HOLUX GPSlim 236 und HAICOM Hi-305 III beim Wandern

  • Hallo miteinander,


    dies ist der zweite und abschließende Teil der vergleichenden Untersuchung von


    HOLUX GPSlim 236 und HAICOM Hi-305 III


    im ersten Thread zu diesem Thema.


    Inzwischen sind die Unstimmigkeiten in meinem Meßpark behoben.


    Die HOLUX GPSlim 236 ist eine BT-Maus mit SiRF III-Chip. Die Maus ist sowohl über Funk wie auch über Kabel zu verbinden. Eine Besonderheit vieler HOLUX-Mäuse zeichnet sie ebenfalls aus: sie kann im Dualmodus gleichzeitig zwei Empfänger über Funk und Kabel mit ihren Daten versorgen. Für diesen Test habe ich die HOLUX mit SiRFDemo in den EGNOS-Modus versetzt.


    Die HAICOM Hi-305 III ist eine Haicom-typische Klappmaus für den CF-Schacht des PDA. Sie hat keine eigene Stromquelle und bezieht ihre Stromversorgung über den PDA. Sie ist außerdem über Kabel zu verbinden. Und darüber hinaus bietet sie noch die Möglichkeit, über BT, also Funk, mit dem Empfänger zu kommunizieren.


    Als BT-Maus arbeitet die Hi-305 III in einem Slipper genannten Zusatz (Hi-401). Im Slipper verhält sie sich wie eine normale BT-Maus.


    Charlie hat zur Haicom-SiRF III-Familie einen ausführlichen Test veröffentlicht.


    Die Strecke ist wieder meine Hausrunde am Liepnitzsee, 20 km nördlich der Berliner Stadtgrenze. Die Runde führt durch dichten Buchenwald, zu einem kleinen Teil auch Nadelwald. An manchen Stellen ist sie nur ein Pfad durch Buschwerk unter Buchenbestand. Die Strecke bietet für Satellitennavigation schwierige Voraussetzungen. Infolgedessen gelten die Vergleichswerte nur für die Navigation unter problematischen Bedingungen.


    Auf einem Drittel der Strecke überdecken sich Hin- und Rückweg.


    Die HOLUX GPSlim 236 kommunizierte über BT mit einem iPAQ 3970. Sie saß mit Klettband befestigt auf meiner Mütze.


    Die Haicom Hi-305 III steckte im CF-Schacht eines Hx 2750. Um Gleichstand herzustellen, war eine aktive Antenne angeschlossen, die neben der HOLUX ebenfalls auf der Mütze befestigt war.


    So genossen beide Empfänger die gleiche Rundumsicht.


    Diese Anordnung hat Vorteile für den Schutz der Displays in der Kleidung. Es hat sich leider ergeben, dass ungeschützte PDAs in irgendwelchen Taschen durch Druck aufs Display manchmal zu unkontrollierten Aktionen bewegt wurden. Dabei konnte die Aufzeichnung gestört oder gar beendet werden.


    Für den 3970 wurde ein kleiner Tresor aus Kunststoff mit Makrolonscheibe mitgeliefert. Unter BT kann man den PDA dort einschließen. Mit der Haicom würde der 3970 nicht in das Gehäuse passen, weil diese mangels CF-Schachts nur über einen MEMPLUG angeschlossen werden kann.


    Der Hx 2750 hat ein Makrolonvisier, das den CF-Schacht nicht behindert, und das ihn zuverlässig vor Displayauslösungen in der Kleidung schützt.


    Die Verteilung der Empfänger auf die beiden PDAs ist somit ideal. Durch Verzicht auf das MemPlug vermeidet man außerdem eventuelle Probleme, die es mit dem MemPlug hin und wieder gab.


    Streckenlänge ca. 5,8 km.
    Zeit: 02.10.2005, 13:05 + ca. 1 Std.
    Wolken: 100% bedeckt, trocken
    Wald noch nass nach 8 Stunden Regen
    Marschgeschwindigkeit: überwiegend 5 km/Std.
    Aufzeichung: beide LOGs mit Glopus.

  • Die Vergrößerung des letzten Bildes auf einem Teil der Strecke zeigt, was gemeint ist: in ihrer Abbildungspräzision ist die HOLUX fast einzigartig. Bisher habe ich von ihr außer im Stand - nur gerade, ungezackte Pfade gesehen.


    Ich weiß noch nicht, ob die HOLUX wirklich so präzise abbildet oder ob sie einen Algorithmus für die Begradigung nutzt. Da der Track aber stets so genau auf meinen Wegen liegt, ist die Frage müßig.


