreundliche Tastenfelder, leider alphabetisch geordnet und daher für tastaturgewöhnte User etwas umständlich. Namen mit Umlauten werden auch bei Selbstlauten erkannt, z.B. KOLN statt KÖLN oder KOELN. Die Texterkennung vervollständigt die Begriffe recht schnell. Das Ziel kann direkt angefahren oder erst auf der Karte gezeigt werden. Der Bildaufbau ist dabei etwas schleppend. Auch via Koordinaten, Namensteilen (z.B. Hotelnamen) und der Stadtmitte kann gesucht, sowie mit gescrollter Karte das Ziel angeklickt werden.
    Neben "normalen" Zielen stehen POIs (Points of Interest) zu Verfügung: Essen, Unterkunft, Kraftstoff, Kreuzungen, Sehenswürdigkeiten, Einkaufen, Parken, Unterhaltung, Erholung, Gemeinde/Behörde, Krankenhäuser, Transport, Autoservice. Das klingt nach viel ist aber wenig, denn die internen POIs sind sehr lückenhaft und oft nicht auf aktuellem Stand (geradezu katastrophal im Ausland). Da sollte man auf eigene, externe POIs zurückgreifen, die sich mit dem POI-Loader installieren lassen. Hat man einen POI gefunden, ist die Auswahl aber wieder einfach zu handhaben.
    Natürlich kann man eigene Favoriten anlegen, die nicht alphabetisch, sondern nach Entfernung zum aktuellen Standort (mit km und Himmelsrichtung) angezeigt werden. Ich persönlich empfinde das als praktisch, andere fluchen darüber. Leider kann man die Sortierung nicht selbst einstellen. Dafür sieht man nach der Auswahl die komplette Anschrift des Ziels auf dem Screen.


    Der TomTom 720T bedient sich einer fast identischen Zielsuche: Man kann wie beim Nüvi nach Favoriten, Adressen, POIs (hier: OVIs = Orte von Interesse), auf der Karte und nach Stadtzentrum, Kreuzungen oder Koordinaten fahnden, zusätzlich noch nach der Position des letzten Halts. Die Ziele sind alphabetisch und ohne Entfernungsangaben sortiert, die Tastatur ist einstellbar: groß oder klein, ABC, QWERTY oder AZERTY, mit oder ohne Schreibhilfe, die Texterkennung arbeitet tadellos. Die Hausnummer der gespeicherten wird auf Wunsch angezeigt, wenn man in die Zielstraße einbiegt.
    Die internen OVIs sind zahlreich; so zahlreich, dass eine Aufzählung den Rahmen sprengen würde. Und sie werden via TT HOME (dazu später mehr) ständig aktualisiert, sodass man wirklich eine reiche Auswahl hat und kaum externe OVIs installieren muss. Zudem kann man mit MapShare unterwegs neu entdeckte OVIs nachtragen und an TomTom melden. So wächst der Umfang beständig weiter.
    Neu bei den Geräten der x20er-Reihe ist die Spracherkennung mit TTS: Man muss Ort, Straße und Nummer nicht mehr eintippen, sondern kann selbige ansagen. Die Erkennung ist erstaunlich gut, nur bei den Hausnummern kommt sich die Wiederholung des 720ers öfters mal selbst in die Quere und fügt unerwünschte Zahlen an. Mit dem richtigen Sprech-Timing ist das zu bewältigen, besser wäre aber ein Firmware-Update, das das Mikro für eine halbe Sekunde länger "geschlossen" lässt. Auch fällt das Mikro auch schon mal aus und kann nur mit einem Reset reaktiviert werden (siehe Kapitel "Ärgernisse").


    Vorteil TomTom: Zwar gestaltet sich die Zieleingabe etwas komplizierter als beim Nüvi, aber die Summe der zusätzlichen Möglichkeiten ist das allemal wert. Nur für Navi-Laien liegt hier der Garmin vorn, bei dem man fast nichts falsch machen kann. Ansonsten ist der TT mit seinen aktuellen OVIs, der geläufigen Tastatur und der Spracherkennung nicht zu toppen.

