Smartst 2006

  • Hallo Ulrich,


    ich habe hier noch eine etwas umfangreichere Basic-Info auf meinem Rechner gefunden, die ist hoffentlich ganz klar und der Unterschied Mobile-Systeme versus fest eingebautem System ist auch dabei, ich habe es hier einfach reinkopiert: ;D


    Ein Navi besteht grundsätzlich aus 4 Komponenten:


    1. Hardware
    2. Betriebssystem
    3. Navigationssoftware
    4. Kartenmaterial


    1. Zur Hardware gibt es nicht viel zu sagen oder? Ach ja, die kommt bei vielen Herstellern von Mitac auch wenn man es nicht auf den ersten Blick sieht.


    2. Wo das Betriebssystem Windows CE herkommt, braucht nicht näher erklärt zu werden, nur so viel: es ist kein Standardsystem, wie das Windows auf dem PC oder PocketPC, sondern das Bindeglied zwischen einer individuellen Hardware mit individuellen Tasten, dem GPS-Empfänger, der DigiCam bei Navman, dem TMC-Tool etc und den WinCE Standardtools wie Touchscreen, Lautsprecher, Speicher, Multimedia etc. Die überwiegende Zahl der Systeme basiert auf WinCE.


    3. Die Navigationssoftware auf Basis Windows CE passt immer nur zu einer bestimmten Hardware - siehe oben und ist die eigentliche Entwicklungsleistung des Navi-Herstellers und die Bedienoberfläche, die der Kunde sieht. Da die Kartendatenbanken sehr umfangreich sind und nie auf die kleinen Festplatten oder Speicherkarten passen würden, ist die Komprimierung der Kartendatenbank und die Dekomprimierung während der Navigation das gut gehütetes Geheimnis des Navi-Herstellers. Diese Entwicklungsphase dauert ca. 6 Monate, daher haben neue Systeme einen Kartenstand, der mindestens ein halbes Jahr alt ist. Software für PDAs oder Mobiltelefone ist entsprechend adaptiert.


    5. Das Kartenrohmaterial kommt in jedem Fall von Navteq oder TeleAtlas. Der Kartenhersteller bringt die Datenbank mit den Straßendaten, POIs und den sonstigen Informationen. Jegliche Innovation beginnt somit beim Kartenhersteller, denn der bringt zusätzliche Daten, wie Hausnummernbereiche, Landschaftsinformationen, POIs oder macht für TMC besondere Einträge etc. Der Navi-Hersteller passt die Rohdatenbank dann seinen Features an und komprimiert sie.


    FAQ und weitere Infos


    Was ist, wenn eine Straße fehlt? Dann gibt es folgende Ursachen:


    · Der Kartenhersteller hat die Info nicht erhalten, die Straße fehlt in der verwendeten Rohdatenbank.
    · Der Navi-Hersteller hat in der Not mangelnden Speicherplatzes kleine Straßen weggeschnitten
    · Die Datenbankinfo ging (beim Komprimieren) verloren, dann sieht man die Strasse auf der Karte, es wird sogar der Name angezeigt, aber in der Adresseingabe ist sie unbekannt


    Wer aktualisiert die Kartendaten?


    Immer der Kartenhersteller, also Navteq oder TeleAtlas. Viele (wichtige) Straßen werden von den Herstellern jährlich abgefahren, unbedeutende selten bis nie. Änderungen kommen über die Behörden (klappt natürlich nicht immer) oder über die Feedbackseiten auf den Web-Sites der Kartenhersteller nicht der Navi-Hersteller!


    Neue Features haben entsprechende Datenbankstrukturen und eine alte Navigationssoftware kann eine neue geänderte Datenbank, die plötzlich zusätzliche Infos anbietet, nicht verarbeiten. Daher wird bei einem Kartenupdate immer eine neue Navigationssoftware mitgeliefert. Die Lauffähigkeit neuer Features hängt jedoch wie beim PC auch von der Leistungsfähigkeit der Hardware und dem Speicher ab. Daher ist es oft schon rein technisch nicht möglich eine Komplettupdate für alte Hardware herzustellen.


    Warum gibt es für Geräte der vorletzten Generation oft keine Updates?


    Ganz einfach, weil Geiz eben geil ist und der Besitzer eines 3 Jahre alten mobilen Navis nicht ca. 100 Euro pro Land für neue Karten ausgeben würde, besonders wenn er dafür nur ein paar neue Straßendaten aber keine neuen Features bekommt. Eine Ausnahme sind da die in Fahrzeugen festinstallierten Geräte (die kosten auch ein vielfaches eines mobilen Navis und leben im Auto 10 Jahre oder mehr) oder z.B. besonders hochwertige mobile Systeme, wie z.B. Garmin sie baut, was nicht heißt, dass Garmin keine Ex-und-hopp-Geräte vertreibt. Garmin hat wegen seiner hohen Qualität und der Mulifunktionalität den höchsten Zuwachs beim Marktanteil.


    Können alte und neue Kartendaten gemischt genutzt werden?


