Die Zukunft der dynamischen Routenführung?

  • Hallo Forum!


    TMC und TTT sind zwar nette "Ansätze", aber beide nicht das gelbe vom Ei.
    Wie könnte denn die Zukunft der dynamischen Routenführung aussehen?


    TMC ist überhaupt nur unidirektional (reiner Empfang), TTT wäre zwar von den Möglichkeiten her bidirektional, wird aber derzeit nur in einer Richtung genutzt (bitte korrigiert mich wenn dem nicht so ist).
    Die Meldungen über aktuelle Verkehrsinformationen sind derzeit alles andere als aktuell bzw. auch nicht sehr hilfreich - was z.B. ist Stau? Richtiger Stau mit totalem Stillstand, Stop and Go, zähflüssiger Verkehr - das alles sind ja bekannte Begriffe, aber kaum jemand weiss es richtig einzuordnen.
    Der Ansatz sollte dahin gehen, dass die Navi-User gleichzeitig als mobile Meßstationen dienen, d.h. laufend Informationen über Geschwindigkeiten, Behinderungen, Wetter usw. übermitteln könnten, die Vorraussetzungen dazu haben die meisten von uns ja jetzt schon mit an Board (PDA, Navi, Mobiltelefon mit GPRS/UMTS). Über einen laufenden Soll/Ist Geschwindigkeitsvergleich wäre die aktuelle Verkehrssituation doch viel detailierter darstellbar als über die derzeit eingesetzten Tools.


    Natürlich werden hier viele den Einwand des Datenschutzes anbringen, aber für eine schnellere Routenführung würde ich dies gerne in Kauf nehmen. Es muss ja niemand dazu gezwungen werden.
    Kennt jemand schon diesbezügliche Projekte von Anbietern oder ist das derzeit noch kein Thema?


    Was ist Eure Meinung dazu?

  • Hallo,


    es gab bereits vor über 10 Jahren Ansätze zur Navigation unter Verwendung von Informationen, welche durch die Fahrzeuge selber "gesammelt" und über eine Infrastruktur an eine Leitzentrale zurückübertragen werden. Die Systeme wurden im Rahmen EU- oder auch national geförderter Forschungsprogramme erprobt und Feldversuche durchgeführt. In Deutschland beispielsweise im Rahmen des Projekts STORM (Stuttgart Transport Operation by Regional Management) welches in die europäischen Projekte QUARTET und MELYSSA eingebunden war.


    Als Übertragungsmedium wurden damals entweder Infrarotbaken (wie bei STORM) oder GSM verwendet. Bei STORM wurde die Navigation in Bereichen ohne Baken durch ein fahrzeugautonomes System unterstützt, darum auch die Bezeichnung DMRG (Dual Mode Route Guidance) für diesen Ansatz. Daneben gab es auch noch Versuche mit Mikrowellen- anstelle Infrarotbaken.


    Durchgesetzt haben sich diese Systeme allerdings bisher nicht. Ein Problem war insbesondere bei den Systemen mit Baken die Kosten der Infrastruktur. Es bestand hierfür sogar eine Zeitlang eine Betreibergesellschaft mit Namen COPILOT, diese wurde nach ca. 1-2 Jahre jedoch wieder aufgelöst. Für GSM-basierte Systeme gab es einige Ansätze von Netzbetreibern, welche meines Wissens jedoch auch nicht sehr erfolgreich sind.


    Grundsätzlich ist auch bei diesen Systemen das Problem der Datenqualität. Um entsprechende Informationen aus den Rückmeldungen zu generieren, braucht man schon eine recht hohe Anzahl von Nutzern. Ansonsten stehen die gleichen Quellen wie für z.B. RDS/TMC zur Verfügung. Darüber hinaus neigen rein auf den Rückmeldungen basierende Systeme, neben anderen Problemen, zum Schwingen, wenn aufgrund einer Verkehrsstörung die Fahrzeuge umgeleitet werden.


    Wer übrigens mal seine Augen offen hält kann noch heute teilweise die Infrarotbaken der damaligen Feldversuche an den "Beinen" der Schilderbrücken erkennen, z.B. bei Stuttgart auf der A81 nördlich des Leonberger Tunnels oder auf der A9 nödlich von München, diese sind meines Wissens nicht abgebaut worden. Auf Autobahnen wurden übrigens immer 2 Baken direkt übereinander plaziert. Auch an manchen Kreuzungen in Stuttgart und eventuell in Regensburg dürfte es noch Baken geben.


    Vielleicht auch mal zu dem Thema im Internet suchen, Stichworte wären z.B. neben den genannten Projekten z.B. EuroScout, DMRG (Dual Mode Route Guidance), CoPilot, die europäischen Forschungsprogramme DRIVE und PROMETHEUS und vielleicht fällt mir auch noch der Name des GSM-basierten Systems ein.


