Nach meinen navigatorischen Anfängen mit einem Aldi PDA mit dem Medion Navigator, ein Gerät über das ich mich nur geärgert habe, nutze ich seit zwei Jahren einen TomTom One der ersten Generation, mit dem ich bislang recht zufrieden war. Aber jetzt ist der Lautsprecher kaputt, ich finde die Quittung nicht mehr, die Deutschlandkarte ist veraltet und in letzter Zeit lässt sich der One immer öfters nicht mehr einschalten. Die optische Anzeige funktioniert hingegen immer noch, so lasse ich mich vorübergehend von einem stummen Navigator leiten.
Also Zeit für ein neues Navi. In den einschlägig bekannten großen Märkten habe ich mir sämtliche Geräte angesehen. Eine einfache, intuitive Bedienung, so dass man die wichtigsten Funktionen des Gerätes ohne Studium der Anleitung nutzen kann, und vernünftig große Tasten, mit denen man auch während der Fahrt eingaben machen kann sind mir dabei wichtig. Letzteres war das KO-Kriterium gegen die Navigon Geräte, die mir sonst vom Funktionsumfang her sehr gut gefallen haben. Weitere Nebenbedingung: Gerät muss mit einem Mac nutzbar sein, um Firmware und Karten aufzuspielen und POI zu laden.
Bleiben TomTom One und Go sowie die Garmin nüvi Serie übrig. Eigentlich war ich trotz der gelegentlichen Ausfälle mit dem TomTom One zufrieden, wollte eigentlich dabei bleiben, der One hat mich immer zuverlässig ans Ziel geführt - bis auf eine der letzten Fahrten.
Ich lasse mich in einen mir völlig unbekannten Ort namens Wachenheim navigieren. Nach Eingabe von "Wachenh" präsentiert mir mein One, zu dem Zeitpunkt noch mit der Firmware 5.4x, schon das Ergebnis, Wachenheim, also los. Ich werde zwar etwas stutzig, weil er die Straße nicht kennt, aber zur Not kann man sich ja vor Ort durchfragen, ist vielleicht nicht für PKW zugelassen, egal, ich bin schon spät dran, fahre los.
In Wachenheim angekommen, finde ich am Ortseingang leider nicht, wie sonst hier oft zu finden, eine Karte, also fahre ich etwas suchend durch den Ort und lande schließlich an einer Tankstelle. Frage: "Wie komme ich hier zum Schloß?". Antwort: "Haben Sie ein Navi?" - "Ja." - "Sie sind im falschen Wachenheim, Sie müssen nach Wachenheim an der Weinstraße, 30km von hier entfernt".
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Also wieder ins Auto, den TomTom angeschmissen und "Wachenh" eingetippt, wieder erscheint Wachenheim als erstes Ergebnis, gefolgt von "Wachenhofen". Ich blättere mich weiter runter in der Liste (bei FW 5.4x bleibt immer die Tastatur eingeblendet, man sieht nur jeweils zwei Zeilen des Ergebnisses) und tatsächlich, hinter Wachenheim, Wachenhofen und Wachenhausen erscheint schließlich Wachenheim an der Weinstraße, nach welcher Logik ist denn bitteschön diese Liste aufgebaut?
Damit ist meine Entscheidung gefallen, mein neues Navi wird ein nüvi. Nach kurzer Überlegung, brauche ich TMC oder gleich TMCpro, bald ist ein neuer Firmenwagen, evtl. mit eingebautem Navi, fällig, ergibt ein Angebot in einem Geschäft die Entscheidung zugunsten eines nüvi 250.
Da der TomTom noch funktioniert, zumindest von der Anzeige her, und per Kopfhörer auch noch ein Ton zu hören ist, fordert das geradezu zu einem Vergleich dieser beiden Geräte heraus. Ich weiß, vielleicht kein fairer Vergleich, werden doch immerhin Geräte aus verschiedenen Generationen, unterschiedlichem Kartenmaterial und verschiedener Ausstattung miteinander verglichen, aber dafür habe ich die Möglichkeit diese Geräte in der Praxis miteinander zu vergleichen.
Es treten an:
TomTom One aus der ersten Generation (schwarzes Gehäuse) mit Anwendung 7.161 und Deutschland-Map v605.0
Garmin nüvi 250 mit Software Version 3.50 und City Navigator Europe NT v9
Fahrzeughalterung: Die Halterung das TomTom One ist viel zu klobig und hält nicht immer, letzteres muss Garmin noch beweisen, bisher keine Probleme. Sieger Garmin.