    Des Weiteren könnte der diesmal eingeschaltete EGNOS-Modus eine Rolle gespielt haben. Der PRN 33 war am SW-Himmel dicht über dem Horizont anwesend. Da sich die Track-Bilder nicht wesentlich vom letzten Test unterschieden, bin ich der Sache aber nicht weiter nachgegangen.


    Abgesehen vom leichten Tanzen um die jeweilige Position ist die HAICOM unter diesen Bedingungen ebenfalls sehr genau. Sie hat ihre Stärken in der unmittelbaren Verbindung mit dem PDA. Die HAICOM wird so mit dem PDA zu einer kompakten Navigationseinheit, und das hat abseits der Straßen manchmal große Vorteile. Je schwieriger das Gelände und das Wetter wurden, umso sympathischer wurde mir die Einheit PDA-HAICOM.

  • Ein kurzer Einschub mit Trackbildern von heute mag zeigen, dass die Unterschiede zwischen beiden Mäusen nur unter schwierigen Empfangsbedingungen zu beobachten sind. Unter guten Voraussetzungen geben sich die beiden Mäuse nichts. Man muß tatsächlich schon Ausschnitte vergrößern, um überhaupt zu sehen, dass es zwei Tracks sind.


    Die Bilder stammen von heute von einem Gang auf offenem Feld mit idealen Satbedingungen.

  • Diesen Unterschied konnte ich in langen Versuchsreihen auf dem Fensterbrett, also ebenfalls unter problematischen Empfangsbedingungen, bestätigen. Es standen die gleichen Satelliten in den gleichen Positionen zur Verfügung. Beide GPS-Empfänger standen nebeneinander und schätzten die durchschnittliche Empfangsstärke etwas unterschiedlich ein.


    Die HAICOM nahm aus dem Angebot die sicheren in die Rechnung, die HOLUX nahm auch unsichere aus dem Angebot. Und zwar sowohl in Bezug auf die Empfangsstärke, wo der HOLUX durchweg auch 3 bis 4 dB weniger recht waren, wie auch in Bezug auf die Position.


    Ein Beispiel vom 22.09.2005.


    Die Satellitenlage war um Mittag wenig einladend. Die Vögel standen fast in Reihe, überdeckten sich teilweise und die Signale waren überwiegend schwach.


    In dieser Situation machte die HAICOM aus 4 Satelliten_in_use einen HDOP von 6,3. Die HOLUX nahm sich zusätzlich drei fragwürdige Satelliten in die Rechnung und machte daraus einen HDOP von 1,3.

  • Ein anderes Beispiel vom 20.09.2005.


    Aus einer aussichtslosen Satellitensituation wählte sich die HOLUX vier zweifelhafte Vögel aus und brachte es damit auf einen recht jammervollen HDOP von 4,9. Das Erstaunliche für mich dabei: der Fix lag nur 14 m daneben und damit im Rahmen des durchschnittlichen Fehlers, der zu dieser Stunde 19 m betrug.


    Die HAICOM nahm an diesem zweifelhaften Unternehmen erst gar nicht teil. Offenbar beurteilte sie die Situation als aussichtslos.

  • Und ein extremes Beispiel vom 16.09.2005


    Die Lage ist auch hier eigentlich grenzwertig bis aussichtslos.


    Die Vögel stehen in an sich guter Position annähernd in Reihe, überdecken sich teilweise und sind von geringer Stärke. Aus dieser mäßigen Auswahl greift sich die HOLUX nicht weniger als 6 Satelliten und bringt es damit auf einen HDOP von 1,5.


    Wenn man genau hinschaut, hat die HOLUX im Süden auch einen Satelliten in der Auswahl, den sie unmöglich sehen kann, weil er tief hinter den Häusern gegenüber versteckt ist. In dieser geringen Höhe über dem Horizont werden Satelliten gewöhnlich auch bei Sicht kaum angenommen. Woher bekommt die HOLUX von ihm ein so gutes Signal, dass es für die Rechnung lohnt?


    Und auch mit dieser Auswahl hatte die HOLUX ein gutes Ergebnis. Der Fix lag nur 9 m neben meiner Position.


    Es scheint mir dennoch normal, dass die HAICOM in dieser Lage nicht zugriff.

  • Für die Auswertung dieser Fensterbrett-Versuche konnte ich eine Eigenart vieler HOLUX-Mäuse nutzen. Auch die GPSlim 236 arbeitet wahlweise im Dualmodus, d.h. sie kann über Funk und über Kabel gleichzeitig Protokollzeilen ausgeben.


    So lief dann neben der laufenden Beobachtung über Glopus auf den beiden PDAs auch speziell für die GPSlim 236 auf dem PC eine ständige Kontrolle ihrer Fixgenauigkeit unter VisualGPSXP. Zu jeder Auslösung der Screenshots auf beiden PDAs konnte ich so wenigstens für die GPSlim 236 die Einschlagsgenauigkeit des Fixes notieren.


