Die neuesten Änderungen in AFTrack möchte ich einmal zum Anlass nehmen, meine Navigationsprogramme in Bezug auf Eignung für die See-Navigation zu vergleichen.
Die Programme sind:
FugawiPPC Version 1.6 (von Fugawi 3), OziCE Beta Version 1.12.3e, Pocket Navigator Version 4.0.1 und AFTrack Version 1.1 vom März 2007.
Wenn sich in der Funktionalität der Programme etwas Wesentliches geändert haben sollte, würde ich mich über einen Hinweis freuen.
Als Hardware benutze ich für AFTrack das Nokia 5500 plus Holux 236. Für die anderen Programme benutze ich den IPAQ 2210 und ein Garmin12. Durch den seriellen Anschluss mit 4800 Baud des Garmin ist die Kompatibilität zu einigen Zusatzgeräten gegeben. Das Garmin12 ist zudem, nach meiner Erfahrung, betriebssicherer als die BT-Maus. Der bessere Empfang der BT-Maus ist auf dem Wasser unerheblich. Da der Garmin im Gegensatz zur BT-Maus wasserfest ist, wird er im Außenbereich betrieben, was die schlechtere Empfangsqualität ausgleicht.
Der Vergleich der 4 Programme erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Ich habe nur die Dinge getestet, die aus meiner Sicht für die See-Navigation wichtig sind!
Folgende Randbedingungen setze ich für den Vergleich an:
Navigation in einem kleineren Boot (6-8 Meter Segelboot). Eigner von größeren Booten haben in der Regel mehr Platz und mehr Geld für eine (etwas) bessere, feste Navigationsanlage. Mit einem Segelboot (Kielboot) der 6-8 Meter-Klasse kann die westliche Ostsee in der Regel auch dann noch befahren werden, wenn es ungemütlicher wird. Mit noch kleineren gedeckten Booten sollte man nur bei schönem Wetter Touren auf der Ostsee unternehmen. Die Navigation ist dabei weniger kritisch.
Als Wetterbedingung für den Vergleich setze ich deshalb 5-6 Windstärken und 1,5m Welle an. Diese Bedingungen kommen durchaus häufig vor und sind normalerweise kein Grund, im Hafen zu bleiben.
Bessere Bedingungen anzusetzen wäre irrelevant. Am Schreibtisch oder bei spiegelglattem Wasser zu navigieren bringt wichtige Unterschiede nicht deutlich zu tage.
Die oben genannten Wetterbedingungen bedeuten:
Starke Bootsbewegungen über einen längeren Zeitraum. Wenn eine längere Tour unternommen wird, sollte man immer davon ausgehen, dass der Navigator nicht sehr lange unter Deck bleiben möchte, um seinen Job zu machen. (Auch wenn er vorher gesagt hat, dass er absolut seefest ist!) Die Navigation muss daher einfach, sicher und trotzdem schnell funktionieren.
Alle vorgestellten Programme basieren auf Rasterkarten.
Hierzu möchte ich noch eine Bemerkung machen.
-Rasterkartensätze sind normalerweise relativ günstig und damit passend zu der ebenfalls günstigen Navi-Anlage mit PPC.
-Bei der See-Navigation ist es quasi Pflicht, Papierkarten mit zuführen. Da elektr. Rasterkartensätze häufig zusammen mit Papierkarten verkauft werden (z.B. vom NV-Verlag für die Ostsee). spart man sich den zusätzlichen Kauf von Papierkarten. Bei sämtlichen Vektor-Kartensätzen ist der zusätzliche Kauf von Papierkarten obligatorisch und muss zum Gesamtpreis hinzu gezählt werden.
-Da man den Kartenausschnitt auf dem PPC-Display exakt auf der Papierkarte wiederfindet, ergeben sich weitere Vorteile (vor allem für den Gelegenheitsnavigator).
-Man hat jederzeit eine Übersichtskarte vor Augen, ohne zu Zoomen. Vektorkarten ändern ihre Ansicht je nach Zoomfaktor und Einstellung zum Teil wesentlich und haben in keiner Einstellung eine exakte optische Übereinstimmung mit irgendeinem Papierkartenbild. Das kann unter schlechten Bedingungen leicht zu Fehlinterpretationen führen.
