Tach allerseits,
nachdem jetzt die endlich hier eine Tourensammlung entsteht, stelle ich gerne einen Vorschlag für eine einwöchige Pyrenäenreise dazu, sie entstand im Rahmen dieses Threads.
Es folgen die Beschreibungen der einzelnen Tagesetappen, anschliessend die bcr-Dateien, im verlinkten Thread finden sich auch bereits die fertigen rte (für Navigon ab 4.2) sowie die itn-Dateien (für TT3+5).
Tag 1
Ab Narbonne nach Carcassonne (nicht umsonst gilt der Satz in der Stadt: il n'est faut pas mourir sans avoir vu Carcassonne, stimmt auch:-)) mit einem kleinen Umweg.
Schon im anderen Thread angesprochen, ist vom Mittelmeer aus der Anstieg nach Andorra ein Muss, das Eintauchen in die andere Welt der Pyrenäen binnen weniger Kilometer-wird Euch in umgekehrter Form in Biarritz erneut begegnen, dort kommt dann zusätzlich der Unterschied Mittelmeer (eher trocken, mehr Unterholz, eher Karstgelände-Atlantik tiefe Wälder, sehr grün und saftig, die Küste dort wesentlich schroffer, das Meer ist ein Meer und keine salzige Badewanne).
Von Andorra wieder runter kommen die ersten richtigen Passtrassen der Pyrenäen, für die Kurvenliebhaber. Es geht dann wieder in die Ebene, wunderschöne langgezogene Strassen auf eine Stadt zu, deren bewohnte, lebendige Festung (la Cité) die Ebene weit überragt-Carcassonne. Am Ende des Tages noch gemütlich durch die Gassen tuckern, zu Abend essen, Ausklang.
Ein Bett würde ich mir aber in der 'neuen Stadt' suchen, heftiger Touriaufschlag in der Cité.
Wären für Tag 1 480km, die ersten 20 ziemlich langweilig, dann am Mittelmeer lang und dann geht's ab.
Tag 2.
Start in Carcassonne, lockeres anrollen auf die Pyrenäen des Midi, hier heissen sie auch noch Pyrénées Orientales-enden wird der Tag da, wo der Blick von etwas über 3400m eingefangen wird, den Hautes-Pyrénées. Und die erste Überquerung der Grenze nach Spanien. Kurz vor der Rückkehr nach Fankreich wende man sich nach Süden, denn da liegen sie direkt vor einem, in dem Nationalpark Aragoniens: der Pico de Aneto (3404m), der Pico de Maladeta und etwas weiter im Westen der Posets, auch über 3300m hoch.
Die Fahrt geht dann weiter über einen der bekanntesten Pässe, dem Col d'Aspin, in Richtung Bagnères. Kurz vor Erreichen warten dann die Grottes de Médous auf das Besichtigtwerden-machen!
In Bagnères Zimmer suchen und ab auf den zentralen Markplatz zum gemütlichen Bier
Ansonsten: irre Ausblicke auf ein im wesentlichen stark bewaldete Bergkette mit einigen majestätischen Riesen-und vieeele Kurven. Nicht zählen wollen, es sind abertausende.
Der Tag hätte 335km, würde so 6h reine Fahrtzeit rechnen.
Tag 3. Der Tag der Naturwunder!
Ihr verlasst Bagnères Richtung Süden. So ein knappe Stunde etwa (60km) bis zu einem der schönsten Plätze Europas, die ich kenne: der Cirque de Gavarnie.
Ein Felskessel. Eine schmale Zufahrt an dem Fluss entlang, und man landet an einem Punkt, an dem es nicht mehr weitergeht-ein weiter Kessel. Umrahmt von steilen Felswänden, die sich bis zu 1500m fast senkrecht auftürmen. Viele kleine Wasserfälle stürzen sich die Felsen runter-einer davon (aus einem Gletschersee stammend) ist die Grande Cascade, mit knapp 500m der höchste Wasserfall Europas.
Es geht dann ein Stück zurück auf demselben Weg, logisch. Und dann kommt (Hallo Tiger) ein Stück Spaniens, genauer Aragoniens. Der Weg dahin ist ebenfalls ein Traum, ist er doch einer der wenigen Wege quer durch einen Nationalpark hindurch (der Parc national dés Pyrénées).