  • Das hängt bei beiden Geräten natürlich vom Kartenmaterial ab, und selbiges war schon immer eine Glaubensfrage unter Usern. Garmin greift auf Navteq-Karten (NT) zurück, TomTom auf Teleatlas (TA). Beide Kartenwerke haben Vor- und Nachteile. In ländlichen Gebieten und bei der Abdeckung mit Hausnummern punktet NT, dafür hat TA viele unbefestigte Wege auch als solche gekennzeichnet und bei vielen (nicht allen) Straßen auch die Höchstgeschwindigkeit festgelegt, die in der Statusleiste auf Wunsch dargestellt wird (als Alternative zu Navigons Tempolimit-Symbol). Außerdem scheint mir die Zuordnung der Straßen bei TA gelungener. Nach über einem Jahr mit dem Nüvi und nur drei Wochen mit dem TomTom konnte ich natürlich NT umfangreicher testen und bin mit dem Routing recht zufrieden. Die aufgetretenen NT-Fehler (Fußgängersperren und gesperrte Waldwege passierbar) traten bei einem Test der TA-Karte nicht auf, dafür stoße ich hier öfters auf fehlende Hausnummern.
    Eine etwas suspekte Funktion beim Nüvi ist die optimierte Routenberechnung. Hier wird erst die Gesamtroute erstellt, doch während der Fahrt ertönt plötzlich: "Es gibt eine bessere Route". Angeblich rechnet der Nüvi im Hintergrund weiter und gibt die Meldung aus, sobald er einen besseren Weg gefunden hat. Doch erstens kann das die vorberechneten Kilometer und Fahrtzeit verändern, und zweitens kommt die Meldung manchmal auch, wenn definitiv keine bessere Route mehr möglich ist. Dieses Feature ist also mit Vorsicht zu genießen.


    Im Gesamtblick muss mein Ergebnis "unentschieden" lauten mit einem zukünftigen Vorteil für den TT, denn mit der MapShare-Funktion kann man als User selbst Straßenfehler beheben, Sperrungen einrichten, Straßennamen ändern und dies auch der Allgemeinheit zugänglich machen.

    3 Mal editiert, zuletzt von MadMike ()

  • Ein Reizthema beim Garmin Nüvi: der Routenplaner. Bzw. der nicht vorhandene Routenplaner (was bei den neuen 7xx-Geräten endlich behoben wird). Möglich ist nur ein Zwischenziel, das nach der Eingabe des Ziels nachgereicht werden kann (also von A über B nach C). Die einzige Möglichkeit, längere Routen mit Wegpunkten zu planen, ist der etwas umständliche Weg über die Favoriten (wird ausführlich in meinen Nüvi-Tipps beschrieben). Ein echter Routenplaner ist das aber nicht, und das macht die Geräte nicht nur für Biker auf Weekend-Trip unattraktiv.
    Liegt auf der Route eine Sperrung oder ein Stau vor, kann der Button "Umleitung" gedrückt werden. Leider steht nicht zur Wahl, auf welcher Länge die Strecke vermieden werden soll, sodass man evt. zu früh wieder in den kritischen Bereich kommt.
    Vor der Routenberechnung kann man sich entscheiden: Ist man mit Auto/Motorrad, als Fußgänger, mit dem Fahrrad, LKW, Bus, Notdienst oder Taxi unterwegs? Das Fahrttempo ändert sich dadurch nicht, wohl aber die Gewichtung der Straßen (bei Notdiensten z.B. gegen Einbahnstraßen, bei Fußgängern durch Einkaufszonen). Zweiter Punkt: schnelle Strecke oder kürzere Zeit, oder gar Luftlinie? Drittens: Was soll ausgeschlossen werden: Stauumfahrung, Kehrtwenden, Fernstraßen/Autobahnen, Unbefestigte Straßen, Mautstraßen oder Fähren? Das klingt prima, hat aber zwei dicke Bugs: Zusammen mit den ABs schließt man auch alle Fern- und Bundesstraßen aus, und die Ausschlüsse funktionieren generell nur bei Strecken unter ca. 70 km. Zudem kommen bei LKW + kürzere Zeit unbrauchbare Routen zustande, und auch sonst gerät man schon mal mit LKW oder Wohnmobil in eine enge Gasse (was aber am nachlässig gepflegten Kartenmaterial liegt).