Grundsätzliches:
-Ablesbarkeit-
Durch die kleinen Displays ist es bei der See-Navigation besonders wichtig, dass die Ablesbarkeit gut ist. Überladene Kleinstdisplays zeigen vielleicht, was der Programmierer alles kann, sind aber bei schlechten Bedingungen nicht sehr brauchbar. Bei der geringen Displaygröße ist es vorteilhafter, die Informationen auf mehrere Fenster, die natürlich leicht zu wechseln sein müssen, aufzuteilen. Bis auf AFTrack scheinen die restlichen Programme tendenziell eher das ursprüngliche und ähnliche PC-Programm kopieren zu wollen. Gerade bei OziCE scheint mir, dass weniger mehr sein könnte.
AFTrack teilt die benötigten Informationen schon besser auf mehrere Fenster auf. Obwohl AFTrack für noch kleinere Displays ausgelegt ist, als die anderen Programme (das Display vom Nokia 5500 hat nur ca. ein Viertel der PPC-Displayfläche), kann man sich wichtige Navigationsdaten in einem Extrafenster so groß anzeigen lassen, dass diese auch noch in einiger Entfernung, durch ein Aquapac hindurch, zu lesen sind.
-Bedienung-
Für die Bedienung gilt ähnliches. OziCE hat viele kleine Icons auf dem Display, die man bei starker Bootsbewegung mit einem Stift erst mal treffen muss. Auch für die anderen beiden PPC-Programme gilt ähnliches. Grundsätzlich halte ich eine Stiftbedienung mit ein paar Quadratmillimetern Trefferfläche auf See für Unsinn. Wichtige Funktionen sollten auf die paar vorhandenen Tasten des PPC gelegt werden. Das dies geht, zeigt jeder einfache Hand-GPS,der auch nicht gerade über viele Tasten verfügt.
OziCE hat eigentlich die besten Voraussetzungen für ein gutes See-Navi-Programm. Ich benutze es trotzdem normalerweise nicht mehr, weil viele Dinge unnötig kompliziert sind. Wegepunktdateien müssen in der Regel nach dem Programmstart extra geladen werden und wehe wenn das entsprechende Verzeichnis nicht richtig eingegeben wurde. Das gleiche gilt für Maps. Die anderen Programme haben normalerweise feste Standardverzeichnisse für ihre Daten. Das ist zwar nicht so flexibel, aber dafür sicher.
Navigations-Grundfunktionen:
Vereinfacht gesagt verstehe ich da drunter alle Funktionen, die auch ein einfaches Hand-GPS ohne Karte zur Verfügung stellt. Das ein aktuelles Navigationsprogramm alles das können muss, was ein 10 Jahre altes Hand-GPS kann, würde ich als Selbstverständlichkeit ansehen.
Leider sieht es hier zum Teil zappenduster aus.
Position, KüG und FüG können sie alle.
Für die Werte nachdem man GOTO zu einem Wegepunkt gedrückt hat, sieht es schon ganz anders aus:
schlechtestes Beispiel, PocketNavigator: GOTO gibt es überhaupt nicht!
Bei Fugawi bekomme ich es zwar unter bestimmten Vorbedingungen hin, dass GOTO nicht grau dargestellt wird und damit angewählt werden kann. Nach der Auswahl eines Wegepunktes mit anschließendem GOTO passiert aber nichts, was ich sehen kann. Vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit. Trotzdem bliebe die Bedienung für die Randbedingungen zu kompliziert.
- OziCE reagiert nach dem Drücken von GOTO mit sofortiger Anzeige der Peilung und der Distanz (leider nicht in ganz groß mit eigenem Fenster, da dies sehr wichtige Werte sein können. Dies kann wiederum das Handyprogramm AFTrack).
Keines der Programme kann aber das, was fast jeder kleine Hand-GPS kann:
Eine Autobahndarstellung!