    Gruss, Snoopy

    2 Mal editiert, zuletzt von Snoopy63 ()

  • tja, 10 Jahre sind eine lange Zeit.


    Was mich ein wenig wundert ist das geringe INteresse an diesem Thema, anscheinend sind alle zufrieden mit den derzeitigen Systemen ;D

  • Hallo,


    wahrscheinlich kämpfen alle mit Ihrem MN4 :D , meiner geht übrigens.


    Allerdings ist das Thema "dynamisches Routing" grundsätzlich nicht ganz einfach. Die einfache Frage: Wann ist ein Stau ein Stau? Und es ist sicherlich sehr frustierend, wenn man den LKW, welchen man vor dem Stau gerade überholt hat und welcher die Autobahn nicht verlassen hat nach Wiederauffahren auf die Autobahn erneut überholt. Dieses Problem liegt auf der Seite der Datenerfassung und ist m.E. bis heute nicht zufriedenstellend gelöst, egal ob feste Datenerfassung oder "schwimmende Korken" (Fahrzeuge mit Rückmeldung).


    Gruss, Snoopy

  • was helfen die besten daten, wenn die programme dazu nicht funktionieren :gap


    heutzutage spricht man schnell von stau, mir wäre mehr geholfen wenn ich weiss die durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei z.B. 80km/h oder die verzögerung beträgt 20min etc.
    erst danach entscheide ich: soll ich umfahren oder wage ich es trotzdem?


    vielleicht müssen ja weitere 10 Jahre vergehen...

  • Hallo,


    aber um zu entscheiden, welche Strecke besser ist, musst Du oder das Programm wissen, was auf der Alternativroute abgeht. Und genau hier beginnt das Probleme (hatte ich nicht mal gesagt: Es gibt keine Probleme ?( ).


    Gruss, Snoopy

  • Ganz abgesehen von der technischen Faszination: Macht sich hier eigentlich jemand Gedanken um den Datenschutz? Also ich möchte mich schon noch ab und zu durch die Gegend bewegen, ohne dass irgendwelche Syteme ständig Track-Logs über mich anlegen. Wer garantiert uns denn, dass das gesellschaftspolitische Klima in den nächsten Jahren so stabil (und demokratisch) bleibt wie es jetzt ist? Zur Einführung von Hartz IV fordert die Gewerkschaft der Polizei verstärkt Ressourcen, weil regionale Unruhen befürchtet werden...


    Vielleicht wäre ja der ganze technische Aufwand durch einen etwas bewussteren Umgang mit dem Auto vermeidbar - schliesslich doktorn diese Ansätze doch alle nur an den Auswirkungen eines ausufernden Individualverkehrs herum...


    Gruss
    expalm

  • Es gibt hier durchaus schon sinnvolle Technologien, die jedoch leider noch nicht in dem vollen Umfang genutzt werden.


    Hat jemand von Euch schonmal auf die Sensoren geachtet, die an jeder Autobahnbrücke angebracht sind. Oder kennt jemand die Wettersenorik auf der A9 kurz vor München?


    Wenn ich jetzt die Stauinfos von T-Mobile (Tegaron) oder Vodafone abrufe bekomme ich schon wertvolle Informationen über den angesagten Stau. Hier wird zu der Stauangabe auch die Voraussichtliche Verzögerung angesagt.


    Wir haben also schon die Sensorik und die Infrastruktur. Jetzt fehlen nur noch die standardisierten Schnittstellen, die von Navigon, TomTom & Co. genutzt werden können.


    Weitere Infos:
    http://www.google.de/search?sourceid=navclient&hl=de&ie=UTF-8&oe=UTF-8&q=Autobahnen+Sensoren+Tegaron


    Weitere Ansätze gibt es ja auch von BMW. Ist zwar alter Wein in neuen Schläuchen, aber der rollende WLAN Hotspot könnte hier auch entsprechende Daten liefern.

  • Hallo,


    ich denke auch das erstmal standarisierte Schnittstellen verabschiedet werden müssen um dann alles richtig zum laufen zu bringen. Und dann denke ich sollten sich die verschiedensten Sensor egal ob Auto, Autobahn, Kameras etc... ergänzen und zusammenspielen. So könnte man dann denke ich vielleicht selbst irgendwann die fast totalen vom Stau freien Straßen erleben. Daher finde ich das BMW Connected Drive Projekt eigentlich wirklich super!!! Jedoch muss dieses ebend meiner Meinung nach nehr standarisiert werden, damit die gesammelten Daten von einem BMW auch in einem Fiat richtig wieder verstanden werden.
    Ein neuer Feldversuch ist auch in Nürnberg: http://www.nuernbergverkehr.de/


    Viele Grüße


    Akio

  • All das kann (kurzfristig) Erleichterung bringen, wird aber auf Grund endloser Dummheit und Präpotenz der Menschen scheitern.