    Der TT 720T verfügt dagegen über einen ausgereiften Routenplaner, bei dem Wegpunkte und Zwischenziele komfortabel eingefügt werden. Bei TT HOME gibt es ganze Routen zum Download, z.B. durch die Eifel. Aber auch das vom Nüvi bekannte einzelne Zwischenziel steht als schnelle Option bereit.
    Außerdem können Straßensperren auf 100, 500, 2000 oder 5000 m umfahren und Teilrouten vermieden werden (es erscheint eine Liste aller gerouteten Straßen, und man kann eine beliebige ausklammern). Auch können bei Staus Verzögerungen minimiert werden.
    Die einzelnen Fahrzeugprofile sind nicht so umfangreich wie beim Nüvi: Hier gibt es nur PKW, Fußgänger und Radfahrer, man kann Autobahnen vermeiden und ein Maximaltempo angeben (wodurch sich die Straßengewichtung verschiebt), auch hat man die Wahl zwischen schneller oder kurzer Route. Trotzdem hat der TT einen entscheidenden Vorteil: Es werden keine Fernstraßen zusammen mit den ABs ausgeschlossen, und es funktioniert auch jenseits der 70 km. Außerdem fragt der TT bei der Planung nach, ob man Feldwege, Mautstraßen und Fähren mit einbeziehen oder vermeiden will. Trotzdem gibt es ein Manko: Die kurzen Routen binden kleinste Sträßchen mit ein und rechnen schon mit geringsten Einsparnissen im Meterbereich, was zu ärgerlichen Umwegen führen kann. Auch sind nicht alle Feldwege in den Karten als solche hinterlegt, und man findet sich plötzlich im Grünen wieder. Deshalb wohl empfiehlt TT auch, möglichst die "Schnelle Route" zu benutzen (es erscheint ein Warnschild, das man auch bei der Spracheingabe! erst wegklicken muss).


    Von A nach B = Gleichstand der Geräte: Zwar hat der TT keine Bugs bei den Ausschlüssen, aber die setzt man nicht wirklich häufig ein. Das Routing an sich erscheint beim Garmin durch mehr Kombinationsmöglichkeiten harmonischer und lässt sich schneller und unkomplizierter eingeben; außerdem scheinen mir die Navteq-Karten (Nüvi) um einen Tick besser als die von Teleatlas (TT), wo etliche Lücken klaffen.
    Mit Routenplanung = Vorteil TomTom: Einfach daher, weil er einen Routenplaner besitzt und bei Störungen im Fahrtablauf mehr Kontrolle bietet.

    2 Mal editiert, zuletzt von MadMike ()

  • Jetzt geht's ans Eingemachte: Wie schnell sind die Routenberechnungen beider Geräte im Vergleich? Dafür habe ich einige Bespielstrecken herausgesucht natürlich nur wirklich lange, denn die 3 km zur nächsten Tankstelle haben beide Kontrahenten in Nullkommanix berechnet. Startpunkt ist dabei mein Heimatort, denn beim Nüvi ist leider die Vorgabe eines anderen Startpunktes recht aufwändig; der Routenplaner des TT schafft das spielend.
    Gerechnet wird in der Einstellung PKW, jeweils mit der kürzesten und schnellste Route. Vermieden werden nur unbefestigte Wege. Da sich der Nüvi bereits an meine Fahrweise (mit dem Smart 42 fahre ich max. 110 km/h) angepasst hat, könnten die Fahrzeiten aus diesem Grund länger sein.


    Garmin Nüvi 350


    Köln-Porz > Stadtmitte München
    Kürzere Zeit: 10 Sek. (601,6 km / Zeit: 5:15 Std.) ZEIT NICHT KÜRZER!
    Kürzeste Strecke: 22 Sek. (561,8 km / Zeit: 5:01 Std.)


    Köln-Porz > Stadtmitte Kopenhagen / Dänemark
    Kürzere Zeit: 13 Sek. (762 km / 7:26 Std.)
    Kürzeste Strecke: 24 Sek. (740,5 km / 8:14 Std.)


    Köln-Porz > Stadtmitte Rom / Italien
    Kürzere Zeit: 30 Sek. (1389,7 km / Zeit: 13:24 Std.)
    Kürzeste Strecke: 45 Sek. (1403,0 km / Zeit: 16:22 Std.) STRECKE NICHT KÜRZER!


    TomTom Go 720T


    Köln-Porz > Stadtmitte München
    Schnellste Route: 7 Sek. (563 km / Zeit: 4:59 Std.)
    Kürzeste Route: 122 Sek. im ersten Versuch, danach die Frage, ob unbefestigte Straßen vermieden werden sollen; nach JA noch einmal 114 Sek = insg. 236 Sek. (521 km / Zeit: 8:48 Std.)


    Köln-Porz > Stadtmitte Kopenhagen / Dänemark
    Schnellste Route: 9 Sek. (752 km / 7:49 Std.)
    Kürzeste Route: 90 Sek. (728 km / 11:59 Std.)


    Köln-Porz > Stadtmitte Rom / Italien
    Schnellste Route: 22 Sek., danach die Frage, ob Mautstraßen vermieden werden sollen; das NEIN kostet 1 zusätzliche Sek. (1400 km / Zeit: 12:49 Std.)*
    (Bei "Mautstraßen vermeiden" wären es noch einmal 46 Sek. gewesen = insg. 68 Sek. (1514 km / Zeit: 19:31 Std.))
    Kürzeste Route: 474 Sek. = 7:54 Min. + 1 Sek. Mautstraßen akzeptieren (1333 km / Zeit: 18:54 Std.)
    * Fairerweise muss gesagt werden, dass man die Mautabfrage abschalten kann; ob das allerdings wünschenswert ist, sei dahingestellt.