Eine Autobahndarstellung ist die einzige Darstellung, bei der es möglich ist, einem Wunschkurs sehr exakt zu folgen. Dies wird durch eine mögliche Spreizung auf z.B. +/- 50m über die gesamte Displaybreite erreicht. Zusätzlich kann der Steuermann diesen Kurs direkt und selbstständig fahren, ohne sich irgendwelche Zahlenwerte merken zu müssen.
Bei den 3 PPC-Programmen kann man nur etwas ähnliches und dann auch nur kompliziert erreichen, in dem man seine momentane Position als Wegepunkt speichert und dann eine Routenlinie zum Zielwegepunkt darstellen lässt. Eine Spreizung von +/- 50 m auf der Karte kann man damit trotzdem nicht sinnvoll darstellen.
Diese Funktion ist im See-Bereich außerordentlich wichtig, da man mit ihr z.B. sofort und sehr deutlich einen Versatz (z.B. durch Strom) feststellen kann. Für die Landnavigation braucht man diese Funktion, trotz des Namens, normalerweise nicht.
AFTrack wurde in dieser Beziehung jetzt seetauglicher gemacht:
Nach einem GOTO läuft alles so ähnlich ab, wie bei einem Hand-GPS. Der aktuelle Standort wird beim GOTO automatisch temporär abgespeichert. Anhand einer virtuellen Linie zwischen den beiden Punkten wird der seitliche Versatz (XTE=CrossTrackError) in einer Extraanzeige deutlich (links oder rechts) dargestellt. Die Peillinie in der Kartendarstellung (die auch OziCE bietet) bleibt davon unberührt.
Dies ist zwar noch keine Autobahndarstellung (=grafische Darstellung des XTE), aber auch diese zahlenmäßige Anzeige des XTE ist eine gute Hilfe.
AFTrack kann auch, wie viele Hand-GPS, eine Wegpunkt aus Distanz und Peilung vom Standort erzeugen. Auch von den GeoCacher habe ich schon Klagen gelesen, dass keines der PPC-Programme dies kann.
Viele weitere Werte, die aus den Grundwerten berechnet werden können, werden ebenfalls von keinem der Navi-Programme angezeigt( z.B.: VMG, ETA usw), obwohl dies programmtechnisch keine große Tat wäre.
Kartendarstellung:
Die wichtigste Anforderung wäre: Ein Navi-Programm muss aktuelle Seekarten anzeigen können!
Hier muss AFTrack (noch) passen. Mit AFTrack können bisher nur BSB3-Karten angezeigt werden. Alle PPC-Programme können auch die aktuellen BSB4-Karten anzeigen.
Für die See-Navigation ist auch eine gute Kartenverwaltung mit einer eventuellen Automatik wichtig, da die Kartensätze durch die große Anzahl von Karten sehr unübersichtlich sind.
PocketNavigator und OziCE sind hier die Spitzenreiter, da man sehr einfach und ohne große Fehlermöglichkeit die Karten für seinen Standort wechseln kann. (Kartenwechsel bei OziCE sogar durch Tasten!)
In AFTrack ist jetzt eine neue Automatikfunktion hinzugekommen, die die Kartenauswahl etwas erleichtert.
Schlußlicht ist hier eindeutig Fugawi. Hier habe ich mich schon tot gesucht. Im Zweifel gibt es nur die Möglichkeit die aktuelle Karte zu schließen und danach, bei eingestellter GPS-Zentrierung, auf Karte öffnen zu drücken. Dann kommt die passende Karte im größten Maßstab.
Man muss noch einmal betonen, dass die Kartenverwaltung sehr wichtig ist.
Pointer:
In der See-Navigation ist ein vernünftiger Pointer mit möglichst langem Strich in Vorausrichtung sinnvoll, da hiermit der künftige KüG gut abgeschätzt werden kann.
Wenn ein Programm hier nur fipsige, kleine Pfeile oder Schiffsicons zur Verfügung stellt, kann damit unter Umständen ein Design-Preis gewonnen werden. Zur Navigation ist so etwas nicht sonderlich geeignet.
Spitzenreiter ist hier eindeutig PocketNavigator.
Einen geschwindigkeitsabhängigen Vektor in Richtung KüG bietet kein anderes Programm!
