Nach dem Umstieg von BMN auf MN4, ersten Erfahrungen und damit auch nach einer Eingewöhnungszeit, einige subjektive Eindrücke der neuen Software.
Ausgangspunkt einer Kritik ist gewöhnlich immer der Anspruch, den man an eine Sache stellt. Mein Anspruch an ein Navigationssystem ist, von A nach B zu kommen. Störungen wie gesperrte Strassen, Staus etc., die mich an meinem Vorhaben hindern, sind zu vermeiden und möglichst zu umgehen. An meiner Fahrsicherheit darf sich bei alledem nichts ändern, sprich ich darf durch das System nicht abgelenkt werden, das System muss Anweisungen eindeutig, verständlich, rechtzeitig geben, bei optischer Anzeige muss die Situation sofort überschaubar sein. Da ich zusätzlich noch den Anspruch hatte, so ein System kostengünstig in wechselnden Fahrzeugen zu realisieren, bot sich ein System auf PDA-Basis an.
Navigon und sein BMN boten dies. Was ich von dem System nie verlangt habe, ist der Funktionsumfang eines Festeinbausystem. Ein PDA ist nun mal in seiner Leistung eingeschränkt. Aber selbst da machte das BMN eine gute Figur. Einziger Kritikpunkt war das etwas veraltete Kartenmaterial. Dennoch war das Produkt jederzeit eine Empfehlung wert. Und weil die Erfahrungen positiv waren, kaufte ich das Nachfolgeprodukt (ein reines Kartenupdate war ja nicht nöglich).
Alles toller, alles neuer, alles besser versprach die Werbung. Neues Kartenmaterial mit besserer Qualität gab es, ansonsten wurde das Produkt verschlimmbessert. Es wurden "Feature" eingebaut, wie Höhenangabe, Kompass, Steigungswinkel, ja selbst die Geschwindigkeit wurde nun berechnet. Wozu? Ohne eine Geschwindigkeitsangabe darf kein Fahrzeug auf öffentlich Strassen. Was soll die Steigungsangabe? Ich will die Strecke nicht laufen, sondern befahren und selbst mein alter Fiat500 packte vor Jahrzehnten schon jeden Alpenpass, wenn auch nicht immer problemlos.
Das diese Spielereien zu Lasten der Performance gehen, weil hier wird Rechenleistung verschleudert, ist zumindest alten EDVern kein Geheimnis. Ergebnis ist denn auch, eine längere Initialisierungszeit des Programms, eine hinterherhinkende Postionsangabe, ein wesentlich verschlechterter bzw. verzögerter Kartenaufbau beim Übergang zwischen den Darstellungsstufen. Dafür kann man jetzt vergleichen ob der mechanische Tachometer des Fahrzeuges mit der berechneten Geschwindigkeit übereinstimmt. Man kann an Rathaus ablesen gehen, ob die dort angegebene Höhenangabe mit der berechneten Höhenangabe übereinstimmt. Man kann sich bei der Strassenmeisterei beschweren, dass die angegebene Steigung nicht 10 sondern 12,5% beträgt.
Nicht das wir uns missverstehen. Gegen diese zusätzlichen Dinge ist nichts einzuwenden, allerdings bitte nicht zu Lasten des eigentlichen Systems. Wer derartige Anzeigen haben möchte, soll sie sich als Extras installieren. Der Preis ist die jeweilige zusätzliche Belastung des Rechnersystems bei jeder zusätzlichen Funktion. Was hat Navigon geritten, diese Rechnerbelastung allen Anwendern aufs Auge zu drücken, und dadurch für die Grundfunktionen notwendige Leistungen zu verpulvern? Diese Leistung scheínt nunmehr ganz offensichtlich zu fehlen, denn, ob die Informationsleiste angezeigt wird oder nicht, berechnet wird und sei es nur um die Berechnung sofort wieder zu verwerfen.
Thema Sicherheit. Die optischen Hilfen - Länge Reststrecke, nächste Aktion, Entfernungsbalken sind jetzt kaum noch wahrnehmbar. Daran ändert auch keine Eingewöhnungszeit. Ganz besonders krass wirkt sich das bei der Anzeige des Entfernungsbalkens aus. Dieser erstreckte sich in der alten Version über den ganzen Bildschirm. Warum hat man, wenn man schon Rechnerleistung ausreizen will, nicht diese Anzeige verfeinert, ihr evtl. Meterangaben mitgegeben?
Positiv ist, dass teilweise neben der nächsten auch die übernächste Aktion optisch angezeigt wird, allerdings würde man sich die Aktionsanzeigen insgesamt etwas größer und deutlicher wünschen.
Nach wie vor positiv ist auch die Ansage, welche in der Regel frühzeitig erfolgt. Allerdings hätte man sich auch hier gewünscht, dass, wenn schon Rechnerleistung zur vergeben ist, man hier noch etwas mehr investiert hätte. So ist es manchmal irritierend und verunsichernd, wenn als Abbigeanweisung von halbrechts und halblinks gesprochen wird, wenn als Alternative die Strassenführung als Alternativen nur ein Geradeaus, Rechts- oder Linksabbiegen hat. Da gehts auf einmal nicht butterweich halbrechts weiter, sondern da wird massiv rechts abgebogen.
Irgendwo in diesem Forum hab ich den Vergleich der neuen Software mit einer Spielkonsole gelesen. Dieser Meinung kann ich mich anschließen, denn subjektiv, und anders kann man eine Sotfware ja nicht bewerten, wurden viele Spielereien als Innovation verkauft.
Schade eigentlich für ein bisher sehr gutes Produkt, welches man bisher begeistert weiterempfehlen konnte. Schade vor allem, weil man negative Erfahrungen im Schnitt viermal häufiger weitergibt als positive. Schwere Zeiten für Navigon, sobald ein Konkurenzprodukt ebenfalls Verkehrsnachrichten zur dynamischen Routenführung auswerten wird.
In der Hoffnung, dass man sich bei Navigon alsbald wieder verstärkt dem Wesentlichen zuwendet
Grüsse vom Niederrhein