Wie angekündigt hier meine ersten Eindrücke zu meinem mini D-A-CH:
Heute habe ich den mini erhalten und natürlich gleich ausprobiert. Die Verpackung macht einen äußerst durchgestylten Eindruck, fast schon wie bei Apple. Der mini selbst ist sehr gut verarbeitet, mit stabilem Gehäuse, edler Aluminium-Vorderseite und einem erstklassigen Display. Zum Ein- und Ausschalten dient ein Schiebeschalter an der Oberseite, der nach Montage in der Halterung allerdings eher schlecht zu betätigen ist, da wäre ein Druckschalter besser.
Im Lieferumfang enthalten ist Speicherkarte, Kabel, Schwanenhals-Halterung (ich fand die vorherige Halterung mit festem Kunststoffarm besser) sowie vielsprachige Kurzanleitungen (ziemlich unbrauchbar) sowie die CD mit Software und Dokumentation (zur Hardware auch in Deutsch, zur Software nur auf Englisch).
Die Art der TMC-Nutzung (vermutlich über die Bluetooth-Halterung und über Mobiltelefon, ich kann da auch nur mutmaßen) wird darin übrigens überhaupt nicht beschrieben - die Dokumentation ist also auf demselben mäßigen Niveau wie immer. Stift und Tasche sind nicht mehr dabei.
Danach habe ich die Sync-Software auf meinem PC installiert und den mini angeschlossen. Leider wurde der mini dann nicht gefunden - daher die Sync-Software neu gestartet. Daraufhin erfolgte ein Update der Sync-Software, woraufhin auch der mini gefunden wurde.
Danach wurde mir angeboten, die aktuellen Karten für Alpen und Deutschland herunterzuladen (immerhin zusammen 700 MB), was ich auch tat. Leider waren die Alpen dann gesperrt, so daß ich mir dies hätte sparen können... zusätzliche Sprachen ließen sich auch herunterladen, das Übertragen auf den mini war dann aber extrem langsam (obwohl nur 1 MB pro Sprache).
Lustig: es gibt auch Thai (ein kleines Hobby von mir), offensichlich kann diese Sprache mangels Zeichensatz dann aber in der Software auf dem mini nicht ausgewählt werden (zumindest erschien in der Auswahlliste ein Eintrag mit Kästchen statt Buchstaben).
Nun zum Fahrtest:
Ich bin lediglich kurze Strecken in der Innenstadt gefahren. Die Navigationsleistung als solche ist in Ordnung - halt genauso gut wie bei den früheren Versionen, die ich verwendet habe (Navigate 2004 und Navigate 7). Ob die Engine überhaupt geändert wurde, kann ich nicht beurteilen, jedenfalls bin ich seit Jahren mit der Streckenführung von Route 66 zufrieden.
Allerdings war die Berechnung für weiter entfernte Ziele extrem lahm, Stuttgart nach München bzw. nach Ingolstadt erforderte gut 40 oder mehr Sekunden, während beim Chicago nach 2 oder 3 Sekunden die Berechnung erfolgt war (ich bin die Strecken dann nicht gefahren, sondern wollte nur die Geschwindigkeit der Berechnung testen).
Die Darstellung auf dem Bildschirm ist ähnlich wie bei Navigate 7, allerdings ist der Zoomfaktor beim Stehen und langsamen Fahren viel zu groß, die Straßen werden viel zu groß angezeigt, ähnlich wie bei der allerersten Version von Navigate 7 (fast schon fingerdick). Die Zoomschaltflächen funktionierten bei meinem Test nur teilweise, manchmal brachte auch mehrfaches Tippen keine Änderung der Anzeigegröße.
Konnte man früher auf eine beliebige Fläche des Bildschirms tippen, um die Menüs aufzurufen, muß jetzt eine winzige Schaltfläche ganz unten links getroffen werden. Wird auf eine andere Stelle getippt, erscheint ein Modus zum Tippen auf ein Ziel, zu dem dann navigiert werden kann (ähnlich wie bei Navigate 2004 und 7). Die praktische Funktion "Zoomen zu" von Navigate 7 gibt es zwar noch, allerdings offensichtlich nicht mehr mit freier Zieleingabe.
Von der versprochenen verbesserten Kartendarstellung war nichts zu erkennen. Vielleicht ist die Karte jetzt gleichmäßiger animiert - kann ich nicht beurteilen. Dafür wirkt die Darstellung jetzt perspektivisch irgendwie seltsam und verzerrt, mir hat Navigate 7 da jedenfalls besser gefallen.
Die Menüs sind jetzt umständlicher verschachtelt als zuvor und teilweise "durchscheinend" oder "transluzent" ausgeführt, so daß im Hintergrund noch schwach die Karte zu erkennen ist. Das soll wohl schick sein (ähnlich wie bei Vista), beeinträchtigt meines Erachtens aber die Lesbarkeit speziell angesichts der hellgrauen Schrift und ist letztlich sinnlos. Die Menüs gleiten jetzt mit einer Animation ins Bild, was aufgrund der offensichtlich fehlenden Rechenleistung aber immer mit einer kleinen Pause erfolgt.
Nach einem kurzen Zwischenstop mit ausgeschaltetem Gerät (offensichtlich läßt es sich nicht mehr per Software herunterfahren, sondern nur mechanisch ausschalten) wurde dann kein GPS-Empfang mehr erreicht. Selbst nach 10 Minuten konnten keine Satelliten gefunden werden, obwohl die Software weiterhin bedient werden konnte. Nach einem Reset ging es dann wieder, auch die Zoom-Schaltflächen funktionierten jetzt plötzlich wieder normal.
Fazit: viel zu schwacher Prozessor, Software eher schlechter als zuvor (vermutlich auch instabiler?), miserable Dokumentation und keine vernünftige Kommunikation mit den Kunden. Zuerst kann niemand mitteilen, wann die Geräte verfügbar sind, dann kommen sie plötzlich ohne Ankündigung und ohne brauchbare Dokumentation auf den Markt.
TMC scheint offensichtlich nur mit Bluetooth-Cradle (100 Euro) und Freischaltung (30 Euro) zur Verfügung zu stehen, der Eingang für die TMC-Antenne am Gerät ist verschlossen. Wie TMC genutzt werden kann, verrät weder die Dokumentation noch die Website. Aber kommentarlos bestellen kann man es schon über die Sync-Software...
Theoretisch ließe sich TMC auch durch einen Empfänger im USB-Kabel realisieren (ich habe sogar einen solchen GNS-Empfänger, der meinem Falk beilag, von Route 66 jedoch nicht erkannt wurde).
Daher: Ich hatte die Wartezeit auf den mini mit dem Kauf eines Falk N100 überbrückt und mir nachträglich noch die Europakarten dazu bestellt.
Nach über 3 Jahren mit Route 66 (seit Navigate 2004 bin ich gern damit gefahren) werde ich den mini zurücksenden und künftig nur noch den Falk verwenden. Der bietet eine benutzerfreundliche Software, gute Hardware mit TMC per Antenne, einen Sirf III und 400 MHz sowie Karten für ganz Europa (einschließlich Osten).
Route 66 hat mit der lahmen neuen Hardware, dem unnötig komplizierten neuen Navigate 8, dem abstrusen TMC-System und der unbrauchbaren Dokumentation jedenfalls ein Produkt vorgelegt, das ich nicht nutzen werde.
Wer seinen Chicago noch hat, mag diesen weiternutzen... der mini hat mich jedenfalls nicht überzeugt.