Einschalten: der TomTom ist viel schneller startklar, das war er auch schon vor Aufspielen der SatFix Datei. Gut, er hat eine kleinere Karte zu laden, aber der Garmin lässt sich auch nach dem laden der Karte mehr Zeit mit dem finden der Satelliten. Beide Geräte sind im Original-Halter an der nicht metallbeschichteten Frontscheibe meines Wagens montiert. Der nüvi nervt zudem mit der permanenten Abfrage, ob ich die auf der SD-Karte gespeicherten POI in das Gerät übertragen will, diese Abfrage lässt sich offenbar nicht ausschalten. Sieger: TomTom.
Zieleingabe: für Adressen Gleichstand zwischen den Geräten, bei der Suche nach POI bin ich unentschieden, bei TomTom sind die in der Liste der normalen OVI, damit schneller zu erreichen, aber die Liste wird recht lang, im nüvi finden sich die POI unter "Extras -> Benutzer-Sonderziele". Mit der aktuellen Firmware erlaubt TomTom nun auch endlich, das Ziel vorher auf der Karte anzusehen und fängt nicht sofort an die Route zu berechnen, finde ich gut. nüvi macht es genauso. Unentschieden.
Geschwindigkeit der Routenberechnung: bei beiden schnell genug. Unentschieden.
Optionen der Routenberechnung: TomTom bietet mehr Möglichkeiten. Der Garmin wirkt sachlicher, lässt aber einige Funktionen vermissen. Insbesondere, das man keine Autobahnen vermeiden kann, ohne gleichzeitig die Bundesstrassen zu nutzen, ist ein schwerwiegender Mangel des Garmin, der unbedingt mit einer der nächsten Firmware-Versionen behoben werden muss. Es gibt einfach Situationen, da möchte ich auch als Autofahrer die Autobahnen vermeiden. Ein kleines Plus für Garmin, weil man Fähren explizit vermeiden kann. Plus für TomTom, weil man vor der Berechnung noch mal nach den Optionen gefragt wird und diese nicht wie bei Garmin übers Menü suchen muss. Dafür kann man bei Gramin die kürzeste Route verwenden, das gibt bei TomTom meistens unbrauchbare Routen. Eindeutiger Sieger: TomTom.
Qualität der Routenberechnung: Mit beiden kommt man ans Ziel (mit dem TomTom jedenfalls, wenn man genau genug ist bei der Eingabe). Garmin rechnet sehr Autobahnlastig, das kann in manchen Gegenden von Vorteil sein, anderswo von Nachteil. Hier in meiner Region, wo ich mich gut auskenne, empfinde ich die Autobahnpräferenz des Garmin von Nachteil, neulich in einer fremden Stadt hat mich TomTom auf dem Hinweg quer durch die Stadt gelotst, Garmin auf dem Rückweg über die Autobahn, was mir in diesem Fall lieber war. Insgesamt unentschieden mit leichten Vorteilen für Garmin.
Neuberechung der Route: Eine Wohltat bei Garmin, Kehrtwenden ausschließen zu können. Die Neuberechung ist bei beiden schnell genug. Garmin wählt lieber größere Strassen, TomTom versucht einen manchmal auch durch kleine Straßen zu leiten. Sieger: Garmin.
Feintuning der Route: Zwischenziele/POI entlang der aktuellen Route suchen beherrscht der TomTom besser als Garmin. Auch die Möglichkeit, Teilrouten von vornherein zu sperren und nicht nur von der aktuellen Position aus einen Abschnitt zu sperren ist ein sehr nützliches Feature von TomTom. Auch das Original neu zu berechnen und damit die Zwischenziele zu löschen kann nur der TomTom. Dafür sagt Garmin an, wenn man an einem Zwischenziel angekommen ist, TomTom leitet einen gleich weiter, ohne das man weiß das man das Zwischenziel schon erreicht hat, was man bei manchen Zielen ja nicht unbedingt erkennt. Sieger. TomTom.
Kartenanzeige: mittlerweile bin ich beim TomTom dazu übergegangen die 2D Anzeige zu benutzen, man sieht dabei einfach mehr. Die Kartendarstellung selber finde ich bei TomTom hübscher, bei Garmin etwas sachlicher, vom Magenta der Route mal abgesehen. Garmin punktet mit dem Kreuzungszoom, der bei nahe beieinander liegenden Abzweigungen auch schon die übernächste Aktion anzeigt. Die 2D Anzeige ist auch bei Garmin schnell genug, die 3D Anzeige beim nüvi hängt dem tatsächlichen Standort aber immer etwas hinterher. Die Nachtanzeige finde ich bei Garmin besser, die automatische Umschaltung ist gut gelöst. Sieger: Garmin.
