Hallo,
neugierig, wie ich bin, habe ich mir vor einigen Tagen -auch in Anbetracht des deutlich gesunkenen Preises- mal den Nüvi 350 bestellt.
Sein grundlegendes Konzept mit deutlicher und klarer Navigationsanzeige, seine perfekte Grösse und viele seiner Features überzeugten einfach auf dem Papier.
Insibesondere "Text-to-Speech" ist das für mich interessanteste Feature, das -so zumindest meine Hoffnung- in vielen Fällen einen Blick aufs Display ersparen kann und zusätzliche Sicherheit in die Navigation bringen kann.
Nun, gestern kam er. Voller Freude das Paket aufgemacht, den kleinen "Schatz" -er kam mit vollgeladenem Akku- gleich angemacht und auch innerhalb von weniger als zwei Minuten den Satfix komplettiert gehabt.
Prima.
Das liess sich gut an.
Das Teilchen konfiguriert, persönliche Vorlieben eingestellt (soweit machbar) und dann gings auch schon los - hier in Spanien - mit der Verwunderung.
Von zuhause aus durch unsere mittelgrosses Nachbarort zur Autobahn und auf dieser weiter nach Valencia.
Schon bei der Durchfahrt des Nachbarortes wurde mir leicht schwindelig.
Statt der seit Bestehen des Ortes vorhandenen Ortsdurchgangsstrasse (gerade von einem zum anderen Ende des Ortes durchgehend und für jede Art von Nutzung freigegeben, weil vierspurig), machte Nüvi eine Ortsbesichtigung. Am Anfang dieser langen, geraden Strasse war Abbiegen mitten ins alte Ort hinein angesagt, über den Marktplatz durch schmale und schmalste Strassen führte er mich, um am Ende der Ortschaft dann auf die vorher geschmähte Hauptstrasse zurueckzukommen.
Sinnlose Kurverei.
Und das in allen verfügbaren Modi, ob schnellste oder kürzeste Strecke, ob als LKW oder PKW, immer (selbst den eingestellten LKW schickte er über die für LKWs gesperrte innerörtliche Strecke -die in Anbetracht ihrer Strassenbreite für LKWs absolut unpassierbar ist -weil zu eng).
Einzige Abweichung: bei eingestelltem PKW zeigte Nüvi mir noch ein paar mehr Strassen im Ort, bei LKW blieb er auf der einen etwas kürzeren -aber ebenso sinnlosen- Strecke.
Verwunderung pur, weil nicht nur in diesem Ort so passierend.
Vor mehr als drei bzw. vier Jahren eröffnete Strassen kennt er nicht, Kreisverkehre,die seit ebenso langer Zeit vorhanden sind, ignoriert er. Das Kartenmaterial von Spanien ist hoffnungslos überaltert, unser Haus steht seit zehn Jahren an einer öffentlichen Strasse, die er zwar zum Teil als Strich kennt, deren Namen er aber nicht wissen mag.
Ausfahrten aus dieser Wohnsiedlung (seit den Zeiten der Mauren in Spanien so vorhanden
kennt er nur als unterbrochene Strasse und kann sie deshalb nicht nutzen (man fährt auf nicht kartographiertem Gebiet). Schlichtweg -obwohl sich unser Ort und seine Umgebung im angeblich voll erfassten Gebiet befindet- unzureichend und für eine sinnvolle Navigation nicht nutzbar.
Und die Ansage im "Text-to-Speech-Modus": einfach köstlich und immer einen Brüller wert.
Im Display erscheint korrekt: "links auf die CV-745"
Eigentlich klar (CV heisst Carretera Valenciana und entspricht einer deutschen Landstrasse).
Nur Nüvi sagt nicht "links auf die CV 745", NEIN, Nüvi sagt:
"links auf die C FÜNF MINUS 745",
liest den Bindestrich laut als "Minus" vor und das "V" als "Fünf".
Und das immer.
Kopfschütteln ob dieses Bugs ist angesagt.
Doch es geht weiter:
Statt der erhofften Ansage "fahren Sie auf die A 7 Richtung Valencia"
(die auch nur als "A7" -also spanische Autobahn- ausgeschildert ist), kommt die Ansage "fahren Sie auf die Autopista Mediterraneo in Richtung Balencia".
"Balencia" mag ja noch gehen, nur eine "Autopista Mediterraneo" ist nirgendwo ausgeschildert, da steht nur "A7". Wers nicht weiss, steht vor einer Frage.
Das ist n etwa so, als würde das Ding in Deutschland nicht sagen "fahren Sie auf die A 45", sondern "fahren Sie auf die Sauerlandlinie". Wers weiss, checkt, was gemeint ist, wer ortsunkundig ist, kann mit einem solchen Begriff nichts anfangen, weil nirgendwo auf Schildern oder in einer Karte verzeichnet.
Unsinn also.
Nun, die merkwürdigen Interpretationen gingen weiter, das nette Kerlchen Nüvi wuchs mir so sehr ans herz, dass ich ihn nicht weiter dem grellen Tageslicht aussetzen wollte und ihm aus Freude über seine Leistung eine kleine Reise durch Europa spendiert habe. Er ist jetzt wieder gut geschützt in seiner warmen Papp-Kiste und geht morgen auf den Weg zurueck zum Händler in Berlin.
Mir ists ein Rätsel, wie ein grosser Hersteller wie Garmin solche eklatanten Fehler in einem ja nun nicht erst gestern erschienenen Gerät nicht ausmerzt, sondern offenbar über einen langen Zeitraum mitschleppt.
Gruesse
Guenter