Diese Parks sind zu Recht fast völlig abgeschirmt, allein schon durch die Natur selber. Nur Wanderwege führen hindurch, hier sind die letzten Refugien der wilden Bären der Pyrenäen und anderer Wildtiere.
Die Strecke führt bis nach Navarra, von dort aus geht wieder mal über einen wilden Pass zurück in's Aquitaine. Die letzten Kilometer wird es ruhiger, bis Ihr den Etappenort des Tages erreicht-Pau, wohl dem Herz der französischen Seite der Pyrenäen. Etwa 80.000 Einwohner, mit dem wunderschönen Schloss Henri IV (in Eurer Reisezeit bis 17.45Uhr geöffnet).
Ihr seit damit an den Pyrénées Atlantique angekommen.
Wären 413km.
Tag 4, der Tag der Grenzübertritte oder: Aus den Höhen herab zum Ozean...
Start in Pau, ein paar schnurgerade (keine Angst, Kurven kommen noch) km geradeaus und dann wieder abbiegen Richtung Bergwelt.
Denn es gilt, mal die Pyrenäen komplett zu queren und dem Ruf nach Spanien zu folgen. Die Ortsnamen ändern sich zunehmend, wir nähern uns dem Herz des Baskenlandes, das im Westen der Berge zuhause ist.
Ein kurzes Wort zu den Basken: so seltsam (und von der genauen Herkunft immer noch unklar) ihre Sprache ist ('als Gott den Teufel strafen wollte, befahl er ihm, sieben Jahre baskisch zu lernen...'), so fremd ist ihre Kultur im südländischen Raum. Und immer noch lebendig, zumindest in den vielen kleinen Bergdörfern. Dem Fremden gegenüber sind sie sehr kühl und reserviert-aus ihren Augen falsches Verhalten wird mit kompletter Nichtachtung bestraft.
In den Dörfern gibt es keine verschlossenen Haustüren, Eigentum anderer wird grundsätzlich respektiert, Autoschlösser sind ebenfalls meist unbenutzt. Die erste Tür im Haus rechts ist die Küche, auf dem Tisch stehen zwei saubere Gläser und Wasser, meist auch noch baskisches Brot (ähnlich wie Baguette, jedoch etwas dichter und dunkler. Im getrockneten Zustand wie Kekse essbar). Derjenige, der mit Durst vorbeikommt, tritt ein (egal ob jemand da ist oder nicht) und bedient sich. Zurückgelassen wird dann wie vorgefunden.
Hilfe-sie gibt es immer und überall-und immer still. Einer kommt nach längerer Abwesenheit nach Hause, sein kleines Häuschen ist neu gestrichen, der Rasen gepflegt. Er wird nie erfahren, wer das war...
Fremde, die 'wollen', werden ignoriert-Fremden in Not wird immer geholfen, ebenso still. Schon erlebt: mit einer Panne liegengeblieben, 'zufällig' kam fachkundige Hilfe vorbei-wer sie gerufen hat, keine Ahnung.
Meine kurze Zeit damals als Gast dort hat mich tief beeindruckt.
Kontaktaufnahme mit ihnen ist nicht einfach, gerade wegen der Verschlossenheit. Dazu ihr Französisch... Wer mit dem 'Midi' einigermassen klarkommt und ihn noch härter, gutturaler und mit der Sprachmelodie eines Maschinengewehres versteht, der hat gute Chancen. Schulfranzösisch bitte abhaken.
Deutsche gelten als naja, aber andere Nationen auch. das ist auf der spanischen Seite anders! Habe es öfters erlebt: Strassensperre wegen ETA-Suche, ein britisches Paar nebst Fahrzeug wurde in alle Einzelheiten zerlegt-als Deutscher zu erkennen gegeben, nahmen die Beamten Haltung an und winkten durch.
Die spanischen Basken haben mit den französischen politisch nichts gemein, denn die Franzosen haben ihre 'Ruhe'. Eigene Sprache erlaubt, auch in den Schulen gelehrt, empfinden sie die Umtriebe der ETA als extrem lästig, stören doch die Kontrollen die eigenen kleinen Geschäfte...Nicht umsonst wurden fast alle ETA-Führer in Biarritz und Umgebung gefasst.