    Während die HOLUX in dieser Weise offen war für eingehendere Untersuchungen, blieb die HAICOM in mancher Hinsicht ein unbeschriebenes Blatt. Die Hi-305 ließ sich unter SiRFDemo nicht in den SiRF-Modus umschalten und behielt damit manche ihrer Werkseinstellungen für sich. Von der Hi-303 III hört man, sie ließe sich in den SiRF-Modus umschalten.


    Zum Beispiel weiß ich von der GPSlim 236, dass sie werksseitig auf eine Empfindlichkeit von 12 dB eingestellt ist. Diese Einstellung erklärt manche ihrer gewagten Zugriffe. Von der HAICOM weiß ich über diese Einstellung nichts aus eigener Anschauung. Angesichts ihrer mehr konservativen Vorgehensweise darf man vermuten, dass ihre Eingriffsschwelle wesentlich höher liegt.


    Vielleicht ist es eine Eigenart der SiRF III Mäuse: beide Empfänger brauchten etwas Zeit, bis sie zu großer Form aufliefen. Ein Fix ist unter bekannten Umständen schnell erreicht. Offenbar ist aber eine längere Beobachtung nötig, um einen schwachen Satelliten aus dem Rauschen herauszurechnen. Erst nach 15 bis 20 Minuten gab es in der Regel überraschende Ergebnisse.

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  • Fazit



    Im Vergleich zu SiRF II Empfängern der vorigen Generation liegt der Vorteil der beobachteten SiRF III Mäuse nicht in jedem Fall in einer besseren Genauigkeit der Fixe. Unter guten bis sehr guten Bedingungen liefern beide Generationen genaue Fixe. Unter problematischen Satellitenbedingungen arbeiten dagegen die beobachteten SiRF III Empfänger ungleich genauer.


    SiRF III Empfänger, wie sie hier vorlagen, sind Geräte für schwierige Bedingungen auf der Straße und vor allem im Gelände. In einer Umgebung wie der Testumgebung arbeiteten sie zuverlässig, wo die vergangene Generation Ausfälle zeigte.


    Auf See z.B. bringt eine SiRF III Maus kaum Vorteile. Die Sicht auf den Himmel ist jederzeit gut, da arbeiten Empfänger der vorigen Generationen genauso gut. Vielleicht bringt die SiRF III ein gewisses Sicherheitsplus für sehr selten auftretende Konstellationen am Himmel, mit denen SiRF III besser zurecht kommt.


    Im Gelände unter schwierigen Empfangsbedingungen dagegen ist die SiRF III Generation bisher nicht zu schlagen.


    Wenn hier die HOLUX GPSlim 236 die Nase vorn hatte, dann muß man eines noch mal deutlich sagen: es handelt sich um graduelle Unterschiede auf hohem Niveau. Und zweitens: alle Testergebnisse gelten nur für die getesteten Exemplare und nur unter den geschilderten Empfangsbedingungen.


    Unter idealen Empfangsbedingungen bringen beide Mäuse gleich hervorragende Ergebnisse.


    Abschließend noch etwas zur Gebrauchstüchtigkeit der beiden Geräte.


    An den vielen Tests von Peter und Charly hat mich die persönliche Einschätzung der Tester immer besonders interessiert. Das persönliche Urteil eines Testers, den ich kenne, sagte mir stets mehr als die beigebrachten Zahlenwerte. In das persönliche Urteil des Testers gehen Eigenschaften ein, die man nicht messen kann.


    Handhabung, Robustheit, Empathie für ein Konzept, Hintergrundwissen über den Service und Ähnliches.


    In diesem Zusammenhang muß ich etwas erwähnen, das mir persönlich Vorbehalte schafft gegenüber der HOLUX GPSlim 236. Der Hersteller oder besser die Menschen in der Firma HOLUX erwiesen sich in den vorliegenden Korrespondenzen als recht stur in Bezug auf einen Mangel der GPSlim 236, der die Maus für den Geländeeinsatz nur eingeschränkt tauglich macht: die GPSlim 236 sendet bei Geschwindigkeiten unter 4,3 Km/Std zwar weiter Fixe und andere Daten, aber für die Geschwindigkeit sendet sie den Wert Null.


    Unter Static Navigation enabled setzt HOLUX auch den Kurs auf den Wert Null, was nicht akzeptabel ist, weil Null in diesem Fall Nord bedeutet und nicht Nichts. Das Nordproblem lässt grüßen


    Unter Static Navigation disabled setzt Holux nur den Wert für die Geschwindigkeit auf Null.