    Beim Abweichen von der Route berechnen beide Navis gleich schnell eine neue Strecke, wobei nur der Nüvi die Aktion ansagt. Eine Bestätigung der Neuberechnung wird nicht verlangt.
    Auch die Ankunftszeit-Berechnung zumindest auf Kurzstrecken bis 20 km getestet gibt bei beiden navis keinen Grund zum Meckern. Obwohl der Nüvi dank lernfähiger Tempostatistik im Vorteil scheint, wichen die Zeichen beim TT auch nur um 2 bis 3 Minuten von der vorberechneten Zeit ab.


    Gleichstand der Geräte: Während der Nüvi Ausschlüsse nach ca. 70 km nicht mehr berücksichtigt und die schnellste/kürzeste Route auch nicht immer die schnellste/kürzeste ist, braucht der TomTom für seine kürzeren Routen elend lang und schlägt dank winzigster Straßen auch noch kräftig Zeit drauf. Man kann vor Antritt einer längeren Reise nur empfehlen, alle Möglichkeiten durchzurechnen und sich für die optimale zu entscheiden. Für den Nüvi empfehle ich darüber hinaus auch eine Berechnung LKW + Kürzere Strecke; damit habe ich bei einem Schwedenurlaub gute Erfahrungen gemacht.

  • Ein Navi, das ständig abstürzt, ist sein Geld nicht wert. Daher verfolgt Garmin die Praxis des geschlossenen Systems, auf das man keine Utitities von Fremdanbietern oder Hobbyprogrammieren aufspielen kann. Das Ergebnis ist ein äußerst sicheres Gerät mit einer unglaublich geringen "Einfrier-Quote" (mein 350er ist während der Fahrt in über einem Jahr erst einmal abgestürzt!). Sollte es doch einmal passieren, genügt ein Druck auf den Reset-Taster, der auch in der Halterung (bei senkrecht hochgeklappter Antenne) noch gut erreichbar ist. Der Nüvi bootet neu und führt das Routing nahtlos fort, wobei der Sat-Empfang schon nach wenigen Sekunden etabliert ist.


    Der TT 720 ist in den drei Wochen Test auch noch nicht abgestürzt aber hier fehlt mir natürlich für ein wasserfestes Urteil die lange Erfahrungszeit des Nüvi. Auch habe ich erst drei Utilities installiert, die auf anderen TTs schon seit Jahren problemlos laufen. Nach einem Reset fährt auch der TT (gemäß Einstellung) an gleicher Stelle fort. Allerdings ist der Resettaster nur umständlich zu erreichen. Tipp: Der Stecker des TMC-Empfängers passt in das Reset-Loch; so muss man wenigstens nicht nach einer Büroklammer o.ä. suchen. Um einen ungewollten Reset zu vermeiden, empfiehlt es sich, das TMC-Kabel vor dem Einschalten anzustecken.


    Vorteil Nüvi: Auch wenn ich den TT in dieser Hinsicht noch nicht ausgiebig testen konnte ein geschlossenes System ist von Hause aus stabiler, weil es nicht von unsauberen Programmen beeinflusst werden kann. Da man dies aber beeinflussen kann, steht der TT 720T nur unwesentlich zurück; wie gesagt gab es bei mir noch keinen Absturz.

    Einmal editiert, zuletzt von MadMike ()

