Hallo!
Ich spinn mal ein bischen rum, weil das Thema, was ich in mir hin und her wälze, sicher schon x mal besprochen wurde. Ob es in diesem Bereich gut aufgehoben ist, weiss ich nicht, aber woanders passt es nicht rein.
Wenn ich in diesem Forum so rumlese - und das tue ich seit einigen Wochen mit wachsender Begeisterung - dann fallen mir folgende Punkte auf:
- Das eine System ist zu langsam
- Das andere System routet schwachsinnig
- Wieder ein anderes System erlaubt keine eigenen Skins
- Ein weiteres System wird mit vollkommen veraltetem Kartenmaterial ausgeliefert (veraltet in Bezug auf das, was der Kartenerstellungsprozeß und seine Turn-around-Zeiten überhaupt hergeben!)
- Dies und das ist nicht so, wie dieser oder jene es gerne hätten
- Die Dinger sind einfach teuer!
Und dann denke ich mir, meine Güte - es gibt doch auch noch GPL und Open Source und so weiter...
Und wenn ich das zuende denke, dann komme ich darauf, dass es eine schöne Idee wäre, selber eine Navi-SW zu bauen, die die Vorteile aller Systeme vereinigt.
Gut! Nun wird es viele geben, die werden - vielleicht nicht unberechtigter Weise sagen - dass das schon x mal diskutiert wurde und dass es einfach zu komplex ist und so weiter und so fort...
Welche Probleme tauchen auf?
- Vor allem gibt es kein freies Kartenmaterial - das ist der Dreh- und Angelpunkt. Dass das so ist und dass Kartenmaterial (TA und NT) teuer ist, wissen alle und es ist auch weitestgehend verständlich
- Die Teilfunktionalitäten eines Navigationssystems sind sehr komplex und voneinander in hohem Maße abhängig
- Andere haben das auch schon versucht und sind nie über die Konzeptphase - wenn überhaupt - hinaus gekommen, weil das Ganze eben sehr komplex ist
Das hat alles seine Berechtigung - ich selber habe im Moment auch keinen klaren Plan, wie ausufernd sowas werden könnte, aber ich habe so ein paar Überlegungen - hier sind sie:
Das Problem mit dem Kartenmaterial ist wirklich das Totschlagargument vor dem Herren. Hier meine Idee: Man gründet einen Verein - vielleicht sogar einen europaweiten Verein. Dieser Verein kauft - finanziert über erträgliche und sinnvolle Vereinsbeiträge - entsprechende Lizenzen bei Teleatlas oder Navtech ein und verteilt diese an seine Mitgleider. Ich hab mal testweise ne Mail an Teleatlas geschrieben - mal sehen was da kommt.
Die Projektorganisation wäre ein wichtiger Punkt. Ich sehe folgendes Fachwissen auf entsprechende Teams verteilt:
- Ein halbwegs demokratisches Projektkoordinierungs-Team, das vor allem Change Requests sammelt, priorisiert und den jeweiligen Teams zuweist, zwischen den Teams vermittelt und die Versionsplanung fortschreibt
- Ein Design-Team (Softwarearchitektur, Softwareentwurf, GUI-Gestaltung, etc.) als Querschnitts-Team über die folgenden Fach-Teams
- Ein Q-Team (Versions-Verwaltung z.B. über SourceForge, Test, etc)
- Ein Team zur Implementierung der Datenhaltung (Kompression, Suchalgorithmen, etc...)
- Ein Team zur Implementierung der Routing-Algorithmen
- Ein Team zur Implementierung der Präsentationsschicht (Darstellung der Karten- und Routendaten, optimierte Ein-/Ausgabe-Routinen, etc)
- Ein Team zur Implementierung des GUI
- Zudem auf jeden Fall Leute, die den Kontakt zu den Kartenlieferanten halten
- Wahrscheinlich auch in der Thematik (vor allem Urherberrecht) bewanderte Rechtsexperten - der Markt ist ja nicht gerade wenig umkämpft und ein wirklich gutes Open-Source-Produkt dürfte für ziemlichen Wirbel sorgen
Der Realisierungsplan - Hierzu müsste zunächst definiert werden, was ein Navisystem leisten soll (Big Picture) um dann aber nicht alles auf einmal (Big Bang) zu realisieren, sondern klein anzufangen - so z.B.:
[list=1]
[*]Realisierung einer internen Repräsentation der Kartendaten - diese Zwischenschicht zwischen den eigentlichen Rohdaten und der Anwendung soll dafür sorgen., dass das jeweilige Rohmaterial ggf. ausgetauscht werden kann - Navitech oder Teleatlas oder in ferner Zukunft mal durch eigene - wirklich freie! - Kartendaten
[*]Realisierung der allgemeinen Darstellung - am besten auf Basis einer Schichtenarchitektur mit beliebig ein- und ausblendbaren Layern
[*]Realisierung der Basisfunktionalität "Erstellen von Teilkarten"
[*]Realisierung der Basisfunktionalität "Routing"
[*]Realisierung weiterer Funktionalitäten (Tourenplanung, Tracking, POIs, Import/Export, uvm...)
