Zeit: 15.10.2005 15:00 bis 20:15
Strecke: A2 zwischen Brandenburg und Wollin
A2 vor Bielefeld Zentrum
Herbstliches Hochdruckwetter, 17°
Schon beim Einrichten von Navigon|5.1 vor der Abfahrt gab der Rundfunk im Zuge der 15 Uhrnachrichten bekannt, vor Wollin brenne ein Fahrzeug, man solle langsam an der Brandstelle vorbeifahren.
Gleich darauf stellte Ursel die frisch berechnete Fahrtroute zur Diskussion: Vor Wollin brennt ein Fahrzeug, Autobahn gesperrt, letzte Abfahrt Brandenburg, 18 km Stau.
Interessant der Unterschied in der Aktualität zwischen Rundfunk und TMC, nicht wahr?
Wir diskutierten, was wir tun sollten. Ursel bekam den Auftrag, uns umzuleiten. Aber wir sahen natürlich, worauf das hinauslief. Sie würde versuchen, uns bei Brandenburg abzuleiten. Die Abfahrt lag im Stau. Die Umleitung würde notgedrungen durch Brandenburg führen. Dort wären dann drei Spuren Autobahn-Wochenendverkehr auf einer Stadtspur, ständig von Ampeln unterbrochen.
Die Vorstellung, gleich am Anfang einer langen Reise derart festzustecken, machte uns Mut für eine radikale Lösung. Wir würden statt der A2 die A9 nach München fahren, diese bei Niemegk verlassen und über Landstraßen durch Belzig schließlich Wollin erreichen.
Länge Navigon-Umleitung 12 km, unsere Privatumleitung 27 km relativ zur störungsfreien Autobahndurchfahrt.
So starteten wir entspannt, weil wir wussten was wir tun würden. Bis zur Abfahrt nach München hörten wir aufmerksam Rundfunk, ob der Brand vielleicht schon gelöscht wäre. Dann gingen wir entschlossen auf eine wenig befahrene A9, hatten nach einigen Minuten unsere Abfahrt Niemegk erreicht.
Durch die Ausläufer des Fläming auf menschenleeren Straßen führte uns der Weg nach Belzig und dann nach Wollin. Das war wie ein schöner Ausflug.
Vor Wollin gerieten wir dann noch in das Elend der Umgeleiteten. Ein langer Kilometer zwischen gestressten Fahrern, dann hatten wir die A2 wieder erreicht, zeitlich 24 Minuten hinter dem ursprünglichen Plan.
Bald hinter Hannover eine andere Situation. Vor Bielefeld Zentrum Baustelle 2 km Stau. Umleiten? Nein, diesmal nicht. Es war uns klar, dass wir nun aufmerksam im Rundfunk die Tendenz verfolgen mussten. Nimmt der Stau zu?
Bis zur letzen möglichen Ausfahrt wurden weiterhin 2 km gemeldet, also: auf in den Stau. Und dann kam noch Glück hinzu. Wir fanden eine Reduzierung von 3 auf 2 Spuren, die sich fließend abwickelte. Kein Stau.
Hätte aber sein können.
Der fast volle Mond half uns dann ans Ziel. Mit reichlich Mondlicht kann man auf der Autobahn nachts immer noch ein gutes Tempo fahren.
Beide Situationen sind exemplarisch für den Umgang mit TMC. TMC ist kein Autopilot, der den Fahrer ohne eigenes Zutun auch um die schlimmsten Staus herumleitet. Das suggeriert uns nur die Werbung. TMC ist eine wertvolle Hilfe zur Bewältigung von Stausituationen.
Dazu muß man wissen, wo die Grenzen von TMC liegen und wie man das ausgleicht. Bei uns läuft stumm geschaltet ständig DLF im Autoradio mit. Das sagt uns, was TMC wissen müsste. Wenn zu einer Rundfunkmeldung keine Empfehlung von TMC kommt, dann ist möglicherweise etwas faul, und wir müssen selbst tätig werden. Nicht selten ist es umgekehrt: Ursel warnt uns vor Staus, die den Rundfunk noch nicht erreicht haben.
Und dann sollte mindestens der kleine Aral greifbar bleiben. Solange Navigon uns noch keine Ansicht der beabsichtigten Umleitung liefert, kontrollieren wir die Umleitungen per Atlas. So kommen wir schnell dahinter, wenn sie uns wegen eines Navigationsfehlers zu früh auf die Autobahn zurückleiten will. Aber auch sonst: es ist für das Befinden wichtig, dass man immer weiß, wo man ist.
Mit diesen Kontrollmöglichkeiten ausgerüstet weiß man dann auch, wann man komplett etwas anderes machen muß, als vorgeschlagen wird.
Das kommt häufiger vor, als man denken sollte. Bei starkem Andrang sollte man eben nicht der Uxx folgen, die dann alle nehmen. Wenn alle nach Verlassen der Autobahn rechts fahren einfach mutig links abbiegen und dem Mainstream entfliehen. Dann kann man sich auf Ursel verlassen, sie hilft einem mit einem Sonderweg weiter. Aber besser auch jetzt im Atlas kontrollieren, ob sie einen nicht wieder in die Zockeltrabkolonne einreiht.
Und ein Wort noch zum Beifahrer, der für diese Empfehlungen nötig ist. Glücklich, wer so ein Exemplar neben sich weiß. Die blonde Ersatznavigatorin ist dann nämlich nicht Ersatz sondern Hauptperson. Sie wird zur zentralen Instanz bei der Navigation. Sie hat die Kontrolle über Ursel und die Fahrt.
Sage bitte keiner, Frauen könnten das nicht. Jeder lernt mit dem Atlas umzugehen, wenn man ihn ungestört üben lässt, und die Rivalität mit Ursel weckt sportliche Instinkte. Es von Fall zu Fall besser zu machen als diese Alleswisserin, bringt nämlich Spaß.
Gruß
artur