Anzeige weiterer Details: Beim TomTom kann ich selber wählen, welche POI ich anzeigen lassen möchte, das kann Garmin leider nur bei bestimmten Zoomstufen. Ist für mich wichtig, da ich den Firmenwagen nur mit einer Tankkarte betanken darf, da ist es hilfreich an der Autobahn zu sehen welche Marke an der nächsten Tankstelle verkauft wird. Die Einblendung des Kompaß in die Karte mag ich auch, und das ich nicht nur die Ankunftszeit sehe, sondern auch die Entfernung bis zum Ziel und die gefahrene Geschwindigkeit finde ich gut. Sieger: TomTom.
Akustische Ansagen: (TomTom wird hierbei mit Kopfhörer getestet) Meistens sind die Ansagen bei Garmin präziser und kürzer, auf TTS kann ich verzichten. Garmins Ansage der Entfernung bis zur nächsten Aktion am Beginn finde ich gut, die Ansagen kommen bei Garmin besser getimed, TomTom verwirrt ab und zu mit zu frühen Ansagen. Stimme und Lautstärke sind bei beiden ok. Sieger: Garmin.
Anzeige der Abbiegeinformationen: Hier zeigt Garmin nicht nur die Autobahn, sondern auch die Richtung, dafür zeigt TomTom bei manchen Bundesstrassen deren Nummer an, Garmin teilweise nur einen Namen "Südumgehung", die natürlich nirgends steht. Die Anzeige der Route als Text kann Garmin viel besser, hier werden die Entfernungen immer aktualisiert, TomTom liefert nur eine statische Liste. Sieger: Garmin.
Sonstiges:
- Der nüvi schaltet sich, wenn er am Ladekabel angeschlossen ist, ein sobald die Zündung an ist. Gut wenn man draußen steht und sofort losfahren will, schlecht wenn man im Parkaus steht und noch einige Zeit keinen Satellitenempfang hat. Hilft nur den Stecker aus der Steckdose zu ziehen.
- Im Navteq Kartenmaterial sind auch Wanderwege enthalten, das kompaktere Format und die längere Akkulaufzeit erlauben auch, den nüvi bei einer Wanderung mitzunehmen.
- Viele der sonstigen Funktionen des TomTom nutze ich nicht. Meine alte Karte ist leider nicht MapShare fähig.
- Blitzer habe ich auf dem nüvi noch nicht geladen, daher kein Vergleich dieser Funktion.
Fazit:
TomTom bietet viele interessante Funktionen. Sperren von Abschnitten auf der Route fehlt mir beim Garmin am meisten. Der Autobahn-Bug wird hoffentlich bald beseitigt, in einem BMW Motorradnavigator hat Garmin ja schon gezeigt das sie es können. Auch eine bessere Navigation zu Punkten entlang der Route sollte Garmin ermöglichen. Den wichtigsten Punkt, Berechnung, Visualisierung und Ansage der Anweisungen, beherrscht Garmin etwas besser.
Durch den Defekt meines TomTom und die vielen negativen Berichte in den Foren (schon klar, in den Foren schreiben meistens nur die unzufriedenen), die auch im Vergleich eher gegen TomTom sprechen, gebe ich jetzt dem nüvi die Chance mich zu leiten.
Was ich mir von der Software für dieses Gerät wünsche: Trennung der Aussschlüsse von Autobahnen und Bundesstrassen sowie Sperre von Routenabschnitten. Hinsichtlich neuer Geräte wäre ein Gerät wie der nüvi 250 mit TMC(Pro) interessant. Dessen etwas schlankeres und vor allem dunkleres Gehäuse gefällt mir besser als das der 3x0 Serie, Breitbild wie beim 6x0 und 7x0 brauche ich nicht, ebenso wenig wie Freisprechanlage oder mp3.
Zum Schluß noch ein Tipp: die für Navigationsgeräte angebotenen Taschen sind teilweise nicht die günstigsten, der nüvi 250 passt aber perfekt in den hama Camera-Bag "Fancy Turnover" der Größe DF21. Eine weiche Stofftasche, bietet keinen Schutz gegen Stürze oder ähnliches, aber einen Schutz vor Kratzern bei Transport in der Jackentasche oder Ablage im Handschuhfach. Ist eigentlich für Digitalkameras gedacht und findet sich dementsprechend in der Fotoabteilung, für 9,99 eine durchaus gute Tasche für ein "kleines" nüvi.