[/list=1]Eine mögliche Software-Architektur könnte sein, alles - aber auch wirklich alles - auf der Basis von Präsentations-Layern zu modellieren. Das könnte so aussehen:
[list=1]
[*]Die Welt
[*]Die Länder
[*]Die Strassen zwischen den Ländern
[*]Die Unterteilung der Länder in z.B. Provinzen
[*]Die wichtigsten Verbindungen zwischen den Provinzen
[*]Die Landkreise in den Provinzen
[*]Die wichtigesten Strassen zwischen den Landkreisen
[*]Die grossen Städte
[*]Die wichtigstens Strassen zwischen den großen Städten
[*]und immer so weiter bis alle "herkömmlichen geografischen Daten" (Strassen, Orte, Städte, Landkreise, etc.) dargestellt sind...
[*]Weitere Layer für sekundär wichtige Informationen (Wälder, Flüsse, Seen, Ozeane,...)
[*]Vielleicht auch Add-On-Layer mit Wasserstrassen (Warum denn eigentlich nur ein strassengebundenes Navigationssystem? Mit einer gut durchdachten Schichtenarchitektur sollten sich auch andere Verkehrswege optional einbinden lassen)
[*]POI Layer 1
[*]...
[*]POI Layer n
[/list=1]Ich sagte ja - ich spinne mal ein wenig rum... ![]()
Ein Metadatenformat als Basis für die Schaffung einer Lösung, die im schlechtesten Falle sowohl mit Navtech- und Teleatlas-Kartendaten arbeiten und im besten Falle (Achtung - ich hebe jetzt ab!) einmal mit einer unabhängigen, weil selbst erzeugten Datenbasis arbeiten kann.
Warum nicht? In diesem Thread wurde ja auch schon darüber nachgedacht - bin ich wenigstens nicht alleine ![]()
Wenn es ein europaweiter Verein wird, dann könnte man in einem parallelen Entwicklungsast auch ein freies System zur Erfassung von Kartenmaterial bauen. Ich habe die Berichte vom Vortrag von Navigon gelesen - sicher wird "professionell" mit DGPS etc. gearbeitet. Aber vielleicht reicht ja am Anfang auch einfaches GPS zur Erfassung von Daten. Man stelle sich eine zentrale Datenbank vor, über die jedes Vereinsmitgleid die benötigten Daten abrufen oder aber auch Änderungen einpflegen könnte. Inklusive POIs etc...
Sicher alles komplex ohne Ende - aber ich meine, es gibt noch ganz andere Projekte, gegen die das hier geschilderte eher klein ist (Linux, XBMC, was weiss ich...) Und dass ein europaweiter Verein einiges bewegen kann sehe ich immer bei meinem Vater - der ist Alterspräsident des deutschen Teils des FREMO - ein europaweiter Modelleisenbahnverein - wenn man einmal gesehen hat, was die zu ihren regelmäßigen Treffen überall in Europa auf die Beine stellen, dann ist man mindestens beeindruckt - auch wenn man vielleicht nichts mit Modelleisenbahnen anfangen kann (so wie ich - Kindheitstrauma :))
Ach ja - das Ganze würde dann auch den Europagedanken fördern, die Völkerverständigung, etc... Klingt vielleicht etwas abgehoben, ist mir persönlich aber ein Anliegen. Ich sehe bei meinem Vater, wie gut das funktioniert (Da gibts eben keine Voreingenommenheiten zwischen Deutschen und Holländern z.B.)...
Wie gesagt - ich wollte es mal in den Raum stellen und ich meine es auch ernst. Bin zumindest gespannt, welche Reaktion nun kommt. Ach ja - ich kann auch nicht der Einzige sein, der sich sowas überlegt - würde gerne mal wissen, an welchen Stellen in diesem Land oder auf diesem Kontinent ähnliche Überlegungen am Köcheln sind...
Gruß, Axel
PS: Was könnte ich beitragen? Nun - ich war mal Softwareentwickler, dann Softwarearchitekt und habe irgendwann auch europaweite Projekte geleitet - mittlerweile ahbe ich mich aus diversen Gründen in den öffentlichen Dienst begeben und arbeite endlich mal um zu leben.
Am liebsten bin ich Softwarearchitekt und koordiniere Projekte von der technischen Seite her und am zweitliebsten entwerfe und programmiere ich Benutzeroberflächen. Das ergibt dann einen gewissen Zielkorridor ![]()