Beim Geocaching werden an den GPS-Receiver einige besondere Anforderungen gestellt, die ich am Beispiel der "Wintec WBT300" hier erläutert habe: http://forum.pocketnavigation.de/tid1064703-sid.htm
Die dort getestete WBT300 (Antaris-Chip) überzeugte bei den üblichen Anwendungen (Autofahren usw.) als Allround-Empfänger mit sehr guten Leistungen, bei schlechten Empfangsbedingungen konnte sie jedoch im Vergleich zu meiner "SysOnChip Smart Blue mini" (Sirf III) nicht mithalten. Gerade solche Situationen kommen jedoch beim Geocaching häufiger vor.
Da meine Syson seit einem Garantie-Austausch jedoch beim Geocaching andere Probleme aufwirft (siehe obiger Bericht), stellte sich mir die Frage, ob dies an meiner Syson oder generell am Sirf-III-Chip liegt. Um zu prüfen, wie sich beim Geocaching ein aktueller Receiver eines anderen Herstellers verhält, fiel meine Wahl auf die "RoyalTek RBT-2110". In einer älteren Sirf-III-Generation ist diese als "RBT 2001" (bauartähnlich, nur kleinerer Akku) schon im Nov. 2005 von "peterpu" ausführlich hier getestet worden.
Für den Test der RBT-2110 wurde mir freundlicherweise von TSGPS ein Exemplar zur Verfügung gestellt, vielen Dank dafür. Ich hatte darum gebeten, eine etwa vorhandene Static Navigation zu deaktivieren, da ich an ein Leihgerät nicht mit SirfDemo herangehen will. Die Maus ließ sich problemlos über Bluetooth koppeln und wurde dann zum sammeln aller erforderlichen Satellitendaten zunächst eine halbe Stunde lang unter freiem Himmel betrieben. Anschließend wurde als Eingangstest mittels VisualGPS ein Ruhelog über knapp 20 min aufgezeichnet. Die daraus resultierenden Ergebnisse sind im untenstehenden Bild "Ruhelog_freier_Himmel" dargestellt. Dieses Bild und einige weiter unten erläuterte sind auch im beigefügten "Anhang.rar" enthalten.
Aus dem NMEA-Log wurde mittels Excel die im Bild oben dargestellte Koordinatenverteilung ermittelt (hier sind nur die Nachkommastellen der Minutenwerte aufgetragen). Die Koordinatenpaare bilden eine Punktewolke mit üblicher Drift, Static Navigation ist nicht aktiviert. Die Nordwerte streuen innerhalb eines Bereichs von insgesamt etwa 6 m, in Ostrichtung sind es nur ca. 2 m. Dieses Ergebnis wäre beim Geocaching zur Positionsbestimmung mittels Averaging sehr gut geeignet. Wie man in der unteren Bildreihe an der Sat-Verteilung, den Signalstärken und der Statistik sieht, haben hier allerdings auch gute Empfangsbedingungen vorgelegen. Dies ist beim Geocaching aber häufig nicht der Fall.
Im hier nicht beigefügten NMEA-Log fiel noch eine bereits für meine Syson festgestellte Eigenart auf, nämlich regelmäßige Einfriereffekte der Koordinaten (mal Nord, mal Ost). Einer der beiden Koordinatenwerte bleibt z.B. über teils mehr als 20 sec! lang konstant, während der andere sich in dieser Zeit gelegentlich ändert. Als Folge ergibt das in diesem Teilbereich der Koordinatenverteilung entweder eine rein vertikale oder eine rein horizontale Punktefolge. Hier liegt also eine Art "Mini-SN" vor. Denn man darf nicht vergessen, dass bei dem hier in der Abbildung vorliegenden Maßstab (Nachkommastellen) die vierte Stelle in Nordrichtung etwa 18 cm und in Ostrichtung gar nur ca. 12 cm ausmacht. Bei dem starken Rauschen, von dem das schwache Satellitensignal überlagert ist, sollte man von einem Messpunkt zum nächsten gewisse kleinere Variationen erwarten dürfen, so wie dies bei den früheren Sirf-Empfängern der Fall war. Dass dies hier nicht auftritt, ist für mich ein deutlicher Hinweis auf "Koordinatenkosmetik", indem die eigentlich natürlichen Signal-Fluktuationen schöngerechnet und unterdrückt werden. Dieses Verhalten, welches schon für mehrere aktuelle Sirf-III-Receiver aufgefallen ist, mag für Standardanwendungen durchaus von Vorteil sein, für Geocaching kann es jedoch zu den bereits im Wintec-Posting erläuterten Nachteilen führen.