    Verweise auf einen Autoaufkleber:


    Sie stehen nicht im Stau, sie SIND der Stau !

  • @expalm: wenn ich gegen überwachung bin müsste ich auch mein mobiltelefon ausschalten


    dachte ich doch, dass ja viele gleich nach datenschutz schreien :(
    aber es könnte ja alles auf freiwilliger basis passieren, wenns denn helfen würde wäre ich gerne dazu bereit, daten zu übermitteln

  • Hallo,


    das Problem von all diesen Ansätzen zur Stauvermeidung ist per se, dass diese zunächst mal aus Ihrer Natur heraus zum Schwingen neigen. D.h., wenn auf einer Strecke eine Behinderung ist und ich anfange, die Verkehrsteilnehmer über Alternativen zu lotsen, riskiere ich, dass ich genau das Gegenteil von dem erreiche, was ich will, nämlich das der Verkehr überall fliesst.


    Daneben kommt noch der Einfluss der unterschiedlichen Geschwindigkeiten, was man bereits vor Jahren sehr schön in Simulationen sehen konnte. Was viele nicht hören wollen: Eine Geschwindigkeitsbegrenzung oder anders ausgedrückt eine Verringerung der Geschwindigkeitsunterschiede der Verkehrsteilnehmer verflüssigt den Verkehr, bei einer Begrenzung kommt noch eine effektivere Nutzung des Strassenraumes dazu.


    Allerdings: Trotz aller Massnahmen ist eine Strasse irgendwann mal an der Kapazitätsgrenze, da kann dann theoretisch ein einziges zusätzliches Fahrzeug schon den Stau auslösen.


    Und wenn dann noch der zur Verfügung stehende Verkehrsraum, sprich alle Spuren, intelligent und auch mit Rücksicht aufeinander genutzt würde, wären wir auch schon weiter.


    Gruss, Snoopy

  • Wie die Zukunft aussieht? Darüber kann man nur spekulieren!
    Ziemlich sicher ist jedoch, dass sie ganz aussehen wird als es jetzt ist.


    Beispiele:
    - Es ist bekannt, dass Öl knapp ist und in den nächsten Jahrzenten schlicht und ergreifend alle ist. Nix mehr da. Pech gehabt. Das bedeutet zwangsläufig, dass die Benzinpreise in den nächsten Jahren _drastisch_ steigen werden. Und das wiederum bedeutet, dass es sich jeder überlegen MUSS, ob er jetzt eine bestimmte Strecke fahren möchte oder ob es nicht doch auch mit einem Telefonat, einer Mail, ... zu lösen ist oder ob man nicht doch mit dem Fahrrad zum Bäcker fährt etc.
    Das wird dazu führen, dass zunehmend weniger Autos unterwegs sind.


    - Natürlich wird eine Umstellung erfolgen auf andere Antriebskonzepte. Gas kommt erst in Frage, wenn es eben ohne Rohöl produziert wird - das ist aber derzeit eher nicht der Fall.
    Strom wird eine Alternative werden. Dazu müssen aber neue Autos verkauft werden (das wird noch dauern) und vor allem muss die Stromgewinnung sichergestellt werden. Atomenergie ist derzeit keine Lösung. Auch will so ein Strom-Auto unterwegs betankt werden! Das dauert aber länger als ein heutiger Tankstopp ... vermutlich wird es auf Brennstoffzellen hinauslaufen die neu betankt werden... oder auf ein Pfand-System mit Batterien....
    Jedenfalls werden langsam aber sicher wieder mehr Fahrzeuge unterwegs sein


    - Der eigentliche Knackpunkt ist die "individuelle Mobilität". Das ist zwar sehr praktisch, führt aber auch zu Problemen. Mögliche Lösungen währen "Nachkommen" der heutigen Busse und Bahnen... in Form von Gondeln z.B. die regelmäßig (im Minutentakt) eine bestimmte Strecke abfahren und sich vielleicht sogar wie ein Fahrstuhl noch beeinflussen lassen... die dazu nötige Infrastruktur dürfte sich aber in den nächsten Jahrzenten niemand leisten können... das bleiben gute Ideen auf dem Papier


    - Bleiben wir also bei individuellen Fahrzeugen. Solange jeder das Ding selber steuern kann/darf ist das Chaos vorprogrammiert. Menschen verhalten sich nunmal schwer vorhersagbar. "Stauwellen" entstehen durch chaotisches Verhalten. Eine Lösung könnte sein, dass die Autos der Zukunft lange Strecken alleine bewältigen. Man fährt also selber durch die Stadt (evtl. unterstützt vom Computer, der nötigenfalls bremst oder zu starke Bremsungen verhindert etc.) ... aber wenn man auf die Autobahn fährt, dann gibt man sein Ziel an und die Karre fährt von alleine - gleichmäßig (und damit Stromsparend) und ohne übertriebene Manöver die in Unfällen enden können.