Die Fahrt geht also quer durch die Bergwelt nach Spanien rein, dort an einem Nationalpark des Südens entlang nach Pamplona-hier steht die Stadtbesichtigung an. Stieren bitte ausweichen:-))
Und auch dazu noch ein kurzes Wort: der spanische Stierkampf ist in Frankreich endgültig verboten, Pamplona ist eine Hochburg.
In Frankreich gibt es dafür die andere Variante, auch 'Concour des Vaches' genannt-bei Möglichkeit unbedingt ansehen! Der sportliche Teil besteht aus dem Wettkampf mehrerer Matadore: sie (ohne Schärpe, denn die Tiere sind diesen Wettkampf gewöhnt, sie hätte keinen Effekt mehr) müssen sich möglichst elegant und möglichst nahe an den an den Spitzen abgesägten Hörnern verbeidrehen, Berührung gibt Punktabzug. Oder aber die Sauteurs, die schlagen halt einen Salto über den andonnernden Stier.
Danach kommen die Publikumsspiele. z.B. Fussball zwischen Pylonen, zwei Mannschaften aus dem Publikum. Nach 2 Minuten kommt eine 'alte Kuh' (wird meist so angekündigt) dazu und macht ein wenig mit... Ein irres Gefühl, möglichst schnell einen Zaun hochzukommen, wenn so 350kg von hinten ankommen...
Dann zurück nach Frankreich, von den Höhen absteigen und durch die tiefen Wälder (wir sind jetzt auf der Wetterseite) auf den Atlantik zu-die Gegend wird spürbar milder.
Ziel ist Biarritz, das noble-Unterkunft vielleicht in den kleinen Orten südlich suchen (z.B. Bidart). Wer es jedoch sehr komfortabel haben möchte, gehe an die Promenade.
Heute 'nur' 365km-Zeit für Pamplona.
Tag 5: Der Städtetag
Heute nur 220km Fahrtstrecke, die dafür nochmals durch die baskischen Bergdörfer, quer durch einen spanischen Nationalpark, an einen weiteren heran (irre Strecke, lohnt sich)-und dann anschleichen an die spanische Hauptstadt des Baskenlandes: San Sebastian.
Am besten Moppeds an der Uferpromenade stehenlassen und einen kleinen Fussmarsch durch die Altstadt-Sehenswürdigkeiten nach Bedarf:-) Schöner, für die Atlantikküste ruhiger Strand, da im Eingang der Bucht eine kleine Felseninsel die Wellen bricht.
Die Rückfahrt an der Atlantikküste entlang (unter Aussparung von Irun, ziemlich hässliche Industriestadt, sorry), unbedingter Stopp in St. Jean de Luz. Hier in die Kirche St. Jean Baptiste, der Hochzeitskirche Ludwigs des IVX und Maria-Theresia.
Der Fischerhafen in der Bucht ist einfach nur malerisch!
Zurück nach Biarritz. Heute ev. noch Zeit für das Musèe de la mer, ansonsten kann Euch etwas blühen in der ersten Septemberwoche: Quicksilver Surf Master! DER Profisurfer-Grand-Prix in Europa (Surfer, nix Windsurfer), da ist schlicht die Hölle los, Fete pur. Und was die Jungs auf den Brettern in der Bucht machen, ist sowieso völlig irre.
Abendessen in Biarritz im alten Hafen? Lecker...zwingend baskische Fischsuppe (ttoro) vorneweg.
Falls doch mal Strand: Biarritz-Nord, das Chambre d'Amour (die alte Geschichte: Armer Fischer, reiche Adlige, verbotene Liebe. Als Platz für die Treffen wurde diese kleine Brandunsghöhle gewählt, aber dann kam die Flut und die Liebenden ertranken).
Tag 6: Naturwunder und ein anderes Wunder
Es wird Zeit, dem Atlantik 'Auf Wiedersehen' zu sagen-normalerweise reicht so ein Aufenthalt, um den Virus bereits fest zu implantieren...