    Praktisch bedeutet das für bedächtige Gangart im Gelände den Ausfall der Geschwindigkeitsanzeige, weil nur wenige Naviprogramme aus den Veränderungen der Koordinaten selbst die Geschwindigkeit errechnen. Das ist ein Mangel, den man unter Umständen verschmerzen kann, aber man muß dazu wissen, dass der Hersteller bisher nicht bereit ist, diesen Mangel abzustellen.


    HOLUX sieht das Problem in Abwägung mit der Fahrzeugnavigation, die den größten Teil der Umsätze ausmacht, wo durch eine Speedanzeige bei niedriger Geschwindigkeit und im Stand Irritationen entstehen könnten. Außerdem trauen die Hersteller bisher dem normalen User nicht zu, dass er eine GPSlim 236 fehlerfrei in der Firmware updaten kann.


    Beide Argumente sind leicht zu widerlegen.


    Man kann das Update in die Hände ausgesuchter Händler legen, und man kann den zeitweiligen Verzicht auf die Speedanzeige abschaltbar machen. Zumal die GPSlim 236 ja im SiRFmodus die Geschwindigkeit liefert.


    So ist jedenfalls der momentane Stand. Vielleicht bewirkt geduldiges Zugehen auf den Hersteller mit der Zeit ein Einlenken.


    Jedenfalls muß man bei aller Brillanz der HOLUX diese Einschränkung für den Betrieb im Gelände sehen. Auf See und in der Luft ist diese großartige Konstruktion so leider in den meisten Fällen nicht zu gebrauchen.


    Die abgebildeten Tracks der HOLUX sind von dem Mangel kaum betroffen, gleichfalls nicht die Genauigkeit der Fixe unter fast allen Umständen. Aber es bleibt für mich eine gewisse Enttäuschung gegenüber der Einstellung der HOLUX-Leute, die sich vielleicht etwas auf die Maus überträgt.


    Deshalb gilt meine Sympathie eher der HAICOM. Von ihrem Konzept her wird sie unter schwierigen Bedingungen mit dem PDA zusammen zu einer Navigations-Einheit, die einem durch Dick und Dünn zu folgen vermag. Im mittelamerikanischen Regenwald habe ich schon ihre Vorgängerin, die Hi-303S, wegen ihrer Robustheit der GPSlim 236 meist vorgezogen. Wie hätte die Hi-305 wohl erst unter solchen Umständen abgeschnitten.


    Es folgt später noch ein Vergleich zwischen den beiden Klappmäusen Hi-303S und Hi-305, zwei Generationen von SiRF-Mäusen, der darüber Aufschluß gibt. Allerdings im märkischen Buchenwald.


    Gruß
    artur

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  • Hallo artur,


    vielen Dank für den interessanten und aufschlussreichen Test. Ich habe als Laie / relativer Neuling eine Frage zur Anordnung der GPS-Empfänger während der Tests.


    Wie war die Anordnung der Empfänger?


    Die Haicom im CF-Slots des PDAs (klar), der PDA senkrecht am Gürtel oder in der Hand gehalten und dabei mit den Armen "gerudert" (nicht ernst gemeint) :gap Würde ja dann auch die Schwankungen der Tracks um die Position erklären?!?


    Die Holux statisch "gelagert" als Papagei auf der Schulter (Schulterriemen des Rucksacks / Deckeltasche.


    M eine Frage deshalb, weil ich zu einer neuen SIRF 3 Maus tendiere (bislang xtrac2 Empfänger RBT 1000) und wie Du auch von der scheinbaren Sturheit der Holux Leute angepisst bin - nachdem, was man hier so lesen kann. deshalb suche ich nach brauchbaren Alternativen zur Holux, die technisch betrachtet die Nase vorn zu haben scheint.


    Gruß,
    Te_Ha

  • Hallo Te_Ha,


    in bezug auf deine Frage war der Test nicht ganz vollständig.


    Tatsächlich befand sich die HOLUX mit einem Klettband auf meiner Mütze (der zugehörige Empfänger 3970 in der Jackentasche) und die HAICOM steckte mit ihrem 2750 in der Brusttasche des Hemdes.


    Aber wichtig: um Gleichstand herzustellen, war die Haicom mit einer aktiven Antenne ausgerüstet, die neben der HOLUX ebenfalls auf meiner Mütze saß. Beide Mäuse genossen demzufolge Rundumsicht.


    Danke für den Hinweis. Ich werde das nachtragen.


    Wen die teilweise Fehl-Anzeige der Geschwindigkeit beim Wandern nicht stört, dem kann man die HOLUX nur empfehlen. Mich stört es nicht, weil ich meist schneller als mit 4 km/Std unterwegs bin. Aber es bleibt halt ein ärgerlicher Makel.


    Gruß
    artur