Um einen Eindruck über das Verhalten der Royaltek RBT-2110 unter ungünstigen Bedingungen zu erlangen, wurde sie zum Erzwingen einer schlechten Empfangssituation in einem nach Norden gelegenen Zimmer auf die Innenfensterbank gelegt. Hierzu wurde sie gemeinsam mit meiner zum Vergleich mitlaufenden Syson zunächst eine halbe Stunde lang ruhend unter freiem Himmel betrieben, um optimal alle erforderlichen Sat-Daten sammeln zu können. Anschließend wurden beide Receiver unverzüglich und ohne auszuschalten (also mit noch bestehendem Fix) auf die Nordfensterbank gebracht, wo parallel für jeden ein Log über etwa 15 min aufgezeichnet wurde. Dabei hing die Royaltek an einem iPAQ 2210, während das Log für die Syson via Bluetooth mit einem Nokia-Handy aufgezeichnet wurde. Für die Royaltek wurden direkt am iPAQ einige Screenshots aufgenommen, während diese für die Syson nachträglich mittels u-Center aus dem NMEA-Log des Nokias generiert wurden.
Auf dem im Anhang befindlichen Bild "Ruhelog_Fensterbank" sind diese Screenshots zu sehen, und zwar für die Royaltek in der oberen und für die Syson in der unteren Reihe (oben und unten jeweils zu etwa gleichen Zeitpunkten). Zunächst ist im linken Bild die Satellitenverteilung zu Beginn der Messreihe zu sehen. Es sind einige Satelliten in Nordrichtung zu erkennen, also eine zwar ungünstige, aber beim Geocaching im Wald durchaus gängige Situation, wenn nämlich gerade nur in irgendeiner Richtung eine Lücke zwischen den Bäumen Empfang zulässt. Die Royaltek hatte anfangs mal ganz kurz einen Fix, den sie aber sofort wieder verlor, wie das daneben befindliche Bild ihrer Signalstärke zeigt (Sats in View, aber keiner in Use). Am Ende der Messung ist die Satellitenanordnung praktisch unverändert (3. Bild), aber das Signalbild der Royaltek hat sich verschlechtert (4. Bild). Im Vergleich dazu zeigen in der unteren Reihe die Bilder der Syson ein wesentlich besseres Empfangsverhalten, indem hier ein Fix erzielt wurde.
Was bereits an diesen Bildern zu erkennen ist, zeigte dann die weitere Auswertung der Logs (u.a. auch mit GPSLog von "karomue") auch quantitativ, dass nämlich die Royaltek RBT-2110 unter diesen Bedingungen überhaupt keinen Fix erzielen konnte, während die Syson in 67,3% der Fälle einen 3D-Fix und zu 24,7% immer noch einen 2D-Fix hatte. Hier liegt also ein deutliches Plus der Syson, welche ja in diesem Punkt beim gleichen Test auch schon der Wintec WBT300 überlegen war. Möglicherweise sind bei der Syson herstellerseitig einige Parameter anders eingestellt, was hier von Vorteil sein mag. Andererseits hat sie aber auch die bereits beschriebenen Nachteile beim Geocaching. Deshalb habe ich auch diese Ruhelog-Beispiele ausführlicher beschrieben, weil sie gewissen Verhältnissen beim Geocaching sehr nahe kommen: eben der langsamen schrittweisen Annäherung an ein Ziel und der Ermittlung einer festen Position.