    - Aktuelle Standortinformationen zu einem Zentralrechner.. das wird schwer.... mir graut allerdings davor, dass genau das kommen wird! Schon jetzt muss man sich in London anmelden, wenn man in die Stadt fährt. Die logische weiterentwicklung wäre, dass das alles vollautomatisch passiert und man jederzeit wüsste, wo ein Auto gerade ist, und wie schnell es derzeit ist. Ein Traum der Verkehrsplaner! Ein Albtraum für Datenschützer.


    Zum Datenschutz: bitte überlegt mal ganz kurz, wann wir HIER IN DEUTSCHLAND zum letzten Mal eine Diktatur hatten... jaaaa.. na? Wie lange ist das noch her? 500 Jahre? 100 Jahre? ... nein? ... Dann fragt mal Eure Eltern - die wissen das womöglich noch SEHR genau!
    Wenn sowas hier wieder passiert (und ausgeschlossen ist das überhaupt nicht) dann möge uns irgendjemand dafür behüten, dass mit unseren Daten Schindluder getrieben wird!



    Zusammenfassend:
    - Zunächst wird das Stauproblem durch extreme Benzinkosten "gelöst" werden


    - Kommen die Alternativen Konzepte in Fahrt, wird man viel auf Automatik setzen um so die vorhandene Infrastruktur "dichter packen" zu können (Autos können automatisch mit 160 km/h und einem Abstand von wenigen Metern fahren... aber nicht, wenn ein Mensch am Steuer sitzt)


    - Totale Überwachung ist nicht ausgeschlossen. Wir sollten alle dagegen kämpfen!


    nSonic

  • Zitat

    Original von nSonic
    Strom wird eine Alternative werden. Dazu müssen aber neue Autos verkauft werden (das wird noch dauern) und vor allem muss die Stromgewinnung sichergestellt werden. Atomenergie ist derzeit keine Lösung. Auch will so ein


    Ich denke es ist derzeit die einzige Lösung unser System aufrecht zu erhalten, auch im Hinblick auf die geforderte Co2-Reduzierung. Umweltschutz muss man sich leisten können - wenn heute unsere Energieversorgung zusammenbricht wird es für den Umweltschutz ganz schlecht aussehen, dannwird plötzlich jeder Dreck verbrannt... Eine Umstellung auf alternative Energien geht nicht von heute auf morgen, auch wenn das die stark subventionierte Wind- und Solaranlagen gerne glauben machen. Dabei wird oft auch verschwiegen dass sie ihre Energie nicht unbedingt dann liefern wenn sie gebraucht wird.

    Zitat

    Strom-Auto unterwegs betankt werden! Das dauert aber länger als ein heutiger Tankstopp ... vermutlich wird es auf Brennstoffzellen hinauslaufen die neu betankt werden... oder auf ein Pfand-System mit Batterien....


    Hier könnte ich mir eine Lösung inForm von Stromschienen entlang der Autobahn vorstellen

    Zitat

    - Der eigentliche Knackpunkt ist die "individuelle Mobilität". Das ist zwar sehr praktisch, führt aber auch zu Problemen. Mögliche Lösungen währen "Nachkommen" der heutigen Busse und Bahnen... in Form von Gondeln z.B. die regelmäßig (im Minutentakt) eine bestimmte Strecke abfahren und sich vielleicht sogar wie ein Fahrstuhl noch beeinflussen lassen... die dazu nötige Infrastruktur dürfte sich aber in den nächsten Jahrzenten niemand leisten können... das bleiben gute Ideen auf dem Papier


    Denke das wird es immer bleiben, so ein spurgebundenes System ist einfach zu anfällig so dass man bzgl. Stau wohl nichts gewinnen würde.


    Zitat

    - Kommen die Alternativen Konzepte in Fahrt, wird man viel auf Automatik setzen um so die vorhandene Infrastruktur "dichter packen" zu können (Autos können automatisch mit 160 km/h und einem Abstand von wenigen Metern fahren... aber nicht, wenn ein Mensch am Steuer sitzt)


    Ob das zulassungsfähig ist halte ich noch für fraglich. Letztenendes muss dem Menschen noch "das letzte Wort" zur Reaktion eingeräumt werden da man ein System einfach nicht "fehlerfrei programmieren" kann. Somit muss man wieder die menschliche Reaktionszeit im Abstand mit einkalkulieren.


    Zitat


    - Totale Überwachung ist nicht ausgeschlossen. Wir sollten alle dagegen kämpfen!


    Sehe ich auch so.


    Garry