AIS2Ozi

  • Hallo,


    ich bin durch Zufall auf das Programm AIS2OZI aufmerksam geworden.


    http://www.frada.net/ais/ais.htm


    Gibt es jemanden, der damit schon praktische Erfahrungen gemacht hat?


    Mich würde auch die Funktionalität mit verschiedenen technischen Ausrüstungen interessieren.


    Danke für Eure Antworten!


    tommy

    3 Mal editiert, zuletzt von tommy123 ()

  • Das sieht ja interessant aus.
    Equipment wird ja beschrieben - VHF Antenne ist ja nicht so teuer, aber was kostet die AIS Box ?

  • Bei Kompass kostet die AIS-Box 200 und die Antenne 75 .


    Es scheint aber Probleme mit dem Programm zu geben.


    tommy

  • Hier mein Erfahrungbericht mit AIS2OZI:


    Der einfache AIS-Empfänger "AIS-Engine" war bereits vorhanden.
    Zum Ausprobieren habe ich mir AIS2OZI gekauft, da ich eine möglichst komplette Navigationslösung nur für den PPC haben wollte. Für ein Boot mit beschränkten Platzverhältnissen ist AIS2OZI besonders interessant, da ein echtes Radargerät hier normalerweise aus Platz- und Kostengründen nicht zum Einsatz kommt. Nebenbei bemerkt ist der Nutzen von AIS nach meiner Meinung für den Nicht-Profi größer als der eines Radargerätes mit einer Mini-Antenne (45cm).


    Der technische Aufbau bei unserem Boot ist wie folgt:
    Garmin12 (im Gegensatz zu meinem Holux236 immer zuverlässig!) im Außenbereich, über Kabel/NMEA mit dem DSC-Funkgerät und parallel mit der AIS-Engine verbunden. Der PPC (IPAQ2210) ist dann wiederum mit dem NMEA-Ausgang der AIS-Engine verbunden. Alle Komponenten werden über Bordstrom versorgt.


    Die Komponenten, inkl. Funkgerät im Leerlauf, verbrauchen zusammen ca. 500mA Strom.


    Die AIS-Engine ist bei uns in der Regel an der Seefunk-Notantenne angeschlossen. Die schränkt den Empfangsradius mit ca. 3-4 sm aber sehr ein. (Dies ist aber immer noch besser als bei einem Spielzeugradar und das noch bei jedem Wetter!)
    Mit der normalen Seefunkantenne in ca 10m Höhe geht es erheblich besser (Radius 15-20 sm). Aus Kostengründen haben wir uns (noch) nicht für einen Antennensplitter entschieden, der eindeutig die bessere Lösung wäre.


    Die AIS-Engine gibt die NMEA-Sätze des GPS weiter und fügt noch einen eigenen NMEA-Satz für die AIS-Werte hinzu. Alle GPS-fähigen Programme auf meinem PPC kommen damit zurecht. Die AIS-Engine muss natürlich immer angeschaltet sein, sonst funktioniert nichst mit GPS!


    Nach dem Aufruf von AIS2OZI muss leider jedes Mal der Port des PPC erneut gewählt werden. Das Programm merkt sich nichts. Das Beenden von AIS2OZI ist ebenfalls nicht ohne, da dies nur bei exaktem Einhalten der Prozedur ohne Absturz möglich ist. (Erst About und dann Exit)
    Zwei Macken, die unnötig sind.


    Zur weiteren Erklärung, hier noch ein paar allgemeine Worte zu AIS:
    Jedes größere Schiff (ab 300 BRT) muss AIS-Signale aussenden (Ausgenommen natürlich: Die Bundeswehr). Diese Signale kommen nur sequentiell in bestimmten Zeitfenstern, die u.a. von der Schiffsgeschwindigkeit abhängig sind. Schnelle Schiffe senden öfter, langsame oder vor Anker liegende Schiffe senden seltener.


