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Free Software Foundation: Microsoft hatte nie vor, EU-Auflagen zu erfüllen
Konzern verdiene Behandlung "auf die harte Tour"
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Nach Ansicht der Free Software Foundation Europe (FSFE) hatte Microsoft nie wirklich vor, die Auflagen aus dem EU-Wettbewerbsverfahren zu erfüllen. "Nach mehreren Jahren der Untersuchung kommen wir zum Schluss, dass Microsoft niemals beabsichtigte, die Auflagen und Regeln aus dem Kartellrechtsverfahren zu erfüllen", kommentiert Georg Greve, Präsident der FSFE, heute in der hessischen Gemeinde Mühltal. Jahrelang sei man gezwungen gewesen, Verzögerungen, Behinderungen und ein Spiel auf Zeit mit anzusehen, während Microsoft keinerlei Versuch unternommen habe, Interoperabilität und Wettbewerb mit Wettbewerbern zuzulassen, einschließlich Freier Software wie Samba, erklärte Greve, dessen Organisation Beraterstatus bei der EU hat.
Die EU-Kommission bemängelte im Dezember 2005, dass die Auflagen aus dem Wettbewerbsprozess gegen den US-Konzern nicht komplett umgesetzt würden. Insbesondere die Dokumentationen zu Windows-Netzwerkprotokollen seien nicht ausreichend gewesen, hieß es. Die Behörde verurteilte das Unternehmen im Jahr 2004 wegen Wettbewerbsverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 497 Millionen Euro und ordnete die Herausgabe einer Windows-Version ohne integrierten Media Player an.
"Wenn Microsoft tatsächlich über keine vernünftige Spezifikation ihrer Schnittstellen und Dokumentation ihrer beträchtlich komplexen und organisch gewachsenen Systeme hat, wie sie mehrfach behauptet haben, kommt dies einer sehr traurigen Aussage über die Qualität und Verlässlichkeit der Software-Technik bei Microsoft gleich", erklärt Jonas Öberg, Vizepräsident der FSFE. Dass Hunderte von Microsoft-Angestellten und Vertragsfirmen offenbar nicht in der Lage gewesen seien, innerhalb von zwei Jahren die Dokumentation zu erzeugen, untergrabe das Vertrauen in Microsofts technische Leistungsfähigkeit weiter. "Und wenn Microsoft hätte wissen wollen, wie sie den Auflagen hätten folgen können, so hätten sie nur Volker Lendecke, Mitglied des Samba-Teams und technischer Experte, anzurufen brauchen, so wie wir das vorgeschlagen hatten", so Öberg.
Microsoft habe sich benommen, als stünden sie über dem Gesetz und den Entscheidungen der Europäischen Kommission, schlussfolgert Greve. "Microsoft drängt offensichtlich darauf, die erste Firma in der Geschichte der Kartellrechtsgeschichte zu sein, die der Europäischen Kommission keine andere Wahl ließ, als tägliche Strafzahlungen zu erheben." Microsoft verdiene, auf die harte Tour zur Einhaltung der Auflagen gebracht zu werden. (as)
[ Dienstag, 21.02.2006, 12:34 ]