Nun zum praktischen Einsatz: bei den üblichen Standardanwendungen wie Autofahren, Radfahren usw. verhielt sich die RBT-2110 untadelig, also etwa so, wie "peterpu" es bereits in seinem oben zitierten älteren Test beschrieben hat. Die aufgezeichneten Tracks deckten sich gut und ohne Ausreißer mit den Straßen und Wegen auf der Karte (Vektorkarten von MS-Autoroute oder Rasterkarte TOP10-NRW. Als Beispiel ist in der Abbildung "Waldwanderung" der Track einer etwa 7 km langen Geocaching-Tour zu sehen, bei der allerdings im lichten Frühlingswald durchweg auch recht guter Empfang herrschte. Dort, wo der Track nicht genau auf den Wegen liegt, bin ich tatsächlich infolge der durch "Kyrill" verursachten Schäden vom Wege abgewichen.
Interessant wurde es dann bei der schrittweisen Annäherung an einen vorgegebenen Zielpunkt. Das ist die Situation, in der mich die Syson insbesondere bei schlechtem Empfang meist munter hin- und herschickt. Das kam auch bei der Royaltek vor, wenngleich weniger häufig. Ein Beispiel hierfür zeigt der für OziExplorer bei sehr starker Vergrößerung aufgenommene Screenshot "Annäherung". Die von oben kommende rote Linie zeigt den zurückgelegten Weg und der dicke rote Pfeil die momentane Bewegungsrichtung. Man erkennt, dass mich die Maus ganz nahe am gelben Zielpunkt "1" vorbeigeführt hat. Erst im Moment des Screenshots hatte sich die Royaltek dann besonnen und wies mich nun mit der pinkfarbenen Linie wieder um 24 m zurück zum Zielpunkt. So bestätigt sich auch mit diesem neueren Royaltek-Exemplar ein Zitat aus dem früheren "peterpu"-Test:
"... bei diesen langsamen Geschwindigkeiten scheint der Sirf III Chip ein gewisses Eigenleben zu entwickeln. ... Lediglich der Geocacher kann in Situationen kommen, wo er mit einem Standard-Empfänger eine genauere Position bekommt."
Solch irreführendes Verhalten kam aber insgesamt seltener vor als bei meiner Syson, und unter Einbeziehung aller mit ihr gewonnenen Eindrücke sehe ich die RBT-2110 zum Geocaching als durchaus brauchbar an. Leider hatte sich während der Testzeit keine Möglichkeit ergeben, diese Maus mal mit einem "Garmin 60CSx" (Sirf III) zu vergleichen, den ich bei anderen Geocachern schon mehrmals als sehr positiv erlebt hatte und der zum Geocaching derzeit eine Art Referenz sein könnte.
Mein Fazit: den normalen Alltagsanwendungen hat sich die Royaltek RBT-2110 jederzeit gewachsen gezeigt, eben ganz so, wie "peterpu" es in seinem test beschrieben hat und wie es beim heutigen Stand von einem aktuellen Sirf-III-Receiver zu erwarten ist. Beim Geocaching zeigte sie bei der Annäherung an einen Zielpunkt gelegentliche Schwächen, die nach meinen bisherigen Eindrücken mit mehreren Receivern Sirf-III-typisch zu sein scheinen. Gut möglich, dass sich bei sorgfältiger Anpassung einiger Parameter des Sirf-Chips noch Verbesserungen erzielen lassen, Versuche in dieser Richtung laufen jedenfalls (siehe o.a. Wintec-Thread) und lassen den Geocacher hoffen. Solches Anpassen kann allerdings mittels Sirfdemo eine heikle Angelegenheit sein, und daher wäre dringend ein Software-Tool für Sirf-III zu wünschen, welches ähnliche Möglichkeiten bietet wie u-Center für den Antaris-Chip.
Viele Grüße,
WOM