  • Das Fahrtfenster des Nüvi spaltet das Lager der User. Dem einen ist es zu spartanisch, der andere freut sich über weniger Daten zugunsten eines größeren Bildes. Ich gehöre zu letzterer Fraktion: Die Angabe der Ankunftszeit und der Zeitpunkt der nächsten Aktion genügen mir, um unbeschwert zu navigieren. Zu sehen sind außerdem die beiden Zoomtasten, eine Kompassnadel (entfiel bei den 6xxern), die Leiste mit der nächsten Straße/AB-Abfahrt und der Menü-Button. Bei laufendem MP3-Player zusätzlich ein Jukebox-Button. Weitere Angaben wie Tempo, verbleibende Gesamtzeit, Statistiken etc. kann man mit einem Klick aufrufen. So hat man die maximale Platzausnutzung für die Straßenkarte (die vor allem beim 4:3-Display von Nutzen ist). Fährt man ohne geplante Route, befinden sich Tacho und Himmelsrichtung im Fahrtfenster. Klickt man auf den grünen Straßenbalken, wird eine Liste der Fahrtanweisungen eingeblendet, die man auch einzeln grafisch darstellen kann, mit Fahrtfenster, Textanweisung, Meter bis zur nächsten Aktion und Zeit bis dorthin. Auch kann man eine 2D-Gesamtsicht der Route abrufen.
    Das sichtbare Kartenfenster liegt bei 71 x 40 mm. Es glänzt beim Nüvi mit Antialiasing (Treppchenvermeidung), was ein sehr sauberes Bild ergibt, m.E. den Prozessor aber bremst. Die Farben sind etwas gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlecht gewählt, allerdings nicht änderbar. Bei der Nachtansicht verwischen die Ränder der Straßen etwas (was bei den besseren Displays der 2xx- und 6xx-Reihen nicht auftritt). Ein Highlight ist das wechselbare "Vehicle" anstatt des Positionspfeiles hier steht bereits ein ganzer Fuhrpark zum Download bereit und man kann sogar eigene Autos basteln. Dies allerdings ist dank der 3D-Optik sehr zeitaufwändig und erfordert für eine saubere Umsetzung Grafik-Erfahrung.
    Der Refresh also die Bildfolge des Nüvi hat Garmin auf 1 Sek. festgesetzt, was das Bild ruckartig bewegt. Schön ist das zwar nicht vor allem in Kurven fällt das Ruckeln auf , sollte aber auch nicht überbewertet werden, da man beim Navigieren ja nicht ständig aufs Display schauen soll. Vor allem bei Simulationen, die dann angeboten werden, wenn die GPS-Antenne eingeklappt ist, sähe ein schnellerer Refresh besser aus. (Dass dies ginge, sieht man auf dem 350er bei der Fahrzeugauswahl: In diesem Menüfenster läuft der Refresh mit 3-4 Bildern pro Sek. ab! Warum man dies nicht ins Fahrtfenster übernommen hat, wird Garmins Geheimnis bleiben.)
    Bei der gesamten Gestaltung merkt man, dass hier Grafikdesigner am Werke waren: schön anzuschauen, dabei zweckmäßig, nicht überladen, gut sicht- und bedienbar. Zusätzlich kann man in 5 Abstufungen einstellen, wie viele Details man sehen will; leider werden aber auch in der höchsten Stufe nicht alle Nebenstraßen-Namen angezeigt und die dargestellten landschaftlichen Details halten sich in Grenzen. Vermutlich würde mehr den Prozessor zu sehr verlangsamen.
    Zur Optik gehört auch die Umschaltung von Tag- und Nachtmodus. Im Nüvi wird mit den empfangenen Koordinaten der Stand der Sonne ermittelt und automatisch zu bestimmten Zeiten umschaltet. Das garantiert eine der Jahreszeit angepasste Regelung, hilft aber natürlich nicht in Tunnels oder bei relativer Dunkelheit z.B. bei Gewittern. Aber natürlich kann man die Umschaltung auch manuell vornehmen, bzw. in den Menüs abschalten.


