Von Köln nach Schweden und zurück
Jetzt ist Schluss mit lustig! Am Heimatort herumzufahren oder mal nach Rheinhausen oder Krefeld, kann die Neugierde, wie der Nüvi große Strecken in fremden Ländern bewältigt, nicht befriedigen. Da kommt der Urlaub gerade Recht. Nach Westerland auf Sylt soll es gehen, nach einer Woche dort ist nach einer eintägigen Zwischenstation im Hotel Ascot in Kopenhagen/Dänemark das Örtchen Grannäs in Mittelschweden das Ziel, wo wir für eine weitere Woche ein Ferienhaus gemietet haben. Meine Konfiguration: Nüvi 350, Firmware 3.8, GPS SW 2.7, Saugnapfhalterung.
Achtung: Der Reisebericht ist ziemlich umfangreich geraten! Man sollte sich eine Viertelstunde Zeit dafür nehmen.
1. Etappe: Sylt
Zunächst die Planung. Schon hier ein überraschendes Ergebnis! Nach einem Tipp von Replay habe ich die "Kürzere Strecke" und "Kürzere Zeit" einmal im Auto/Motorrad- und einmal im LKW-Modus berechnen lassen. Zwei Strecken beziehen den Autozug nach Sylt mit ein, den meine Frau und ich auch nehmen wollen, die anderen beiden führen nach Dänemark hinein und nehmen die 175 zur Insel Rømø und die Fähre von Havneby nach Sylt, die ich bei "Umgehungen" eigentlich ausgeschlossen habe. Gut, dass man das vorher checken kann (und sollte).
Auto:
Kürzere Strecke 640,8 km / 7:03 Std. (Autozug)
Kürzere Zeit 690,7 km / 6:40 Std. (Rømø & Fähre)
LKW:
Kürzere Strecke 644,5 km / 6:48 Std. (Autozug)
Kürzere Zeit 708,4 km / 6:50 Std. (Rømø & Fähre, und nicht mal kürzer!)
Umgehungen aktiviert:
Unbefestigte Straßen / Ferries
Ergo: Ich nehme die kürzere Strecke mit der LKW-Einstellung, die bei nur 3 km mehr einen Zeitgewinn von einer Viertelstunde gegenüber dem PKW verspricht.
Es geht los. Die Strecke ist in ca. 15 Sek. geplant, der Empfang liegt bei durchschnittlich 5-6 m Genauigkeit. Die Ansagen sind eindeutig und kommen rechtzeitig, auch bei Autobahnauffahren. Bis Sylt auch keine Meldung "Es gibt eine bessere Strecke" glaube ich, denn ich habe in den Ansagen auf "Nur Wegführung" gestellt, sodass die bessere Route lediglich optisch angezeigt wird. Als Beifahrer kann ich das Gerät aber gut im Auge behalten, so entgeht mir eigentlich wenig.
Wichtigstes Kriterium: Kein Absturz (bis zum Elbtunnel, s.u.)! Obwohl ich oft hin und her schalte, die Route sichte oder mir die Fahrdaten anschaue, läuft der Nüvi absolut stabil. Bei Pausen lasse ich ihn auf Batteriebetrieb weiterlaufen, um die Gesamtzeit der Reise nicht zu verfälschen.
Dann die erste (und einzige) Irritation: Nach der Einfahrt in den Elbtunnel bei Hamburg rechnet der Nüvi erst ca. 2 km fröhlich weiter und zeigt den Pfeil in korrekter Bewegung, dann kommt die Meldung "Satellitenempfang verloren" (oder so ähnlich). Der OK-Button lässt sich nicht anklicken, die Anzeige ist eingefroren. Auch nach der Ausfahrt aus dem 3,5 km langen Tunnel keine Änderung. Ich muss mir mit einem Reset behelfen (der auszuführen ist, ohne das Gerät von der Halterung zu nehmen, wenn man die Antenne ganz hochklappt). Danach ist der Empfang sofort wieder da (innerhalb des Bootens), und auch die Strecke wird fortgesetzt, ohne sie neu routen zu müssen!
Mein Vorschlag/Tipp: Wenn die gleichzeitigen Operationen (Weiterberechnen ohne Sat-Empfang, Suchen desselben, Warnmeldung) den Nüvi verwirren, könnte es eventuell helfen, nach der Einfahrt in Tunnels über 2 km Länge das Fahrt-Fenster auf das Hauptmenü umzuschalten, dann spart er sich die Darstellung der Strecke samt Berechnung. Ich werde das auf der Rückfahrt testen und bitte um Tests anderer Nüviisten mit Tunnel-Erfahrung!
Die restliche Fahrt zum Autozug verläuft ohne Komplikationen. Hier müssen wir eine Stunde warten, bis es weitergeht. Auf der Zugfahrt lasse ich den Nüvi weiter mitlaufen. Als wir auf der Insel ankommen, springt die Anzeige von der Bahnstrecke auf die daneben verlaufenden Straßen und will ständig neu routen, weil wir denen natürlich nicht folgen. Witzig, aber kein Kritikpunkt, schließlich verfahren wir uns ja nicht und es ist eh unsinnig, hier den Nüvi einzusetzen. Bei der Ankunft am Bahnhof wird einmal die "Bessere Route" vorgeschlagen, die ich auch bestätige. Ich nehme an, das kam durch die ständigen Neuberechnungen. Da aber nur noch ca. 2 km zum Ferienhaus zu fahren sind, bleibt der Nutzen der neuen Route ungeklärt.
Fazit: Bis auf das Einfrieren im Elbtunnel hat mich der Nüvi perfekt geroutet. Und jetzt kommt's: Wir brauchten für die Strecke abzüglich der Pausen und der Wartezeit auf den Zug genau 6 Stunden und 51 Minuten ganze 3 Minuten mehr als kalkuliert! Und die Kilometer? 642,9 km! Das sind 1,6 km weniger als berechnet und ziemlich genau die Strecke, die der Nüvi im Elbtunnel eingefroren war! Das hat mich dann doch verblüfft, eine so genaue Planung hatte ich nicht erwartet. Und es bringt mir ein von meiner Frau bezahltes Abendessen, die gewettet hatte, wir bräuchten abzüglich Pausen mindestens eine Stunde länger.
Das hätte bei Staus unterwegs sicher anders ausgesehen, aber da hatten wir Glück und kamen wunderbar durch.
Nüvigieren auf Sylt
Wieder einmal beglückwünsche ich mich zu der Entscheidung, ein so kleines und leichtes Navi gekauft zu haben. Es bleibt beim Bummel durch Westerland natürlich "am Körper" (sprich: in der Hosentasche) und wird genutzt, um POIs in die Favoriten aufzunehmen (so finde ich auch bei meiner Null-Orientierung später den nächsten Edeka-Markt wieder) und die Restaurants für das Abendessen zu checken. Außerdem ist der Nüvi ein Stadtplan-Ersatz für die Übersicht des Straßennetzes. Zwar sind nicht alle Supermärkte und Restaurants in den eingebauten POIs enthalten, aber interne und externe POIs (von Pocketnavigation.de) ergänzen sich prima. Der Nutzen des Wörterbuchs hält sich noch in Grenzen, man spricht deutsch auf Sylt. ![]()
Fotos: Einfahrt in den Elbtunnel + Nüvi-Position auf der Mittelkonsole