Nach Osten, quer durch's Baskenland, paralell zu den Höhenzügen. Nach 50km längerer Halt: es warten die Grotten von Isturitz und Oxocelhaya. Wunderschöne grosse Säle mit sich teilweise berührenden Stalagniten und Stalaktiten, einem versteinerten Wasserfall, einer kleinen Bootsfahrt auf dem unterirdischen See. Die Höhlen sind auch von hohem wissenschaftlichen Interesse, da sie über Jahrtausende als Unterschlupf gedient haben (Teile sind deshalb nicht zugänglich). Dauert alleine fast eine Stunde und gehört zur Rubrik Pflicht.
Das andere 'Wunder' kommt später auf dem Weg: Lourdes.
Hier hab ich ein Problem: Je nach Glauben hat Lourdes eine mehr oder weniger starke Bedeutung. Es ist zum einen ein schönes Städtchen, mit einem 'Marienviertel' rund um die Grotte-und hier herrscht derart überzogener Kitsch, dass es fast schon wieder amüsant ist. Vieles tut aber einfach nur in den Augen weh.
Grotte anschauen ist wie gesagt im wesentlichen Geschmacksfrage, interessant ist sie ansonsten absolut nicht.
Ein Jeder möge selber entscheiden, ob er die Grotte 'mitnehmen' will oder nicht.
Zum Abschluss weiter nach Tarbes, die Stadt der Pferde. Napoleon züchtete hier einst die 'Tarbais', eine leichte Vollblutrasse, die auch heute noch in der Stadt selber überall zu sehen ist. Tarbes ist ausserdem die Stadt der Gärten-sehr zu empfehlen ist der Jardin Massey, einer der schönsten in Südfrankreich.
Zum Abendessen: es wird langsam Zeit, ein Confit zu versuchen, mjammjamm... Am besten Confit de Canard, also Ente.
Eine Spezialität des Südwestens in Frankreich. Das Tier wird ausgelassen, die besten Stücke (Brust, Keule) dann leicht gewürzt in das eigene Fett eingelegt und das Ganze für ein Jahr z.B. in einen Tongefäss. Anschliessend Gefäss erhitzen, Fleisch entnehmen, kurz anbraten und fertig: extrem zart, verdammt lecker...
Mit Vögeln haben es die Basken sowieso. Es gibt ab und an auch eine Pastete aus Vögeln der Pyrenäen, versetzt mit den Bergkräutern. Absolute Spezialität, teuer-man muss halt Wachteln u.ä. mögen.
240km, die Grotten und Lourdes fordern Zeit...
Tag 7, JokersDay oder Cruisertag
Wie anfangs erwähnt, kommen meine Vorschläge 'als ob ich selber fahren würde'. Und dazu gehört bei mir eigentlich immer so ein Jokertag: eine schöne Tour, die man aber auch streichen kann.
September in den Pyrenäen-kann sein, dass ihr noch die stabile Hochdrucklage habt und dort 3 Wochen 30° und Sonne sind. Kann aber auch mal sein, dass die Lage kippt und dann kann es gerne zu den berüchtigten Gewittern kommen. Südländische Berggewitter: man kann sich genausogut unter einen Wasserfall stellen, Wassermenge ist identisch-da ist an Motorradfahren nicht zu denken. Oder aber der Pannenteufel-soll es ja schon gegeben haben.
Also eine kleine Etappe für die Cruiserfreunde: die Garonne entlang durch die Weingebiete des Bordeau bis nach Toulouse.
Toulouse: klasse Stadt! Infos siehe zahlreiche Reiseführer-Hauptsache abends Cassoulet gegessen.
Bei entsprechender Zeitnot kann man bereits an Tag 6 bis nach Toulouse durchrauschen, von Tarbes aus über die Autobahn eine starke Stunde... Ich würde im Zweifel Tarbes zugunsten von Toulouse fallenlassen.
Ansonsten Vorsicht bei der Tagesstrecke: sehr schön zu rollen, nur die vielen Möglichkeiten zur Weinprobe...
Wären 370km ohne wilde Kurven.
Allen viel Spass beim Kurvenfahren!
Wolfgang