    Die Grafik des TomTom setzt nicht auf Schönheit, sondern Information. Die Straßen kommen mit "Treppchen" daher, überall lauern Kanten, die blaue Statusleiste schmerzt Ästheten in den Augen. Dafür punktet der 720er mit wählbaren Farben (etliche Schemas liegen zum Download bereit; es gibt auch ein Utility zur Einzelfarbbearbeitung (außer dem blauen Block)). Und endlich (!) hat TomTom eine Option eingebaut, die ich bei einem 16:9-Display vermisst habe: Man kann die Fahrtinfos an den rechten Rand verlegen! Somit bleibt die Straßenkarte mit dargestellten 77 x 49 mm schön groß und übersichtlich. Verlegt man die Statusleiste wie bislang üblich nach unten, sind es 95 x 38 mm, was m.E. wenig zweckmäßig ist, will man doch den Weg voraus sehen und nicht links und rechts der Strecke.
    Der Positionspfeil kann auch hier gegen verschiedene Vehicles (hier: Cars) ausgetauscht werden, im Gegensatz zum Nüvi nur in Heckdarstellung was aber die Erstellung stark vereinfacht und auch von Grafik-Laien zu schaffen ist. Und das ist gut so, denn die bei TT angebotenen Icons sehen allesamt seltsam naiv aus, mit einem unnötigen weißen Rand darum herum. Dabei sind fotorealistische Cars durchaus machbar. Und das Heck zu sehen genügt auch, denn der Refresh beim TT 720T liegt bei ca. 3 Bildern pro Sek. Das ist weniger flüssig als bei älteren TT GOs, weshalb viele User ein "Ruckeln" bemängeln. Aber auch hier gilt: Die Augen gehören eigentlich auf die Straße und nicht aufs Display!
    Zu sehen sind im Fahrfenster: Pfeil mit der nächsten Abbiegung, Meter bis dorthin, Gesamtfahrtstecke, benötigte Zeit, Jetztzeit, Ankunftszeit, Tacho, Sat-Empfangsbalken, links daneben die nächste Straße. Weiters im Bild: Die Straßennummer, die (etwas klein geratenen) Zoomtasten, der Button für ein Kurzwahlfeld, in dem bis zu 6 Funktionen schnell erreichbar sind, wahlweise auch der Jukebox-Button und ein Kompass. Mit einem Menü kann man außerdem angeben, was angezeigt werden soll: Die Hausnummer die Zieladresse, Straßennamen, nächste Hauptstr./Wegweiser, aktuellen Straßennamen. Schließt man den TMC-Empfänger an, kommt dessen Leiste senkrecht hinzu und verringert die Kartenbreite um 3 mm. Die Datenflut kann man zwar per Menü reduzieren, der Umfang der Statusleisten ändert sich aber nicht.
    Tippt man in die Statusleiste, öffnet sich für 10 Sekunden eine 2D-Übersichtskarte mit Ziel, Uhrzeit, Batt.-Anzeige, Sat-Empfang, Koordinaten, BT-Hinweis, Versionsnummer, Fahrtzeit und km bis zum Ziel. Hier kann man sich die Route auch auf verschiedene Arten anzeigen lassen: als Text (Straßenliste), als Standbilder, die Gesamtstrecke oder als Simulation.
    Die Umschaltung von Tag- zu Nachtansicht erfolgt beim TT 720 mittels eines Lichtsensors, der bei einem gewissen Grad der Dunkelheit umschaltet. Das hilft bei Tunneln und "Gewitterschwärze". Leider aber sitzt der Sensor vorn am Gerät, also in den Fahrraum gerichtet, und nicht oben, von wo Helligkeit einfällt. Dies hat zur Folge, dass morgens zu spät, abends zu früh und bei jedem tieferen Schatten umgeschaltet wird. Glücklicherweise gibt es ein Utility, das sich stattdessen nach dem Stand der Sonne richtet, so wie beim Nüvi mit dem Vorteil, dass man es sogar auf seine Bedürfnisse justieren kann. Außerdem strahlt das Display noch heller, wenn man den Sensor abschaltet.


    Für Puristen = Vorteil Nüvi: Weniger ist manchmal mehr. Wozu den Bildschirm mit Informationen überfrachten, wenn man eh vorwiegend nach den Ansagen navigiert? In dieser Hinsicht ist der Nüvi spitze.


    Für den Rest = Vorteil TomTom: Zwar nicht so schön wie der Nüvi, aber durch das größere Display, die verschiebbare Statusleiste, die immer sichtbaren OVIs und den schnelleren Refresh klar im Vorteil für alle, die Informationen satt wollen. Die Treppchenbildung fällt in einer Entfernung ab ca. 40 cm nicht mehr auf, von daher ist dies kein wirklicher Negativpunkt (außer bei der Simulation).

  • Ein Ableger der Optik ist die Umsetzung des Sat-Signals (also der Standortbestimmung) auf das Fahrtfenster. Beim Nüvi 350 fällt diese Präzision recht gefällig aus: im 3D-Modus beträgt sie bei einem Zoomfaktor von 120 m (die übliche Einstellung beim Navigieren in Ortschaften) und einem Tempo von 50 km/h ca. 3-5 m (d.h. die Darstellung hinkt der Wirklichkeit um bis zu 5 m hinterher). Je geringer die Zoomstufe, desto geringer die Differenz; bei höheren Werten wie 50 m (für die Darstellung von POIs notwendig) erhöht sich der Unterschied drastisch bis auf bis zu 10 m; auch beginnt der Bildaufbau zu ruckeln. (User der 6xx-Reihe berichten von größeren Differenzen, was wohl mit der Auslastung des Prozessors zusammenhängt; hier ist der 350er dem "großen Bruder" also überlegen.) Im 2D-Modus dagegen liegt beim 50-m-Zoom das Nachhinken bei unter 2 m, und selbst bei 30 m entsteht kein merkbares Ruckeln beim Bildaufbau. Für die Darstellung der POIs sollte also unbedingt auf 2D umgeschaltet werden; selbige sind dann auch übersichtlicher dargestellt.
    Ein Extra beim Nüvi: Hier wird auch die Höhe angezeigt! Ein nettes Feature bei Bergtouren oder -fahrten und bei Flugreisen.