    Nur SmartST von Navman war bisher so kundenfreundlich, weil sie abwärts kompatibel war. Das heißt, wer z.B. ein neues Upgrade mit Deutschlandkarten gekauft hat (SmartST nebst Kartendaten), konnte z.B. für den Frankreich-Urlaub die vorhandenen alten Frankreich-Karten gleichzeitig weiterverwenden. Nur eine direkte kartenübergreifende Navigation also z.B. von Hamburg XY-Straße nach Paris direkt zur Z-Straße ist nicht möglich. Garmin hat z.T. andere Möglichkeiten unterschiedliche Karten(-typen, auch See und Topo-Karten) auf einem System zu nutzen.


    Wie lange ist ein Navi aktuell und nutzbar?


    Die Entwicklung der Navis ist sehr jung und extrem stürmisch. 2003 gab es überhaupt nur Garmin und Navman als Hersteller mobiler Systeme, deren Preise nahe 2.000 Euro lagen; in Deutschland wurden nur ein paar tausend Geräte verkauft. TomTom und Navigon spielten nur auf dem PocketPC-Bereich eine Rolle. Heute gibt es gut 20 Hersteller und unzählige Sub-Anbieter. 2005 wurden in Deutschland 2,2 Millionen mobile Navi-Lösungen verkauft, 2006 werden es wohl 3 Millionen werden, bei Preisen, die im Mittel um 350 Euro liegen, Tendenz sinkend. Insofern liegt die Lebenserwartung eines mobilen Navis bei der eines Mobiltelefons also 2 Jahre, was die Zurückhaltung der Kunden beim Erwerb von Upgrades erklärt.


    Warum dauert die Positionsbestimmung manchmal so lang?


    GPS-Satelliten stehen nicht fest am Himmel, sondern haben Umlaufbahnen, die noch dazu wechseln. Die kompletten Daten dieser einzelnen Umlaufbahnen (Almanach) werden ca. im 15 Minuten Rhythmus ausgestrahlt, die Navigationssignale natürlich permanent. Theoretisch können bis zu 12 der 24 Satelliten empfangen werden, in der Praxis werden es zwischen 6 und 9 sein, zur Positionsbestimmung sind 3 erforderlich.


    Damit man nicht immer 15 Minuten warten muss, speichert das System laufend die letzten Satellitendaten und ist so in der Regel innerhalb ca. 30 Sekunden nach dem Einschalten betriebsbereit.


    Sollten das Navi lange Zeit ausgeschaltet sein (Wochen) oder in großer Entfernung vom Ausschalteort wieder in Betrieb genommen werden, stimmen die gespeicherten Daten nicht mehr überein und es vergehen je nach Hersteller 3 Minuten oder mehr, bis das System andere, als die Signale der zuletzt empfangenen Satelliten sucht. Somit kann es bis zu ca. 18 Minuten (3 + 15) dauern, bis das System wieder über alle Daten verfügt. Sollte das System während dieser Zeit in einem Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit unterwegs sein, kann dieser Zeitraum nochmals wachsen. Ungeduldige Menschen, die das System zwischendurch aus und ein schalten, starten diesen Prozess jedes mal neu.


    Was unterscheidet ein mobiles Navi prinzipiell von einem fest eingebauten?


    Im Fahrzeug fest verbaute Geräte bekommen Bewegungs-, Richtungs- und Geschwindigkeitsinformationen aus Fahrzeugsensoren. Somit funktioniert es auch, wenn kein GPS-Signal empfangbar ist. Das Fahrzeugsystem weiß auch immer, wo es ist und braucht keine Startzeit, um aus dem Satellitenempfang die Position zu errechnen. Dieser Zeitraum kann bei einem mobilen Gerät schon mal 15 Minuten dauern, auch wenn ein Gerätestart normalerweise unter einer Minute liegt.


    Fest eingebaute Systeme haben den Vorteil, dass sie eine exzellente Sprachwiedergabe haben (Bordlautsprecher), ein reflexionsfreies Display an der richtigen Stelle und man kann sie schwer stehlen. Dafür sind sie auf das Fahrzeug gebunden und Innovationen sind schwerlich möglich, es sei denn man tauscht das ganze System oder oft das Auto. Das Kartenmaterial liegt auf CDs oder DVDs, die auf die unterschiedlichen Fahrzeugsysteme zugeschnitten sind, was geringe Stückzahlen bedeutet. Insofern sind die Fahrzeughersteller an der Datenpflege nicht so interessiert und man kann die Datenträger direkt beim Kartenhersteller kaufen. Diese Logistik ist teuer, daher muss man für ein Land ca. 100 Euro bezahlen. Ein Satz Europakarten kann den Preis eines nagelneuen mobilen Navis mit Europa an Bord übersteigen.


    Mobile Systeme sind i.d.R. auch wesentlich einfacher in der Bedienung, was mit dem Touch-Screen zusammenhängt, der leider immer spiegelt und bei extremen Temperaturen Probleme macht.