    Dies bedeutet, dass man unter Umständen sehr lange warten muss (20 Minuten sind keine Seltenheit) bis annähernd alle Schiffe, die in Empfangsreichweite sind, auch von AIS2OZI gelistet sind. Dies ist kein Fehler von AIS2OZI, sondern systembedingt und kann im gewissen Rahmen durch einen leistungsfähigeren (und teureren) AIS-Empfänger geringfügig verbessert werden.


    Alle wichtigen Daten der Schiffe werden angezeigt, wie z.B. Position, KüG, FüG, Name, Zielhafen, Länge, Breite usw. Auch die so genannte MMSI der einzelnen Schiffe werden angezeigt. Die MMSI ist praktisch die Telefonnummer im Digital-Seefunk (DSC), so dass der Sportschiffer in der Lage ist, ein Schiff in seiner Nähe direkt anzusprechen. Aus Sicherheitsgründen ist AIS auch deswegen eine enorme Verbesserung.
    Wenn man als Segler (also mit sehr eingeschränkter Geschwindigkeit) z.B. den großen Belt überqueren möchte, kann man mit Position, FüG und KüG der Schiffe schon sehr gut abschätzen, ob und wie eine Querung möglich ist.


    AIS2OZI hat leider keine eigene Möglichkeit, die Schiffsbewegungen und Positionen in einer einfachen Grafik darzustellen. Diese ist in Praxis (die westl. Ostsee ist gut befahren) aber unbedingt nötig, um eine schnelle Übersicht zu bekommen.
    Zu diesem Zweck wird von AIS2OZI das Programm OziCE intern aufgerufen (Das man natürlich noch zusätzlich kaufen muss).
    Da sich AIS2OZI und OziCE den seriellen Port nicht teilen können, wird OziCE ohne eigene GPS-Funktionalität aufgerufen.
    Die Karten von OziCE können verwendet werden und alle Schiffe und die eigene Position (nur bei eingeschaltetem GPS) werden als Symbole dargestellt.


    Soweit hört sich alles noch gut an.


    Das Problem bei AIS2OZI ist die praktische Umsetzung:
    2 kleinere Macken habe ich bereits genannt.
    Ich habe das Programm eine Saison getestet. Es lief nur mit dauernden Abbrüchen (spätestens nach 20 Minuten kommt eine NMEA-Satz-Fehlermeldung), die von mir nicht eindeutig interpretiert werden konnten. Tatsache ist aber, dass das Programm dann vollständig stoppt und leider zusätzlich exakt nach Anweisung beendet werden muss, sonst ist ein Reset fällig.
    Auch NMEA-Sätze des GPS können ein Abbruch-Grund für AIS2OZI sein.


    Wenn man OziCE direkt ohne AIS2OZI startete gab es nie einen Abbruch oder Fehlermeldungen, obwohl auch in diesem Fall die Daten über die AIS-Engine weitergereicht wurden.
    AIS2OZI ist auf jeden Fall nicht genügend fehlertolerant. Das Programm bricht ab, alle bis dahin gelisteten Daten zu den Schiffen müssen erneut langsam eingelesen werden. Die Schiffssymbole auf der Karte kommen auch erst nach einiger Zeit wieder zum Vorschein.


    Ein weiterer großer Nachteil ist, dass OziCE ohne eigenen GPS-Anschluß läuft und von daher weder einen vernünftigen Pointer hat, noch z.B. Tracks aufzeichnen kann. OziCE ist nur noch passiv und man kann daher die meisten Funktionen nicht mehr nutzen. Schnell zwischen direktem OziCE und AIS2OZI umschalten geht auch nicht, da AIS nun mal seine Zeit für die Signallistung braucht (s.o.).


    Bei den verwendeten Symbolen für die Schiffsdarstellung geht es unschön weiter:
    Die Schiffssymbole können nicht kontinuierlich entsprechend des KüG gedreht dargestellt werden. Es stehen nur 8 Richtungen (alle 45 Grad) zu Verfügung, was zu grob ist und eine optische Auswertung des KüG der Schiffe mit großen Fehlern behaftet.