    Auch der TomTom 720 hängt bei 3D ein wenig nach, bei o.g. Innerorts-Situation um ca. 2-4 m (die Zoomstufen werden leider nicht angezeigt). Geht man näher heran, fällt der Unterscheid aber nicht so deutlich aus; der 400 mHz-Prozessor kompensiert doch wesentlich besser. Nur bei allzu vielen POIs verlangsamt sich der Bildaufbau. Manko übrigens beim TT: In der 2D-Ansicht wird das Vehicle (Car) durch einen blauen Richtungspfeil ersetzt; das ist beim Nüvi schöner gelöst (siehe Screenshot unter Punkt 11). Und der TT zeigt auch keine Höhenmeter an.


    Vorteil TomTom: aber nur knapp. Der schnellere Prozessor und evt. auch der Verzicht auf Antialiasing verschaffen dem Gerät trotz 16:9-Display den leichten Vorsprung. Der Unterschied zum Nüvi 6xx würde aber deutlicher ausfallen.

    8 Mal editiert, zuletzt von MadMike ()

  • Der Garmin Nüvi bedient sich eines kleinen Mono-Lautsprechers, der qualitativ schnell an seine Grenzen stößt. Immerhin ist die Stimme gut zu verstehen, sodass ich bei 85 % Volume bleiben kann (bei 100% klirrt der Speaker). Die "Normalstimme" (ohne TTS) spricht mit kurzen Pausen und klingt daher nicht harmonisch, die beiden TTS-Stimmen sind dagegen hervorragend in Tempo, Betonung und Aussprache (hier ziehe ich "Steffi" vor). Eine typische Fahrsituation klingt so (ich simuliere das bei beiden Geräten gleich):
    "Fahren Sie zur markierten Route." (man muss erst zum Startpunkt fahren)
    "Fahren Sie 120 m, dann links abbiegen in die Schmittgasse."
    "Links abbiegen in die Schmittgasse." (ca. 60 m vor Abbiegung)
    "Fahren Sie 2,9 km auf der Schmittgasse."
    "Rechts abbiegen in die Steinstraße."
    "Fahren Sie 250 m, dann in den Kreisverkehr einfahren."
    "In Kreisverkehr einfahren, dann 2. Ausfahrt rechts zur Steinstraße."
    "Fahren Sie 550 m, dann rechts abbiegen in die Steinstraße."
    "Rechts abbiegen in die Steinstraße, dann rechts abbiegen..." (ca. 40 m davor)


    Die "Normalstimmen" des TomTom Go 720T zerdehnen die Sätze durch leichtes Stocken genauso wie der Nüvi, sind allerdings gut moduliert. Und fast möchte man bei diesen Stimmen bleiben, denn die TTS-Stimme fällt dagegen dramatisch ab! "Katrin", die weibliche Ansage "ab Werk" lispelt, betont falsch, ist bei vielen Straßen schwer verständlich eine Katastrophe! Da kann auch der ebenfalls kleine, aber im Vergleich qualitativ etwas bessere Mono-Lautsprecher (75% genügen für die gleiche Lautstärke) nichts ausrichten. Viel besser ist die Computerstimme "Stefan": klarer verständlich, bessere Aussprache und Modulation. Man kann und sollte sie via TT HOME installieren.
    Allerdings stört ein lästiger Bug den Hörgenuss: Die TTs-Stimme hängt an viele verschiedene Straßen unsinnige Wörter an; so wird aus "Hauptstraße" z.B. bundesweit "Hauptstraße Höflein an der"!
    Auch hier die gleiche Wegstrecke wie beim Nüvi:
    "Biegen Sie links ab, Schmittgasse." (ca. 90 m vor Abbiegung)
    "Nach 300 m halten Sie sich links." (die Hauptstraße macht einen Knick)
    "Nach 300 m biegen Sie rechts ab." (300 m vor der Steinstraße)
    "Biegen Sie rechts ab, Steinstraße." (ca. 60 m davor)
    "Nach 200 m fahren Sie gerade über den Kreisverkehr, 2. Ausfahrt."
    "Fahren Sie gerade über den Kreisverkehr, 2. Ausfahrt." (ca. 30 m davor)
    In weiteren Menüs ist zu wählen, ob Straßennamen auch ausländische und Straßennummern laut gelesen werden sollen; auch kann man sich eingehende Nachrichten, Verkehrswarnungen, ggf. Wetterinfos (setzt ein Abo voraus), OVI-Hinweise, Warnungen, Lernprogramme und Tipps ansagen lassen. Die Warnungen im voraus (Abbiegungen oder Spurwechsel) können unterdrückt, Schilder laut vorgelesen werden.
    Ein weiteres Highlight des TT 720T ist der integrierte FM-Transmitter; mit seiner Hilfe ist es möglich, den Ton des Navis über das Autoradio abzuspielen. Bei mir klappt das ganz ausgezeichnet: Die Entfernung zur Antenne beträgt nur ca. 15 cm und ich konnte einen freien Senderplatz im Radio finden. Bis auf ein leises Grundrauschen kommt der Ton klar und volltönend herüber. Spielt man dabei über die JukeBox MP3-Stücke (in Mono) ab, wird die Musik bei den Ansagen kurz unterbrochen. Es kann aber auch ein Bluetooth-HiFi-Gerät oder ein Audiokabel angeschlossen werden. (Die Nüvi 6xx-Reihe verfügt ebenfalls über einen Transmitter.)