Danach kommt OziCE. Hier kann man sich z.B. den Plane-Pointer mit dem langen Vorausstrich aussuchen. Wer es noch besser möchte und Segler ist, sollte zum Pointer von SegelOzi greifen. Der ist sogar mit einstellbaren Querab-Strichen ausgestattet und daher gut zum Abschätzen des Wendezeitpunktes zu gebrauchen.
Fugawi und AFTrack gehören leider zur Fraktion der Pfeildarsteller.
Eine wichtige Funktion ist die Trackdarstellung auf der Karte. Zumindest die letzte Stunde sollte man sich grundsätzlich anzeigen lassen. Aus dem aufgezeichneten Kurs kann man viele Dinge erkennen (unter Umständen z.B. Strom und wahre Windrichtung). Diese Funktion wird von allen Programmen beherrscht.
Ich persönlich finde es auch noch wichtig, dass ich Daten zwischen PPC und Garmin direkt austauschen kann (Wegpunkte sind hier für mich am wichtigsten). Somit habe ich auf zwei unabhängigen Geräten die gleichen Wegpunkte, was ein Sicherheitsgewinn ist und mir z.B. die Autobahndarstellung für den Steuermann ermöglicht (auf dem Garmin). Außer mit OziCE funktioniert dies mit allen PPC-Programmen.
Fazit:
Für mich ist der PocketNavigator das beste See-Navigationsprogramm, was die Kartenarbeit betrifft. Es ist zusätzlich sehr abgespeckt und einfach zu bedienen. Sehr negativ an dem Programm ist, dass es nicht einmal GOTO und dessen Folgewerte beherrscht. Hier hat man wohl zu sehr abgespeckt!
Fugawi hatte ich zu Anfang. Das Programm benutze ich eigentlich nur noch zu Testzwecken oder auf dem PC, da es auch auf dem PC nicht so kompliziert wie Ozi ist.
OziCE habe ich mir nur wegen AIS2OZI gekauft. Das Programm setze ich höchstens noch für Landnavigation ein. Für See-Navigation ist es zu umfangreich und damit fehlerträchtig.
AFTrack ist eindeutig das beste See-Navigationsprogramm, wenn man von der Kartendarstellung absieht. Es gibt wichtige Navigationsdaten, die kein anderes Programm bietet. Alle wichtigen Navigationsdaten können auch noch in extra Fenstern deutlich dargestellt werden. AFTrack kann ich meistens sogar mit einer Hand ohne die seeuntaugliche Stifteingabe bedienen.
Wenn es jetzt noch die Möglichkeit gäbe BSB4 zu lesen und zusätzlich ein brauchbarer Pointer vorhanden wäre, würde es bei mir alle anderen Programme ablösen. Bei der Landnavigation ist dies schon geschehen!
Wunschliste:
Keines der 4 Programme könnte ich uneingeschränkt empfehlen. An ein PPC-Programm, dass für die See-Navigation geeignet ist, hätte ich daher folgende Wünsche:
Die Hersteller dieser Programme sollten sich an dem PPC-Display und an den PPC-Eingabemöglichkeiten orientieren und nicht versuchen ein PC-Programm möglichst 1 zu 1 auf einen PPC zu portieren.
Beides, Tastenanzahl und Displaygröße, sind beim PPC ähnlich wie bei einem Hand-GPS. Warum orientiert man sich nicht einfach an den Dingen, die es schon lange gibt und die sich auch unter schlechten Bedingungen bewährt haben?
-Es müssen mehrere unterschiedliche Fenster vorhanden sein.
-Die Bedienung während der Navigation muss möglichst nur mit Tasten zu erledigen sein.
-Das Programm darf nicht überladen sein.
-Der PPC mit dem Programm plus GPS muss ein einfaches Hand-GPS von den Funktionen her komplett ersetzen können.
-Alle Kartenformate für Rasterkarten müssen gelesen werden können.
-Pointer müssen mindestens eine lange Vorauslinie haben.
-problemloser Datenaustausch zwischen PPC, marktgängigen GPS und PC muss möglich sein.
Wenn jetzt noch eine integrierte Möglichkeit vorhanden wäre, AIS darzustellen, hätten wir ein wirklich gutes Navi-Programm.
Tritonnavi