Galileo bringt neuen Schwung für Satellitennavigation
Durch Galileo, Europas Beitrag zu einem globalen Satellitennavigationssystem, soll der Europamarkt für GPS ähnliche Anwendungen an Dynamik gewinnen. Zu dieser Einschätzung kommt eine neue Analyse der Unternehmensberatung Frost & Sullivan, nach der die jährlichen Umsätze bis 2020 ein Niveau von bis zu 515 Millionen Euro (auf der Basis der Preise von 2001) erreichen sollen. Die Untersuchung wurde heute in Frankfurt am Main präsentiert.
Trotz hoher Projektkosten dürfte das Galileo-System wachsenden Zuspruch finden und Europa entscheidende strategische und wirtschaftliche Vorteile bringen. Galileo zeichnet sich durch hohe Zuverlässigkeit und Integrität der Signalübermittlung aus, gilt im Unterschied zu seinem US-amerikanischen Gegenstück als unabhängig von militärischer Kontrolle und dürfte für verschiedenste kommerzielle und zivile Zwecke nutzbar sein.
Zunächst wurde Galileo als Ergänzung zum US-amerikanischen GPS-System positioniert. Nun könnte es wegen mangelnder Abstimmung zwischen der EU und den USA jedoch zu einer Regionalisierung der Standards für die Satellitennavigationsanwendungen kommen, wodurch die volle Entfaltung der Märkte für GPS- bzw. Galileo-Anwendungen behindert würde.
"Die Märkte für GPS- bzw. Galileo-Anwendungen werden ihr volles Potenzial nur dann entfalten können, wenn sich USA und EU über die Standards zur Interoperabilität der GPS- und Galileo-Systeme einigen können", erklärt Patrick Collins, Research Analyst bei Frost & Sullivan. "Andernfalls bleiben die Märkte für globale Anwendungen fragmentiert und regional begrenzt."
Wachstumschancen in der Luftfahrt und im Straßenverkehrsmanagement
Zu den aussichtsreichsten GPS-Anwendungssektoren gehören Luftfahrt, Rettungsdienste, Telekommunikation, Telematik, Freizeitindustrie sowie See- und Straßenverkehrsmanagement und -überwachung. Besonders interessante Wachstumschancen bietet der Luftfahrtsektor. Hier ist allerdings unklar, ob sich USA und EU über internationalen Standards für das Luftverkehrsmanagement einigen können. "Wenn der Sektor optimal wachsen soll, müssen diese Probleme gelöst werden", meint Collins.
Das Segment der tragbaren Navigationsgeräte für Freizeitzwecke dürfte hart umkämpft bleiben. Dank rückläufiger Kosten für Chipsätze und sinkendem Stromverbrauch ist davon auszugehen, dass die Marktführer die Produktinnovation weiter intensiv vorantreiben. GPS-Anwendungen für Rettungsdienste sollen sich in dem Maße durchsetzen, wie die Kosten für die Technologie sinken. Für 2012 wird eine Wachstumsrate von 16 Prozent erwartet. In Ländern wie Deutschland, die umfangreiche Straßenverkehrsmanagementsysteme aufbauen, kann mit einem erheblichen öffentlich finanzierten Wachstum bei satellitennavigationsbasierten Straßenverkehrsmanagementlösungen gerechnet werden.
Mehrwertdienste sind gefragt
Als Motivation für einen Einstieg in die Märkte für GPS-Anwendungen reichen herkömmliche Navigationsfunktionen allein nicht mehr aus. Die Unternehmen müssen deshalb auch neue Mehrwertdienste anbieten, die auf spezifische Anwenderbedürfnisse zugeschnitten sind. So wird die Satellitennavigationstechnologie bereits in Bereichen wie Lagerhaltung und Flottenmanagement als innovatives Instrument zur Effizienzsteigerung eingesetzt.
Der Preisrückgang bei Navigationsgeräten wird dem Markt für GPS-Anwendungen voraussichtlich ebenfalls Impulse verleihen. Dieser Trend dürfte dazu führen, dass sich bestimmte Anwendungssegmente, die gegenwärtig noch als Premium-Märkte gelten, zu Massenmärkten entwickeln. "Die Umwälzung der GPS-Märkte wird an ihrem unteren Ende beginnen. Dort dürften die Chipsätze noch kleiner und billiger werden und so das Wachstum der Massenmärkte anheizen. Dieses Wachstum bringt allerdings nur dann höhere Umsätze für die Unternehmen, wenn die Kosten proportional zur Marktexpansion sinken", fügt Collins hinzu.
Große Player dominieren den Markt
Trotz des wachsenden Anwendungsspektrums der GPS-bezogenen Technologien wird die Zahl der Neueinsteiger im GPS-Bereich begrenzt bleiben. Die meisten neuen Wettbewerber sind größere Unternehmen wie Sony oder Toshiba, deren F&E-Budgets ausreichen dürften, um GPS-Komponenten in bestehende Produkte zu integrieren.
"Für kleinere Unternehmen werden Marktnischen gewisse Chancen eröffnen. Allerdings dürfte es diesen Wettbewerbern schwer fallen, das erforderliche kommerzielle Know-how zu erwerben", so Collins. "Daher könnte es verstärkt zur Bildung von Partnerschaften zwischen größeren und kleineren Unternehmen kommen." (as)
[ Donnerstag, 15.01.2004, 07:18 ]