    TTS = Vorteil Nüvi: Die TTS-Stimme klingt einfach besser, Straßennamen werden korrekt formuliert; auch der Satzbau ist harmonischer: "Links abbiegen in die Schmittgasse" statt "Biegen Sie links ab, Schmittgasse", etc.. Es gibt präzisere Ansagen, die den Blick aufs Display zu vermeiden helfen.
    Akustik insgesamt = Vorteil TomTom: Der Lautsprecher ist einen Tick besser, es gibt einen FM-Transmitter, und es sind mehr Einstellungen und mehr downloadbare (aber kostenpflichtige) Normal-Stimmen verfügbar.

    4 Mal editiert, zuletzt von MadMike ()

  • Die Darstellung der POIs ist ein weiterer Kritikpunkt bei Garmin-Usern: Man sieht sie im Fahrtfenster nämlich nur bei den Zoomstufen 30 und 50 m in denen der Bildaufbau aber heftig ruckelt. Darüber werden nur noch Favoriten und angesteuerte Ziele dargestellt. Zu allem Überfluss zoomt der Nüvi beim 6xx auch noch automatisch auf 120 m heraus und der Autozoom ist nicht abschaltbar.
    Die Erstellung von POIs geht beim Nüvi nur über den POI-Loader, der viele Punkte in einer Datei zusammenfügt. Will man diese aktualisieren, muss man sämtliche POIs neu zusammenfassen. Dies lässt sich nur vermeiden, indem man einzelne POI-Gruppen umbenennt; so muss man nicht gleich alle neu aufspielen.
    Will man zu einem POI routen, sucht man entweder in den internen, aber sehr lückenhaften Listen oder nutzt selbst aufgespielte Ziele, bei denen es eine große Auswahl gibt. Bestimmte Ziele wie Blitzer kann man via POI-Loader mit einem Tempo- oder Annäherungsalarm versehen, der auch als MP3-File vorliegen darf.


    Beim TomTom 720 sind die OVIs einzeln zu- oder abschaltbar, und man sieht sie in jeder Zoomstufe (was somit auch beim abschaltbaren Autozoom keine Probleme macht). Bei zu vielen OVIs im Fahrtfenster geht allerdings der Prozessor in die Knie: es ruckelt. In den Listen sind die Sonderziele zweckmäßig nach Entfernung geordnet wie auch beim Nüvi. Will man ein weiteres dazunehmen, genügen ein paar Klicks. Eine Bündelung wie mit dem POI-Loader ist nicht notwendig. Die Zuordnung eines Alarms (auch eigene im OGG-Format) ist sehr unkompliziert am Gerät selbst durchführbar. Überhaupt ist die Verwaltung und Bearbeitung der OVIs sehr gut gelungen.
    Als Extra muss noch die Option "Hilfe!" genannt werden, bei der TT nach Entfernung gestaffelt in Notsituationen Telefonnummern zu Notdiensten, rasche Wege zu Krankenhäusern, Werkstatten, ect. und bebilderte Anleitungen zur Ersten Hilfe und Reparatur anbietet. Ein innovatives Feature, das Lob verdient!


    Vorteil TomTom: Nicht nur, dass man die POIs/OVIs in jeder Zoomstufe sieht und direkt am Gerät ohne Anschluss an den PC bearbeiten kann, bietet der TT zudem mit MapShare ein mächtiges Werkzeug, um seine Änderungen/Korrekturen mit der Community zu teilen. Bearbeiten kann man die POIs beim Nüvi zwar auch, das aber weit aufwändiger.