    Hier sind folgenschwere Fehlinterpretationen möglich! (Eindeutige Kollisionskurse können z.B. nicht erkannt werden)


    Unglücklicherweise wird der KüG auch für die Ausrichtung der Schiffssymbole bei Stillstand der Schiffe benutzt. Dadurch wird die Ausrichtung z.B. eines vor Anker liegenden Schiffes völlig unsinnig dargestellt. Bei einem Schiff ohne Fahrt über Grund muss normalerweise der Heading-Wert (Kreisel-Kompass-Kurs) für die Ausrichtung benutzt werden. (Oder ein richtungsunabhängiges Symbol) Schließlich soll der Sportschiffer ein bestimmtes Schiff auch eindeutig optisch identifizieren können. Wenn die Symbolrichtung mit der tatsächlichen, sichtbaren Ausrichtung des Schiffes nicht übereinstimmt gibt es unnötige Unsicherheiten.


    Zusammenfassend meine Meinung über AIS2OZI:
    Netter Ansatz, aber Ziel verfehlt!
    Das Programm ist für mich eine unausgereifte Beta-Version, die ihre Registrierung nicht Wert war. Unter About gibt der Programmierer dann auch eine Anweisung, wie man bei einem Programmcrash vor zu gehen hat. Auch dies deutet für mich in Richtung Beta.

    Für ernsthafte Anwendung auf einem Boot ist die Software nur sehr beschränkt einsatzfähig. Ich nehme mal an, dass AIS2OZI für den Einsatz auf einem Boot gedacht war. Für diesen Einsatzfall ist es meiner Meinung nach eher ein Sicherheitrisiko, da es durch ständige Fehler dauernd beachtet und bedient werden muss. Die eigentliche Navigation kommt dadurch leicht mal zu kurz. Das man die sonstigen Navigationsfunktionen von OziCE nicht gleichzeitig benutzen kann, macht die Sache nicht besser.


    Kann auch sein, dass das Programm nur zum Spielen gedacht war; die integrierte Bilddatenbank deutet in diese Richtung.


    Ich habe die Programmversion vom April 2006. Mir ist nicht bekannt, ob es ein Update gibt. Der Programmierer von AIS2OZI hat sich auch nicht mehr gemeldet. Von daher nehme ich an, dass dieses Projekt tot ist.


    Grundsätzlich finde ich es sehr gut, wenn mit dem PPC auch AIS verarbeitet werden kann. Da man wahrscheinlich nicht unbedingt mit 2 PPC arbeiten möchte, ist die beste Lösung, wenn AIS in ein allgemeines, kostengünstiges Navi-Programm, wie OziCE echt integriert werden könnte.
    Navigation und AIS müssen gleichzeitig laufen können!
    Jede andere Lösung ist unpraktikabel.
    Auf dem Wasser geht Betriebssicherheit vor Funktionsvielfalt. Dieser Grundsatz muss auch beachtet werden.


    Ich nehme mal an, dass es zu kostengünstigen Programmen, wie OziCE, auch zukünftig keine guten AIS-Lösungen geben wird, da die Nachfrage zu gering ist. Add-On-Lösungen, wie AIS2OZI haben zu große Nachteile.
    Aber vielleicht gibt es ja jemanden, der ein AIS-Einzelprogramm mit einfacher Grafik für PPC entwickelt.
    Dies dürfte nicht ganz so aufwendig sein, wäre aber schon enorm hilfreich.
    Mit Hilfe von VIRTCOM als Port-Splitter, könnte man dann Navigation und AIS parallel betreiben.


    Tritonnavi

  • Danke
    Das ist ja eine echt umfangreiche "Abhandlung".


    Ob ich mir das antun werde ? - Wohl eher nicht !

  • Tja schade nur, dass diese "Tiefwasser Fahrer" >300 BRT zumeist gar nicht das Problem sind, da die ja eher selten die Wege verlassen ....


    sondern eher Fischer, kleine funzlig beleuchtete Kümos, NL Seelenverkäufer (vulgo historische) , damit bleibt es in meinen Augen eher Spielzeug.


    Als autarkes Gerät mit Alarmton sicher etwas für Blauwasserschläfer .


    cu,dehlya

  • Na ja,
    man muss eben die Grenzen dieser Technik kennen.
    Die angesprochene reine AIS-Empfangstechnik kostet auch nur ca 10 Prozent einer Spielzeugradaranlage und die Antenne kann im Gegensatz zur Radarantenne auch auf kleineren Booten problemlos installiert werden bzw ist schon vorhanden.
    Vom Stromverbrauch ganz zu schweigen.


    Wenn du stark frequentierte Wasserwege, wie z.B. von Osten zum Kieler Hafen (N-O-Kanal) oder den großen Belt bei etwas schlechterer Sicht queren muss (und das müssen viele), triffst du hier seltener kleine Fischerboote an und freust dich über ein Spielzeug mit dem du sehr rechtzeitig und ohne Interpretationsschwierigkeiten sieht, was da noch kommt.
    Wenn du nur abseits dieser Wasserstrassen oder im Uferbereich fährst, hast du recht: da kann man AIS abschalten.


    tritonnavi

  • Ich weiß nicht wie und wo Du da unterwegs bist, aber gerade KO Weg und Co hat doch wirklich kein Gefährdungspotential für Segler bis auf ein paar notwendige Querungen.
    Die Richtung der BS ist definiert, und die Geschwindigkeit ist auch nicht so schwer zu schätzen, selbst Anfänger können das mit Peilkompass und Stoppuhr-
    Und sich bei Suppe darauf zu verlassen, dass die AIS Transponder Deiner Umgebung zuverlässig funktionieren , danke auch. Da halte ich mich mit meinen 1,7m TG doch lieber frei neben dem Weg.


    Zumal nicht ausrüstungspflichtige ebenfalls unsichtbar bleiben.


    Ich bleibe dabei:


    Erheblich Gefährdungen gehen in der Ostsee eher von den nicht Ausrüstungspflichtigen aus. Da gab es auch Zahlen von Pantenius zu dem Thema. (2003?)


    Und "kleine Fischerboote" oder gar Anglerboote meine ich gewiss nicht. Die meisten meiner "knappen" Begegnungen bei Suppe hatte ich mit 70-120 BRT Fischern, 200-300 BRT Kümos , Baggerschuten und in den letzten Jahren mit den oben erwähnten "Miet Holländern"


    Und da hatte ich schon Muffe mein Boot zu versenken- da wäre ein Spielzeugradar schon hilfreich gewesen-zumal die JRCs im Nahbereich sehr gut funktionieren.


    Aber letztlich Toppgewicht oder Bügel im Heck, das muss ich nicht haben-


    Ist ja auch bisher gut gegangen.... aber über aktiven Reflektor habe ich tatsächlich schon nachgedacht- nützt bei der oben erwähnten Truppe nicht immer, da die gerne "Wartungsmodus" fahren

  • Hallo dehlya,


    zum jetzigen Zeitpunkt hast Du mit Deinen Bedenken wegen der noch vielen Nichtausrüstungspflichtigen ja Recht! Aber AIS ist eine Technik im Aufbau.
    Eine wie ich finde gute Abwägung über das grundsätzliche Für und Wieder von AIS auf Yachten findet man hier:


    http://www.mulon.de/sailing/pa…_Technik_und_Nutzen_1.pdf


    Meine Frage ist aber nicht grundsätzlicher Natur, sondern die von Erfahrungen mit ais2ozi!


    Deshalb meine Bitte, beim Thema zu bleiben und einen herzlichen Dank an tritonnavi für seinen ausführlichen Erfahrungsbericht!


    tommy

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